Weidehaltung von Mutterkühen und Jungrindern (Teil 1)

In der Milchproduktion sind Intensivweiden (Kurzrasen- bzw. Umtriebsweiden) günstige und arbeitssparende Alternativen zur ganzjährigen Stallhaltung. Doch passen diese Systeme und auch die Alpung auch zur Mutterkuhhaltung bzw. Kalbinnenaufzucht?

Männliche Tiere sollten ab etwa 250 kg von der Mutterkuhherde getrennt gehalten werden.
Männliche Tiere sollten ab etwa 250 kg von der Mutterkuhherde getrennt gehalten werden.
In der Mutterkuhhaltung ist die Weidehaltung das vorherrschende Verfahren. Ganzjährige Freilandhaltung wird in erster Linie mit Robustrindern wie Hochlandrind oder Galloway betrieben. Mutterkuhhaltung mit milchbetonten Muttertieren stellt hingegen hohe Anforderungen an das Weidemanagement, deshalb sollten extensive Weideflächen bzw. Almen auch nur von Tieren, die keine hohen Ansprüche stellen, beweidet werden (Extensivrassen, trockenstehende Mutterkühe oder auch die weibliche Nachzucht).

Getrennte Herden sinnvoll
Aus fütterungstechnischen Gründen empfiehlt sich, die Kühe ohne Kalb von denen mit Kalb zu trennen, denn säugende Mutterkühe (2. - 6. Säugemonat) stellen hohe Anforderungen an Futterangebot und -qualität.

Trockenstehende Mutterkühe hingegen sind verhalten zu füttern, da sie sonst sehr leicht verfetten und nach der Abkalbung mit Stoffwechselproblemen zu kämpfen haben. Hinzu kommt das Risiko, dass trockenstehende Kühe von den Kälbern anderer Kühe weiter besaugt werden. Sie können sich dadurch nicht auf die bevorstehende Geburt vorbereiten und auch mit einem gehäuften Auftreten von Euterentzündungen ist zu rechnen.

Eine Herdentrennung empfiehlt sich auch bei Herden mit geschlechtsreifen, männlichen Tieren (ab etwa 250 kg). Sie werden in der Mutterkuhherde zunehmend unruhig, die Aktivität in der Herde steigt und damit auch der Energiebedarf, die Futteraufnahme geht zurück. Darunter leiden sowohl die Zunahmen als auch die Schlachtkörperqualität der Jungtiere. Außerdem können weibliche Tiere ab einem Gewicht von etwa 280 kg bereits trächtig werden!

Kühe zwischen dem 2. und 6. Säugemonat stellen hohe Ansprüche an Futterangebot und –qualität. Hohe Futter- und Nährstoffaufnahmen können auf der Weide aber nur bei ausreichendem Weideangebot in möglichst gleichbleibender und hoher Qualität erreicht werden. Genau das ist aber neben dem geringen Arbeitsaufwand die größte Stärke von Kurzrasen- und Umtriebsweiden.

Autor: Hans HÄUSLER, Abteilung für Alternative Rinderhaltung, HBLFA Raumberg - Gumpenstein


Autor:
Aktualisiert am: 07.07.2006 10:49
Landwirt.com Händler Landwirt.com User