Weizenmarkt: Preis hoch und vom Preishoch weit entfernt

Die derzeit steigenden Lebensmittelpreise werden mit enorm gestiegenen Preisen für Agrarrohstoffe begründet. Doch sind die Preise wirklich hoch? Börsenanalyst und Landwirt Johann Schmalhofer gibt im Interview einen Rückblick und wagt einen Ausblick.
Die Weizenpreise sind momentan zwar relativ hoch, in der langfristigen Betrachtung aber noch recht moderat.
Die Weizenpreise sind momentan zwar relativ hoch, in der langfristigen Betrachtung aber noch recht moderat.
Landwirt: Herr Schmalhofer, wie ist die fundamentale Einschätzung bei Weizen, was bewegt die Weizenmärkte in den USA und in Europa?

Johann Schmalhofer: Der internationale Getreiderat IGC hat seine neuesten Schätzungen für die Weltgetreideernte 07/08 am 22.11.07 herausgegeben.

Für das Jahr 07/08 liegt die weltweite Produktion von Weizen bei 603 Mio. Tonnen und der Verbrauch bei 611 Mio. Tonnen, damit ist der Verbrauch um 8 Mio. Tonnen höher als die Erzeugung. Der Verbrauch ist damit zum 3ten mal (05/06; 06/07; 07/08) in Folge höher als die Erzeugung.

Die weltweiten Vorräte an Weizen betragen damit nur noch 18 % der geschätzten Erntemenge 07/08. Eine Versorgungsknappheit an Getreide in Europa und eine Konkurrenzsituation um Agrar-Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie, die Futtermittelindustrie und für den Energiebereich dürften der Ausschlag für die aktuell laufende Weizenhausse sein. Die Getreidevorräte in den staatlichen Lagern sind so niedrig wie seit langem nicht mehr. Derzeit reagieren die Märkte auf die erwartete oder reale Versorgungsbilanz sehr beweglich und schwankend mit zum Teil heftigen Kursausschlägen.

Landwirt: Wie sieht denn die inflationsbereinigte Auswertung vom Preisverlauf des Weizens aus?

Johann Schmalhofer: Das Bild zeigt die reale Preisentwicklung, also angepasst um die Inflationsrate. Um das inflationsbereinigte Niveau von 1974 (roter Kreis) erreichen zu wollen, müsste sich der derzeitige Weizenpreis an der CBOT (Weizenbörse in Chicago) nochmals ver3,5fachen. Das höchste inflationsbereinigte Niveau, dass die Graphik zeigt, stammt vom Jahr 1917 (blauer Kreis). Wollten wir dieses Niveau je wieder erreichen, müsste sich der aktuelle Weizenpreis ver5,6fachen. In der Langzeitbetrachtung sind die derzeitigen Weizenpreise also immer noch recht moderat.

Johann SCHMALHOFER im Gespräch mit Dr. Rudolf HÖNLE


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Aktualisiert am: 10.12.2007 16:24
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