Wann kommt die Ebermast?

Seit der Veröffentlichung der Europäischen Erklärung vor 16 Monaten steht das Jahr 2018 für ein mögliches Ende der chirurgischen Ferkelkastration im Raum. Doch bis dahin müssen noch etliche Fragen geklärt werden. Hier ein Überblick.
Bevor die Ebermast eingeführt werden kann, müssen noch einige Fragen geklärt werden.
Bevor die Ebermast eingeführt werden kann, müssen noch einige Fragen geklärt werden.
Im Dezember 2010 einigten sich die europäischen Vertreter der Fleischindustrie, der Landwirtschaft, der Forschung, des Einzelhandels und der Tierschutzverbände auf das Ende der chirurgischen Ferkelkastration bis zum 1.1.2018. Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt vor allem davon ab, ob bis dahin die offenen Fragen beantwortet werden können:

Wie wird Ebergeruch am Schlachtband festgestellt?
Mit Beginn der Geschlechtsreife bilden Jungeber einen typischen Geschlechtsgeruch aus, den ein gewisser Anteil der Bevölkerung – in Österreich etwa 30 % (Rudolph et al. 2011) – als unangenehm empfindet. Deutsche Schlachtbetriebe berichten nach einer rund einjährigen Erfahrung mit der Ebermast von durchschnittlich 3 bis 5 % geruchsauffälligen Tieren am Schlachtband, allerdings mit starken „Ausreißern“ nach oben und nach unten. Derzeit fehlt es aber an Möglichkeiten zur objektiven Schnellanalytik. So wird beispielsweise bei Tönnies und VION das Nackenfett des Schlachtkörpers
am Schlachtband mit Industriefön bzw. Gasbrenner erhitzt und von einer Testperson nach Geruchsabweichungen überprüft. Über 40.000 Jungeber überprüfen die beiden größten deutschen Schlachtbetriebe in dieser Form pro Woche, laut Dr. Heinz Schweer (Dir. Landwirtschaft von VION) ohne Beanstandungen. Die Entwicklung der sogenannten Elektronischen Nase steckt immer noch in den Kinderschuhen.

Welche Leistungen haben Jungeber?
Dieser Frage wurde bereits in unzähligen internationalen Versuchen nachgegangen. Leider ist keine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung zur konventionellen Ebermast mit österreichischer Genetik bekannt. Eine vor zwei Jahren durchgeführte Probeschlachtung von 20 Jungebern durch den Verband Österreichischer Schweinebauern zeigte aber das hohe Leistungspotenzial von Jungebern auf. Gegenüber Kastraten zeichnen sich Eber durch höhere Zunahmen, höhere Magerfleischanteile und – wie die Untersuchung zeigte – durch eine bis zu 20 % bessere Futterverwertung aus. Die Kehrseite: Neben den etwas höheren Schlachtverlusten wurde ein Jungeber (5 %) als geruchsmäßig bedenklich eingestuft. Ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universität für Bodenkultur Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien, des Landwirtschaftsministeriums und der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ soll zusätzlich Aufschluss über die Auswirkung der Jungebermast auf das Leistungspotenzial und die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast geben.

Autor: Roman Goldberger

Weitere offene Fragen und Diskussionspunkte können Sie in der Ausgabe 7/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Probeheft bestellen.


Aktualisiert am: 24.03.2012 16:10
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