„Wachsen oder weichen ist ein dümmliches Motto.“

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Dass Andrä Rupprechter nicht mehr Landwirtschaftsminister ist, bedauert sein bayerischer Kollege, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Im LANDWIRT Interview pocht Brunner auf eine EU-weite Milchdeckelung. Milchlieferverträge sollten Menge und Preis beinhalten.
Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner drängt auf eine EU-weite Milchdeckelung.
Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner drängt auf eine EU-weite Milchdeckelung.
Seit 18. Dezember hat Österreich eine neue Landwirtschaftsministerin. Was erwarten Sie von Elisabeth Köstinger?

Ich bin mir sicher, dass wir die gute bayerisch- österreichische Zusammenarbeit weiter festigen können. Ich habe Bundesministerin Köstinger bereits gratuliert und sie zu einem ersten Treffen in unserer Bayernhalle auf der Grünen Woche in Berlin und einem Besuch bei uns in Bayern eingeladen. Aus meiner Sicht ist Frau Köstinger eine ausgesprochen erfahrene, versierte und engagierte Agrarpolitikerin. Ich habe sie als Anwältin des gesamten ländlichen Raums kennengelernt.

Mit Andrä Rupprechter ist die bayerisch-österreichische Verbindung gewachsen. Wird Ihnen Rupprechter fehlen?

Ich hatte persönlich wie agrarpolitisch ein sehr gutes Verhältnis zu Andrä Rupprechter. Bei all unseren Treffen wurde immer wieder deutlich, wie deckungsgleich unsere agrarpolitischen Positionen und Ziele sind. Daraus erwächst auch persönliche Nähe. Insofern bedauere ich sein Ausscheiden schon. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft mit einem engen bayerisch-österreichischen Schulterschluss und der breiten Erfahrung von Bundesministerin Köstinger in Brüssel viel für unsere Bauern und die Menschen im ländlichen Raum erreichen können.

Apropos Brüssel: Glauben Sie, dass die Komissionsvorschläge zur GAP nach 2020 bäuerliche Strukturen fördern und das Bauernsterben spürbar verlangsamen können?

In Bayern haben wir kleinere Betriebe und den deutschlandweit niedrigsten Strukturwandel. Die Betriebsgröße scheint also nicht vor einem Strukturwandel zu schützen. Umgekehrt. Kleine Betriebe mit Einkommensalternativen und weiteren wirtschaftlichen Standbeinen sind oft widerstandsfähiger.

Eine Konsequenz der bisherigen GAP sind günstige Agrarprodukte. Statistiken zeigen, dass wir uns immer mehr den Weltmarktpreisen nähern. Ist das der richtige Weg?

Die EU hat sich absichtlich von Marktordnungen verabschiedet. Das heißt aber nicht, dass wir einen völlig freien Markt wollen. Wir haben ja auch bewusst die soziale Marktwirtschaft gewählt. Was in anderen Bereichen üblich ist, fordere ich auch für die Landwirtschaft ein. In der Krise 2008 hat man eine lukrative Kurzarbeiterregelung und eine Abwrackprämie für Autos eingeführt, um der Wirtschaft zu helfen. Man hat bewusst Nachfrage geschaffen, und die Maßnahmen haben gegriffen. Meiner Meinung nach haben wir da auch in der Agrarwirtschaft eine Verantwortung. Und zwar nicht nur national, sondern auch auf EU-Ebene. Ich kann nicht einfach mit den Schultern zucken, wenn ich die Schwankungsbreiten bei den Milchpreisen sehe.

Lena Adlhoch und Roman Goldberger haben Helmut Brunner im Landwirtschaftsministerium in München getroffen.
Lena Adlhoch und Roman Goldberger haben Helmut Brunner im Landwirtschaftsministerium in München getroffen.
Was schlagen Sie konkret vor?

Wenn es keine Wunder bei den Exportmärkten gibt und der Absatz stagniert, wirken sich zwei, drei Prozent Mehrproduktion postwendend auf den Preis aus. Deshalb will ich die Milcherzeuger und Molkereien stärker in die Verantwortung nehmen. Die Lieferverträge haben teilweise Kündigungszeiten von zwei Jahren. Da hat man ja kaum Möglichkeiten zu reagieren. Ich kann mir vorstellen, für einen gewissen Zeitraum, z.B. ein halbes Jahr, Menge, Preis und Laufzeit festzuschreiben. Wer mehr liefert, bekommt nur noch den Preis ausbezahlt, den die Molkerei am Markt auch erzielt.

Es wird derzeit wieder mehr Milch produziert. Dann steht die nächste Krise ins Haus.

Manche EU-Staaten haben ihre Produktion erheblich gesteigert. Wenn der Absatz nicht im selben Umfang wächst, werden wir das in absehbarer Zeit zu spüren bekommen. Da nützen uns auch keine nationalen Deckelungen. Das würden die Nachbarstaaten sofort mit Mehrlieferungen kompensieren. Wir brauchen eine EU-weite Lösung.

Sonst heißt es „Wachsen oder Weichen“?

Nur ein Teil der Betriebe kann die Flucht nach vorne antreten. Wir verlieren in Bayern jeden Tag 13 Hektar Agrarfläche. Es kann nicht jeder aufstocken und Fläche pachten. Ich denke, „Wachsen oder Weichen“ ist ein dümmliches Motto. Das muss begraben werden. Ich erlebe, wie kreativ und innovativ unsere bäuerlichen Betriebe sind. Ob das Agrartourismus ist, Energieerzeugung, Direktvermarktung, Bio-Landbau oder soziale Bereiche. Die Beispiele, die in der Praxis angewandt werden, stimmen mich sehr hoffnungsvoll.

Lesen Sie das Interview in voller Länge in der LANDWIRT Ausgabe 2/2018. Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft Ausgabe 2/2018 (solange der Vorrat reicht)

Aktualisiert am: 03.01.2018 13:50
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