Welche Rohfaser für tragende Zuchtsauen?

Tragende Sauen brauchen genug und passende Rohfaser und müssen energie-, eiweißund mineralstoffärmer gefüttert werden als säugende Sauen. Rohfaserträger haben unterschiedlichste Eigenschaften, die bei der Auswahl berücksichtigt werden müssen.
Rohfaser spielt für tragende Zuchtsauen eine wichtige Rolle, sie fördert die Ruhe im Stall.
Rohfaser spielt für tragende Zuchtsauen eine wichtige Rolle, sie fördert die Ruhe im Stall.
Tragende Sauen sollen täglich mindestens 150–200 g Rohfaser aufnehmen. In der Praxis werden überwiegend Alleinfutterrationen gefüttert, die die notwendigen Rohfaserfuttermittel bereits enthalten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Rohfaserträger in Form von z.B. Heu, Stroh, Rübenschnitte nachgefüttert werden. Rohfaser soll zur mechanischen und zur chemischen Sättigung beitragen. Bei der mechanischen Sättigung wird über ein hohes Futtervolumen (beispielsweise über Raufutter) eine gute Füllung und Dehnung des Verdauungstraktes erzielt. Durch Rohfaserfuttermittel mit hoher Quellfähigkeit (z.B. Trockenschnitzel, Rohfaserpellets) wird der Magen-Darm-Trakt ebenfalls gedehnt.
Die chemische oder hormonelle Sättigung wird über Rohfaser und Energie, die im Futter enthalten sind, erreicht. Im Dickdarm wird die bakteriell fermentierbare Substanz (BFS) des Futters aufgeschlossen und bewirkt somit ein Sättigungsgefühl. Die Sauen sind dadurch wesentlich ruhiger. Der gut trainierte voluminöse Verdauungstrakt der Sau ist die Grundvoraussetzung für eine hohe Futteraufnahme in der Säugezeit. Ein entscheidender Faktor, der vor allem für Hochleistungssauen enorm wichtig ist. Bei hohen Ferkelzahlen sind eine hohe Futteraufnahme und damit eine optimale Milchleistung bei möglichst geringem Körpermasseverlust der Sau entscheidend. Sauen können nur bei guter Körperkondition in den Folgewürfen gute Furchtbarkeitsleistungen bringen.

Tierschutzrechtliche Belange
Laut Bundestierschutzgesetz und 1. Tierhaltungsverordnung müssen Schweine ständigen Zugang zu ausreichenden Mengen an Materialien haben, die sie untersuchen und bewegen können, wie z.B. Stroh, Heu, Holz, Sägemehl, Pilzkompost, Torf oder eine Mischung dieser Materialien, durch die die Gesundheit der Tiere nicht gefährdet werden kann. Die Zugabe von Raufutter, wie zum Beispiel Heu oder Stroh, kann den Beschäftigungsanspruch auf jeden Fall erfüllen. Weiters ist unter Punkt „3.4. Ernährung“ der 1. Tierhaltungsverordnung angeführt, dass trockengestellten trächtigen Sauen ausreichend Grundfutter oder Futter mit hohem Rohfaseranteil sowie Kraftfutter verabreicht werden muss.
Der genaue Rohfasergehalt im Alleinfutter ist gesetzlich nicht definiert. Fachlich ist ein Mindestgehalt von 6 % Rohfaser in der Alleinfuttermischung für tragende Sauen empfehlenswert. Je mehr, umso besser, da nicht nur das Gesetz erfüllt werden sollte, sondern viele positive Effekte mit guter Rohfaserversorgung erzielt werden.
6 % Rohfasergehalt in der Gesamtration erreicht man, wenn man mindestens 15 % Rohfasermix mit 20 % Rohfasergehalt oder mindestens 10 % Rohfasermix mit 30 % Rohfasergehalt einsetzt.

Autor: Ing. Rudolf SCHMIED, LK-SchweineBeratung Steiermark (SBS), Gleisdorf

Weitere Informationen zur Rohfaser in der Gruppenhaltung können Sie in der Ausgabe 10/2013 der Fachzeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.

Weitere Themen in dieser Ausgabe:
  • Außenklimastall – Schweine kosteneffizient mästen (Mag. Martin KAROSHI, Landwirtschaftskammer Steiermark, Graz)
  • Einführung der elektronischen Ohrmarke in Reichweite? (Ing. Robert KRAPF, EZG Gut Streitdorf)
  • MucoDigest® – eine hochverdauliche Proteinquelle im Test (Dr. Manfred WEBER, Zentrum für Tierhaltung und Technik Iden (D))
  • Pig News

Aktualisiert am: 06.05.2013 10:47
Landwirt.com Händler Landwirt.com User