Welternährungstag: Fisch bald vom Tisch?

Anlässlich des Welternährungstages warnt der WWF vor einer fortschreitenden Plünderung der Meere: Durch unseren unstillbaren Hunger nach Fisch und Meerestieren könnte die kommerzielle Fischerei bis 2050 zum Erliegen kommen.
Fisch ist gesund, besonders heimischer! Doch die Meere werden durch unseren Hunger auf Fisch geplündert.
Fisch ist gesund, besonders heimischer! Doch die Meere werden durch unseren Hunger auf Fisch geplündert.
Aktuell werden etwa 110 Millionen Speisefisch pro Jahr verzehrt. Weltweit sind 520 Millionen Menschen direkt oder indirekt von Fischerei abhängig. 80 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände gelten laut dem soeben veröffentlichtem Living Planet Report des WWF bereits heute als überfischt oder bis an ihre Grenzen befischt. Die EU-Länder sind trauriger Rekordhalter: 88 Prozent der Fischbestände in der EU sind bedroht. Nirgendwo sonst auf der Welt werden die Meere derart stark übernutzt. Wer trotzdem Fisch ohne schlechtes Gewissen genießen will, entscheidet sich beim Einkauf einfach für heimische Fische wie Forelle, Karpfen oder Hecht, für Fisch aus Biozucht oder Fisch mit dem blauen MSC-Ökosiegel auf der Verpackung - Fischgenuss ohne Reue ist somit möglich.

Fisch ist gesund
Fast acht Kilogramm Fisch genießt durchschnittlich jeder Österreicher pro Jahr. Doch längst nicht jeder Fisch wird umweltverträglich gefangen. Was als Fischmenü auf unseren Tellern landet, hat oft eine erschreckende Vorgeschichte: Wir schädigen die Ozeane durch zerstörerische Fangmethoden oder durch das sinnlose Töten von Unmengen an Nicht-Zielarten, dem sogenannten „Beifang“, der sterbend oder tot als Müll wieder in die Meere zurückgeworfen wird. 40 Prozent des globalen Fischfangs wird weggeworfen oder nicht verarbeitet, das sind jährlich 38 Millionen Tonnen „Fischmüll“. Fische und Fischprodukte im Wert von 350 Millionen Euro wurden letztes Jahr nach Österreich importiert. Typische Importfische sind Lachs, Thunfisch, Sardine und Makrele aber auch Shrimps, Muscheln und Tintenfisch. Verbraucher sollten laut WWF beispielsweise auf den bereits stark gefährdeten Rotbarsch verzichten, bei dessen Fang durch tonnenschwere Grundschleppnetze Jahrtausende alte Korallen-Lebensräume zermalmt werden. Eine schlechte Öko-Bilanz haben auch tropische Shrimps, für deren Zuchtanlagen hunderte Kilometer Mangrovenwälder abgeholzt werden. Die beliebten Speisefische Scholle oder Seezunge produzieren ungeheure Beifang-Mengen: Für ein Kilo Scholle müssen bis zu 15 Kilo an mitgefischten Arten sterben. Auch Zuchtfische wie Lachs sind nicht immer eine gute Wahl: Für die Fütterung der Zuchttiere wird Fischmehl eingesetzt, das aus eigens dafür gefangen Fischen produziert wird und somit weiter zur Überfischung beiträgt.

Jeder Verbraucher kann einen Beitrag zum Schutz der Meere leisten: Eine Möglichkeit bietet der Kauf von Fischprodukten mit dem blauen Label des Marine Stewardship Council (MSC), dem weltweit einzigen anerkannten Siegel für nachhaltige Meeresfischerei. Welche Fische im Einkaufswagen landen sollten und was nicht auf den Teller gehört, erklärt auch der WWF-Fischführer, den man unter www.wwf.at/fischfuehrer jederzeit anfordern kann, um ihn beim Einkauf in der Tasche parat zu haben.


Aktualisiert am: 18.10.2010 09:30
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