Waldpädagogik: Forstliche Öffentlichkeitsarbeit mit Sinn

Die Waldpädagogik soll den Waldbesucher mehr für den Naturraum Wald sensibilisieren. In Österreich ist diese Bildungsarbeit längst etabliert.
Lehrinhalt kann alles sein, was hörbar, sichtbar, fühlbar oder schmeckbar und riechbar ist.
Lehrinhalt kann alles sein, was hörbar, sichtbar, fühlbar oder schmeckbar und riechbar ist.
Waldpädagogik ist waldbezogene Bildungs- und Aufklärungsarbeit mit dem Ziel, die Mensch-Wald-Umwelt-Beziehung zu vertiefen und eine positive Identifikation mit dem Lebens- und Wirtschaftsraum Wald zu erreichen. Im Rahmen von Waldausgängen und erlebnisreichen Waldtagen werden die Waldbesucher eingeladen, durch eigene und unmittelbare Sinneserfahrungen die „Geheimnisse“ und „Wunder“ des Waldes zu erfahren. So gesehen kann Waldpädagogik als die effizienteste forstliche Öffentlichkeitsarbeit angesehen werden. Auf hauptsächlich spielerischer Ebene – über Lern-, Bewegungs- und Beruhigungsspiele – soll Wissen vermittelt werden, denn „spielen ist lernen ohne es zu wissen“.

Soziales Lernen
Waldpädagogik ist jedoch mehr als nur das Lernen neuen Wissens. Waldpädagogik unterstützt soziales Lernen, Verantwortung für andere zu übernehmen und damit verantwortungsvoll umzugehen. In einer Reihe von Aktivitäten wird Kindern, Jugendlichen aber auch Erwachsenen die Möglichkeit gegeben, sich aufeinander einzulassen und Aufgaben gemeinsam zu erarbeiten. Gruppendynamische Prozesse können in Gang gesetzt werden, die nachhaltig wirken können.
Es kann wohl kein Zweifel mehr darüber bestehen, dass die Interessen der Waldpädagogik in Österreich bestens etabliert sind. Durch die aktive Unterstützung der Waldpädagogik in Bereich Organisation und Ausbildung durch die Forstlichen Ausbildungsstätten Ort/Gmunden und Ossiach sowie die Aubildungsstätte Pichl, die Ausbildungsstätte Hohenlehen und die Försterschule Bruck/Mur kommen wir in dieser wichtigen Sache weiter. Die finanzielle Unterstützung durch forstliche Fördermittel seitens des Lebensministeriums, der Länder und der EU sichert die Fortführung des Zertifikatslehrganges „Waldpädagogik“ mittelfristig. Gefragt sind weiter Interessierte, die sich der Ausbildung unterziehen und das Netzwerk wachsen lassen.

Zertifikatslehrgang „Waldpädagogik“
Wesentlich zur Etablierung der Waldpädagogik in Österreich hat der Zertifikatslehrgang „Waldpädagogik“ beigetragen. Zu absolvieren sind drei Module (A, B, C) mit einer Gesamtausbildungsdauer von 80 Stunden. Für Personen, die eine forstliche Mindestqualifikation „Forstwirtschaftsmeister“ nicht nachweisen können, ist der Besuch eines zusätzlichen „Forstmoduls“ (Modul F) im Ausmaß von 40 Stunden vorgeschrieben. Seit dem Beginn der Ausbildungsseminare Ende der 90er-Jahre konnte sich ein österreichweites Netzwerk an Waldpädagoginnen und Waldpädagogen aufbauen, so dass die flächendeckende Betreuung waldpädagogischer Zielgruppen absolut gewährleistet ist. Österreichweit sind schon mehr als 1.000 Waldpädagogen im Einsatz, viele interessante Projekte sind entstanden.

Autor: DI Hans ZÖSCHER, Leiter BFW-Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach


Autor:
Aktualisiert am: 13.05.2010 14:13
Landwirt.com Händler Landwirt.com User