Was passiert am Getreidemarkt 2012?

Die Entwicklungen am Getreidemarkt hängen ebenfalls mit der Entwicklung der Finanzmärkte zusammen. Anhand von Beobachtungen am globalen Getreidemarkt können Schlussfolgerungen über potenzielle Tendenzen im Jahr 2012 gezogen werden.
Die Börsenpreise hängen stark von der Stimmung der Marktteilnehmer ab. Dies erklärt, warum der Maispreis seit Juni diesen Jahres nach unten tendiert.
Die Börsenpreise hängen stark von der Stimmung der Marktteilnehmer ab. Dies erklärt, warum der Maispreis seit Juni diesen Jahres nach unten tendiert.
An den Getreidebörsen werden die Preise, wie auch an anderen Börsen, über das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage gebildet. Im Allgemeinen hängt die nachgefragte und produzierte Menge und Qualität von Fakstiegsgrafik toren wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ab. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass die Preise auch sehr stark von der Stimmung der Marktteilnehmer (Konsumenten, Börsianer etc.) beeinflusst werden. Aus diesem Grund kann erklärt werden, warum der Preis von Mais seit Juni dieses Jahres nach unten tendiert, während eine globale Angebotsverknappung bei eher steigender Nachfrage beobachtet werden kann. Das Erdbeben in Japan, die Revolution in mehreren arabischen Ländern, sowie die Schuldenkrise in der europäischen Peripherie sind Gift für das Vertrauen und die Stimmung der Marktteilnehmer und bieten eine plausible Erklärung für Preisbewegungen, die nicht auf Angebot- und Nachfrageschwankungen gründen.

Was sagen die Fundamentaldaten?
Auf fundamentaler Basis, also auf Grundlage von Daten und Informationen, wird der momentane Rückzug des Maispreises mittelfristig (3–6 Monate) eher als Einstiegsmöglichkeit gewertet. Auf der Angebotsseite sehen wir heute, dass die Maisproduktion in den USA seit Frühling 2011 ständig nach unten revidiert wird, während die Nachfrage laut Daten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums (USDA) bis August stabil war und dann scheinbar leicht einbrach. Das gleiche Bild gestaltet sich laut USDA auch auf globaler Ebene. Ohne weitere Erklärung könnte also der Rückgang des Maispreises an der Chicagoer Agrarrohstoffbörse, der Leitbörse für Mais, seit August dieses Jahres auf eine sinkende Nachfrage zurückgeführt werden. Bei einer genaueren Betrachtung der Situation allerdings finden wir, dass erstens die Maisnachfrage seitens der Ethanolproduzenten, die für den Konsum von über einem Drittel der US-Maisernte verantwortlich sind, in den letzten Monaten stark zugenommen hat und zweitens die Schweine- u. Rinderproduktion aufgrund solider Exportnachfrage über den Sommer expandiert hat. Außerdem hat drittens der Cash-Markt (Preis, der für eine sofortige Lieferung bezahlt wird) während der Ernte das Gegenteil, also höhere Preise als der Börsepreis, angezeigt. Die Differenz zwischen (höherem) Cash-Marktpreis und Börsenpreis schrumpft meistens während der Erntezeit, da im Herbst mehr Ware am Markt ist. Seit Ende August 2011 allerdings weitet sich diese Differenz aus. Wir interpretieren dies als starkes Signal für einen festeren Maispreis.

Autor: Günter TSCHIDERER, Portfolio Manager, BNP Paribas, Paris (FRA)

Den vollständigen Artikel können Sie in der Ausgabe 24 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen.


Aktualisiert am: 05.12.2011 16:24
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