Wann kommt die Wende am Schweinemarkt?

Es gibt wohl keine Frage, die in der Schweinebranche derzeit öfter aufgeworfen wird. Anhand von Indizien und Marktbeobachtungenn könnte die zweite Jahreshälfte 2008 spürbar höhere Preise bringen, meint Dr. Dietmar Weiß (ZMP).
Kommt 2008 wieder ein Preishoch?
Kommt 2008 wieder ein Preishoch?
Der Schweinemarkt ist unter Druck. Vor allem Ferkelerzeuger, aber auch Mäster können kaum gewinnorientiert erzeugen, erklärt Dr. Weiß und verweist auf eine Berechnung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, wonach Durchschnittsmäster derzeit eine Notierung (56%MFA) von €1,51 brauchen würden, um ihre Vollkosten decken zu können. Davon ist man weit entfernt. Umgerechnet auf einen Magerfleischanteil von 56% beträgt der Basispreis in Österreich derzeit €1,35. Allerdings sind die Magerfleischaufschläge auch über diesen 56% in Österreich höher als in Deutschland. Daher ist die Berechnung nicht 1:1 vergleichbar, zeigt aber die Tendenz. Futterkosten sind da wie dort sehr hoch.

Erzeugung wächst

Preise am Schweinemarkt werden durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmt. Dabei ist zu bedenken, dass in Deutschland das Angebot kräftig gewachsen ist. Deutschland hat derzeit den größten Schweinebestand seit Wiedervereinigung (27,1 Mio Schweine). Laut Prognose der ZMP sollten 2007 rund 52,4 Mio. Schweine geschlachtet werden. Das sind 4,5% (2,25 Mio.) mehr als im Vorjahr.

Auch die Lebendeinfuhren haben heuer extrem zugenommen. Insgesamt rechnet man in Deutschland mit der Einfuhr von 4,5 Mio. Schlachtschweinen und rund 6 Mio. Ferkel, vorwiegend aus Dänemark und Holland.

Somit sollten auch die Ausfuhren von Schweinefleisch auf eine Rekordhoch steigen, allerdings zeigt das Russlandgeschäft keine Wachstumsimpulse und Bemühungen im fernen Osten (China, Südkorea, Japan) haben langfristigen Charakter. Die Ware bleibt somit in Europa.

Österreich nicht im Trend

In Österreich ist dieser Trend nur bedingt zu beobachten. Zwar konnte man in der Junizählung 2007 eine Bestandserweiterung von 2,3% gegenüber Dezember 2006 feststellen. Von einem kräftigen Wachstum kann aber nicht gesprochen werden, zumal gerade die Zahl der Mastschweine über 50 kg in den letzten zwei Jahren stark gesunken ist.

Trendwende 2008?

Der Schweinezykus dürfte seinen Höhepunkt erreicht haben, prognostiziert Weiß. Die Produktion dürft, so die ZMP, zumindest in der zweiten Jahreshälfte 2008 spürbar zurückgehen. Ein erstes Anzeichen ist der starke Anstieg (+11%) der Sauenschlachtungen in diesem Jahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ähnliche Entwicklungen seien auch in Produktionsländern Holland und Dänemark feststellbar, so Weiß. Gelingt es, die Möglichkeiten des internationalen Handels noch stärker zu nutzen (Exportlizenzen für China,...), könnte das Preisniveau in Europa wieder steigen, meint Dr. Dietmar Weiß.


Aktualisiert am: 29.09.2007 13:25
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