Weizen – verkaufen oder abwarten?

Die Einschätzungen betreffend die Preisentwicklung bei Weizen sind derzeit widersprüchlich. Für den Landwirt ist die Lage schwierig.
Marktbeobachter rechnen mit einem 13%iger Preisrückgang bzw. 15 Euro/t niedrigere Notierungen bei EU - Weizen bis zum Jahreswechsel. Gründe dafür sind die weltweiten hohen Weizenerträge.
Marktbeobachter rechnen mit einem 13%iger Preisrückgang bzw. 15 Euro/t niedrigere Notierungen bei EU - Weizen bis zum Jahreswechsel. Gründe dafür sind die weltweiten hohen Weizenerträge.
Luise Gartner, eine bekannte amerikanische Weizenmarktanalystin, führt diese Preisentwicklung auf den Eintritt finanzkräftiger Indexfonds am Weizenterminmarkt, insbesondere in den USA, zurück. Nachdem eine Vielzahl von Rohstoffwerten vor allem Mineralöl im Preis in diesem Jahr schon erheblich zugelegt hat, versprechen sich diese Fondsverwalter noch eine Preisrallye bei den bisher bewertungsmäßig zurückgebliebenen Agrarprodukten.
Kommen diese aber künftig zu einer anderen Markteinschätzung, verkaufen sie ihre Kontrakte umgehend wieder. Deren Folgen beschreiben, laut dem Nachrichtendienst Bloomberg, Marktbeobachter namhafter Banken mit einem 13%iger Preisrückgang bzw. 15 Euro/t niedrigere Notierungen bei EU - Weizen bis zum Jahresende. Als fundamentale Gründe führen die Analysten dazu die diesjährigen weltweiten hohen Weizenerträge und der damit verbundener 12%ige Anstieg der globalen Weizenvorräte an.

Achtung Kornkäfer
Fundamental verschafft zusätzliche Nachfrage, insbesondere durch zunehmende Exporttätigkeit, die Voraussetzung für ansteigende Notierungen. Dafür nennen Marktanalysten bereits ein Datum. Denn von dem zur Ausfuhr vorgesehenen ukrainischen Weizen in Höhe von 9 Mio. t. sind nach 5 Monaten bereits 5,7 Mio. t exportiert. Bleibt es bei diesem Vermarktungstempo, sind rein rechnerisch die Läger bis dahin geräumt. Kornkäferbefall verschärft all das noch zusätzlich. Auf 4,6 % beläuft sich dieser, laut einem Reuters Bericht, im Mittel bei ukrainischem Weizen. Im Extremfall wurden auch schon Schäden von 80 % gemessen. Aber auch russischer Weizen bleibt von diesem Lagerschädling nicht verschont, wenn auch mit im Mittel von 2,6 % im geringeren Ausmaß. Ägypten als der weltweit größte Weizenimporteur reagiert darauf mit der Verringerung der Toleranz für Kornkäferschäden auf 1 %. Zwischenzeitlich lässt dieses Land sich auch bessere Qualität etwas kosten. So kommt beim letzten ägyptischen Weizenausschreibung EU Weizen mit 115.000 t von 175.000 t zum Zuge. Dies ist bemerkenswert, da dieser mit 203 US-$/t um 4,1 US-$/t teurer als russischer Weizen ist und zusätzlich höhere Frachtkosten verursacht.

Vermarktungsmaßnahmen
Hinter dem zuvor Beschriebenen steht aber keine Gesetzmäßigkeit, sondern einzig die Wahrscheinlichkeit. Darauf muss sich der Vermarkter einstellen. Es gilt das Risiko zu minimieren.
Als eine probate Vermarktungsmethode erweist sich der Verkauf von Weizen wenn nach dem 1. Oktober dessen Notierung gegenüber der Vorwoche nachgibt. Dann verlässt ein Drittel der zu vermarktenden Ware das Lager. Das nächste Drittel, sobald die Notierung über dem ersten Verkaufspreis liegt und im darauffolgenden Zeitraum wieder nachgibt. Das gleiche Verfahren gilt für die Vermarktung des letzten Drittels. Treten diese Gegebenheiten nicht ein, erfolgt Ende April die Lagerräumung, gleich wie hoch der Weizenpreis notiert.
Zu 6 Euro/t Mehrleistung bzw. 45 Euro/ha bei einem unterstellten 7,5 t Hektarertrag gegenüber der Erstnotierung nach der Ernte führt das im Mittel des 15jährigen Beobachtungszeitraumes. Mit eingerechnet sind dabei 35 Cent/t Lagerkosten pro Woche bis zum jeweiligen Verkaufstermin. Insbesondere in Zeiten großer Marktunsicherheit neigen die Notierungen gerne zu erheblichen Preisschwankungen. 5- 10 Euro/t innerhalb einer Woche sind dann keine Seltenheit. Dem gilt es bei nachgebenden Notierungen zuvor zu kommen. Dies verhindert ein selbst gesetztes Preislimit, so derzeit 130 Euro /t Weizennotierung MATIF mit Fälligkeit Mai 2010. Sollte dieser Wert zwei Tage hintereinander unterschritten werden, bildet das ein Verkaufssignal.

Unstrittiger Kaufvertrag
Damit diese Vermarktungsvorteile sich auch in klingender Münze auszahlen, verlangt das den Abschluss eines unstrittigen Kaufvertrages. Dem geht die Anfrage bei der aufnehmenden Hand vor, die die Festlegung der Verkaufsmenge, der Produktbeschreibung, der Preises sowie der Liefer- und Zahlungsbedingungen beinhaltet. Dies alles geschieht auf Basis der vorgelegten Probe. Seit Probenahme bis zum vereinbarten Liefertermin vergeht aber eine gewisse Zeit. Da Getreide ein lebendes Gut ist, unterliegt es Veränderungen, die die Qualität beeinträchtigen und dann zu Abzügen oder gar zum Stoßen der Vertragsware führt. Dafür gilt es Vorsorge zu treffen. Gelegenheit dazu bietet die Ergänzung des zugesandten Angebotes, so im Hinblick auf Ab- und Zuschläge. So kann dies zum Beispiel auf Basis der Interventionsbedingungen oder Mühlenbedingungen erfolgen. Ist die Gegenseite damit nicht einverstanden, wird sie sich melden und es kommt zu Nachverhandlungen. Gelingt es dann nicht eine Einigung herbeizuführen, bleibt der Kaufvertrag unwirksam. Im anderen Fall schafft diese Festlegung Klarheit bei allen Vertragsparteien.

Autor: Joachim RUHMANN, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), Bad Kreuznach (D)


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Aktualisiert am: 21.12.2009 10:07
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