Weide: Nur im Frühjahr und Herbst beifüttern

Bei Vollweide wird im Sommer üblicherweise auf jede Ergänzung zum Weidefutter verzichtet. Nach neuen Versuchsergebnissen der HBLFA Raumberg – Gumpenstein empfiehlt es sich, im Frühjahr und Herbst nach Bedarf beizufüttern.
Wird Heu bei Weidehaltung zugefüttert, verdrängt dieses das energiereiche Weidefutter aus der Ration, wodurch die Milchleistung zurückgeht.
Wird Heu bei Weidehaltung zugefüttert, verdrängt dieses das energiereiche Weidefutter aus der Ration, wodurch die Milchleistung zurückgeht.
Gerade jetzt im Spätsommer steigen bei der Weidehaltung von Milchkühen die Harnstoffwerte und die Tiere setzen sehr dünnflüssigen Kot ab – beides sichere Anzeichen für eine Proteinüberversorgung und / oder einen Strukturmangel. In dieser Zeit steigen die Harnstoffwerte teilweise auf über 50 mg je 100 ml Milch, wobei der Optimalwert zwischen 20 und 30 mg liegt. Spätestens mit dem Auftreten dieser Probleme steht die Frage nach einer gezielten und angepassten Ergänzungsfütterung im Raum. Allerdings reduziert eine etwaige Beifütterung die Weidefutteraufnahme. Daneben muss auch auf die Tiergesundheit Rücksicht genommen werden.

So füttern Sie richtig bei
- Eine Beifütterung von ca. 1 – 2 kg Heu pro Mahlzeit bis etwa Ende Mai und ab etwa Anfang September verhindert Strukturmängel, die im Frühjahr und im Herbst auftreten können (Gefahr von Blähungen).
- Hohe Harnstoffwerte und somit hohe Eiweißüberschüsse in der Ration können durch die Zufütterung von Silomais und / oder Kraftfutter reduziert werden, wobei für eine spürbare Entlastung ca. 3 – 4 kg Kraftfutter und je nach Trockensubstanzgehalt etwa 10 – 12 kg Maissilage notwendig sind.
- Um einen wirksamen Nährstoffausgleich zu erzielen und Pansenacidosen zu verhindern, soll ausschließlich Energiekraftfutter mit einem hohen Anteil an pansenschonenden Komponenten wie zB Körnermais, Trockenschnitte, Weizenkleie zum Einsatz kommen.
- Die Beifütterung im Stall reduziert die Weidefutteraufnahme und soll deshalb so gering wie möglich gehalten werden.

Fazit
Während des Sommers ist vor allem auf grasbetonten Weiden keine Zufütterung notwendig. Durch eine Fütterung im Stall wird lediglich die Weidefutteraufnahme reduziert und die Futterkosten steigen. Im Frühjahr und im Herbst sollte aber auf die Beifütterung von Heu nicht verzichtet werden, da in diesen Zeitabschnitten bei alleiniger Weidefütterung mit Strukturproblemen zu rechnen ist. Hohe Eiweißüberschüsse im Spätsommer lassen sich mit Maisilage und/oder Kraftfutter ausgleichen, es müssen aber mindestens etwa 10 kg Maissilage (FM) oder ca. 3 – 4 kg Kraftfutter eingesetzt werden.

Autor: Johann HÄUSLER, HBLFA Raumberg – Gumpenstein


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Aktualisiert am: 07.08.2007 17:43
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