Was Parasiten im Schwein anrichten und wie man ihnen zu Leibe rückt

Parasiten richten im Schweinebestand oft unbemerkt wirtschaftlich bedeutende Schäden an. Welche Parasiten für Schweine gefährlich sind und wie man diese bekämpft, wird im folgenden Artikel erklärt.
Borkenbildung bei chronischem Räudebefall
Borkenbildung bei chronischem Räudebefall
Parasiten leben auf Kosten eines Wirtstieres als Endoparasiten (Innenparasiten) in den tiefen Körperhöhlen im Gewebe oder Blut oder als Ektoparasiten (Außenparasiten) auf deren Körperoberfläche.

Infektionsdruck bei Einstreu höher
Durch die Gewebeschädigung kann es zur Verschlechterung der Immunitätslage des Schweins und dadurch bedingt zu zusätzlich bakteriellen Sekundärinfektionen kommen.
In Gruppenhaltungssystemen mit Einstreu, unbefestigten Auslauf oder Weidehaltung ist der Infektionsdruck deutlich höher als in strohlosen Systemen mit regelmäßiger Kotbeseitigung. Gezielte Entwurmung in Verbindung mit konsequenter Reinigung und Desinfektion der Aufstallung in Kombination mit einer Waschbehandlung der Zuchtsau vor dem Einstallen in die Abferkelbox helfen den Parasitendruck niedrig zu halten. Mangelernährung, Infektionskrankheiten, Stress, bestimmte Umweltbedingungen wie feucht warme Sommer und milde Winter, Feuchtstellen und Moraste auf Weideflächen und auch Managementfehler (gemeinsame Haltung von Tieren unterschiedlicher Altersgruppen) begünstigen den Ausbruch von parasitären Erkrankungen.
Zu den wichtigsten Innenparasiten des Schweins zählen der Spulwurm, der Zwergfadenwurm, der Knötchenwurm, der Rote Magenwurm und der Peitschenwurm. Die Position des wichtigsten Außenparasiten nimmt mit Sicherheit Räude ein.

Räude
Räudemilben sind kleiner als einen halben Millimeter und sind daher nicht mit freiem Auge sichtbar. Die Infektion erfolgt durch Tier zu Tier Kontakt, zum Beispiel beim Deckakt, Zukauf oder von der Muttersau auf die Ferkel aber auch durch Stallgeräte.
Die weiblichen Milben bohren Gänge in die Regenerationsschicht der Haut und legen dort täglich ihre Eier ab. Innerhalb von zwei bis drei Wochen entwickeln sich daraus vermehrungsfähige Nachkommen.
In Abwesenheit von Schweinen können die Milben selten länger als 10 Tage überleben.
Die Behandlung der Tiere kann über die Haut (pour on oder Waschbehandlung) oder als Injektion erfolgen. Räudesanierung ist möglich. Befragen Sie dazu Ihren Betreuungstierarzt.

Behandlung und Prophylaxe
Zuchtsauenbestände sollten zweimal jährlich im Rahmen von Bestandsbehandlungen entwurmt und enträudet werden. Dabei darf auch der Eber nicht vergessen werden.
Eine eventuelle Einzeltierbehandlung soll etwa 14 Tage vor dem Umstallen in die Abferkelbox über sieben bis zehn Tage erfolgen. Eine Waschbehandlung vor dem Einstallen in die Abferkelbox verhindert die Verschleppung der Eier über die Haut.
Ferkel sollen bei Befall mit Zwergfadenwurm mit oral applizierbaren Pasten oder injizierbaren Medikamenten (am 3./6./9.Lebenstag) behandelt werden.
Zukaufstiere werden unmittelbar nach Einstallung in Quarantäne mittels Langzeitpräparat behandeln, Läufer bei Mastbeginn und bei Bedarf ein weiteres Mal in der Mittelmast (50-60 kg Körpergewicht).

Autorin: Dr. Edeltraud PIRKER, Traunkreis Vet Clinic, Ried


Aktualisiert am: 11.11.2008 10:50
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