Weizensaat: Runter mit der Saatstärke

Bereits seit fünf Jahren führen wir Saatdichte- und Sortenversuche bei Winterweizen durch. Bei manchen Sorten wirkte sich eine Reduktion der Saatstärke nicht auf den Ertrag aus. Die Ergebnisse sind aber unterschiedlich und müssen interpretiert werden
Als grober Richtwert für die Saat Anfang Oktober gilt eine Saatstärke von 200 bis 270 Körner je Quadratmeter und ab Mitte Oktober 230 bis 310 Körner je Quadratmeter zur Weizensaat.
Als grober Richtwert für die Saat Anfang Oktober gilt eine Saatstärke von 200 bis 270 Körner je Quadratmeter und ab Mitte Oktober 230 bis 310 Körner je Quadratmeter zur Weizensaat.
Weizen ist hinsichtlich der Saat eine sehr robuste und verträgliche Pflanze. Wie die Ergebnisse der letzten Jahre zeigen, ist Weizen auch hinsichtlich der Saatzeit recht tolerant. Ideal wäre die erste Oktoberhälfte, aber auch bist Ende Oktober haben wir immer hohe Erträge erzielt. Bis zur Winterruhe wäre die Bildung von ein bis zwei Bestockungstrieben (EC 21) optimal. Zumindest drei bis vier Blätter sollten im Herbst gebildet werden (EC 13 bis EC 14). Bei früher Saat ist eine mögliche Infektion mit Blattseptoria (Septoria tritici) im Herbst zu beachten, die unter Umständen im Frühjahr eine frühe Behandlung dieser Krankheit erfordern. Saatzeiten ab Mitte November entwickeln sich schwach und sind im Ertrag bedeutend schwächer als Oktobersaaten. Dies haben wir auch in den Versuchen der letzten Jahre gesehen.

Saatdichteversuch 2013
Die Versuchsanlage erfolgte 2012 relativ spät (am 25. Oktober), da die Maisernte sehr späte war. Dabei haben wir 17 Weizensorten als Streifenversuch gesät und gleichzeitig bei jeder Sorte die Saatdichte mit 300 Korn und 180 Korn angelegt. Bei einigen Sorten haben wir die Saatdichte noch stärker variiert.

Saatstärke durch Bestockung kompensiert
Die Bestockungsrate lag im Durchschnitt der Sorten bei etwa 2 Trieben je Keimpflanze bei Normalsaat mit etwa 300 Korn je Quadratmeter. Bei einer reduzierten Aussaat von 180 Korn je Quadratmeter ergab sich eine Bestockungsrate von zirka 2,9 Trieben je aufgelaufener Weizenpflanze. Der Weizen hat damit den geringeren Aufgang durch die Bestockung kompensiert. Bei einigen ausgewählten Sorten verminderten wir die Aussaatmenge auf 40 % der Normalsaatdichte. Diese Saatmenge erreichte sehr hohe Bestockungsraten. Begrenzend und optisch auffallend war bei dieser Saatdichte die Ablageverteilung der Sämaschine in der Reihe. Hier waren die Abstände oft sehr unterschiedlich, doch bei der Ernte kaum mehr erkennbar. Aber durch genaueste Einzelkornsaat könnte man hier den Standraum noch optimaler nutzen.

Ziel: 450-550 Halme
Die Bestockung kann bei extremen Dünnsaaten durch eine hohe Ablagegenauigkeit in der Reihe, aber besonders auch durch eine optimale Ablagetiefe unterstützt werden. Der Weizen darf nie zu tief gesät werden. Bei zu tiefer Saat bilden sich lange Halmheber, die zu schwachen, bestockungsfaulen Pflanzen führen. Das Ziel sind je nach Bodenart, Wasserversorgung und Ertragsziel 450 bis 550 ährentragende Halme je Quadratmeter (manche bis 600 Halme)..

Interpretation
Aufgrund der zwar späten, aber gleichmäßigen Entwicklung aller Varianten und der Unterstützung mit einer gezielten Düngung waren die unterschiedlichen Saatdichtevarianten in den Erträgen sehr ähnlich. Aus diesem Versuch und den Erfahrungen der Versuche der letzten Jahre (siehe Landwirt 19/2012) lassen sich einige Schlüsse ziehen.
Bei günstigen Saatbedingungen (optimales Saatbeet, erste Oktoberhälfte, Verwendung von hochwertigem Z-Saatgut) ist es gut möglich, die Saatmenge auf 60 bis 70 % der Normalsaatmenge zu vermindern. Bei späterer Saat und bei dünnen Beständen muss aber im Frühjahr noch exakter gedüngt und eventuell ein gezielter Wachstumsreglereinsatz durchgeführt werden. Extreme Spätsaaten (ab Mitte November) sind im Ertrag immer unterlegen.

Empfehlung zur Saatstärke
Aus den Erfahrungen der letzten Jahre empfehle ich Anfang Oktober - je nach Vorfrucht und Saatbett - 200 bis 270 Körner je Quadratmeter und ab Mitte Oktober 230 bis 310 Körner je Quadratmeter zur Weizensaat als groben Richtwert. Entscheidend sind die Körner je Quadratmeter, nicht die Kilo je Hektar. Das Ziel im Dezember sind 180 bis 280 gesunde Keimpflanzen.

Autor: Dipl.-HLFL-Ing. Franz KASTENHUBER


Das Ergebnis des Saatdichteversuchs finden Sie in der LANDWIRT Ausgabe 19/2013

Aktualisiert am: 23.09.2013 11:30
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