WTO gegen Weizen-Exportbeschränkungen

Der Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, Pascal Lamy, hält wenig von Weizen-Ausfuhrbeschränkungen, wie sie zuletzt Russland wegen der Dürreverhängt hat. Beschränkungen für Exporte seien um nichts besser als solche für Importe, betont Lamy laut APA in Bezug auf verschiedene Medieninterviews.
WTO- Chef Lamy ist gegen Exportbeschränkungen wie sie Russland praktiziert.
WTO- Chef Lamy ist gegen Exportbeschränkungen wie sie Russland praktiziert.
Schon kleine Mengenschwankungen könnten an den Rohstoffmärkten starke Preisänderungen verursachen. "Je offener die Märkte sind, desto weniger können Preiserhöhungen die Menschen treffen", so Lamy. Deshalb dürften derartige restriktive Maßnahmen daher immer nur von kurzer Dauer sein. Unterdessen hält Wifo-Agrarexperte Franz Sinabell für möglich, dass der Anteil der Nahrungsmittel an den Haushaltsausgaben künftig wieder ansteigt, zumindest bei Menschen mit niedrigen Einkommen. Hier sei man "offenbar an einer Wende angelangt", so Sinabell. Ein komplettes Verbot spekulativer Preisanstiege - durch die Warenbörsen - lehnt der Wifo-Agrarexperte ab: "Die Börsen dienen auch für die Bauern als Absicherung ihrer Preise."

EU- Agrarzahlungen
Die Empörung über die EU-Agrarzahlungen teilt Sinabell nicht, wie er betont. Firmen, etwa Fruchtsafthersteller, bekämen Beihilfen als Ausgleich dafür, dass sie heimischen statt billigeren, importierten Rohstoff verwenden. "Damit wird ein Nachteil ausgeglichen, solche Firmen haben keine Vorteile", sagt der Experte. Andere Firmen und Stiftungen, die über großen Grundbesitz verfügen, würden Agrarförderungen wegen der Bewirtschaftung bekommen. Auf internationaler Ebene gelte es, einen Ausgleich zwischen den Wettbewerbsfähigen und jenen zu finden, die Beihilfen brauchen, betont auch WTO-Generaldirektor Lamy. Es gebe in der Landwirtschaft besondere externe Effekte, "und wir wollen darauf Rücksicht nehmen". Es sei aber eine Grenze erreicht, wenn man im Namen der externen Effekte Entwicklungsländer daran hindere,
ihre relativen Wettbewerbsvorteile zu nutzen.


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Aktualisiert am: 23.08.2010 19:11
WTO- Chef Lamy ist gegen Exportbeschränkungen wie sie Russland praktiziert.
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