WTO-Verhandlungen: Was ändert sich am Schweinemarkt?

Die WTO hält daran fest, Anfang August eine Ministerkonferenz nach Genf einzuberufen, die den Verhandlungen doch noch zum Durchbruch verhelfen soll. Vom Ergebnis wird abhängen, ob die europäische Landwirtschaft in der jetzigen Form eine Überlebenschance haben wird.
Derzeit werden 40.000 t Schweinefleisch zollfrei importiert. Geht es nach dem Willen der WTO, so sollen es bald über 600.000 t sein.
Derzeit werden 40.000 t Schweinefleisch zollfrei importiert. Geht es nach dem Willen der WTO, so sollen es bald über 600.000 t sein.
Derzeit wird auf Schinkenimporte aus Drittländern eine pauschale Zollabgabe in Höhe von 778 Euro/Tonne erhoben. Dadurch verteuert sich Importware auf 108 % des Preises von europäischem Schinken, was umfangreichen Importen einen Riegel vorschiebt. In der Tat ist die Einfuhr von Schweinefleisch aus Drittländern mit gerade einmal 40.000 t äußerst gering.

Sensibles Produkt?
Um weiterhin einen nennenswerten Außenschutz aufrecht erhalten zu können, müsste die EU Schweinefleisch als sensibles Produkt einstufen. In diesem Fall würde sich der Abbau der Importzölle auf 20% beschränken (anstatt 60 %). Dadurch würde der Preis von Importschweinefleisch ziemlich genau auf das Niveau von einheimischer Ware zu liegen kommen (98), womit der Außenschutz im Wesentlichen gewährleistet wäre. Die Kehrseite der Medaille ist, dass Europa ein Kontingent von bis zu 440.000 t Importschweinefleisch zusätzlich zu dem bereits bestehenden Kontingent von 75.000 t zollfrei auf den Markt lassen muss (Tabelle 3). Welchen Wert hat dann noch die Einstufung als sensibles Produkt, d.h. die Aufrechterhaltung einer höheren Zollabgabe, wenn derart große Mengen zollfrei importiert werden dürfen? Das zollfreie Kontingent dürfte darüber hinaus vor allem mit solchen Fleischteilen gefüllt werden, die in Europa stärker gefragt und deshalb teurer sind. Dabei dürfte es sich in erster Linie um Schinken handeln, deren Preisniveau derzeit verhindert, dass die Erlöse der Schweinemäster noch tiefer in den Keller fallen. Das dürfte sich jedoch schnell ändern, wenn Drittländer ihre Schinken zollfrei einführen dürfen.

Gleiches Recht für alle
Im Fall eines WTO-Abkommens wird man die bestehenden Zölle überall in der Welt abbauen müssen, nicht nur in Europa. Möglicherweise nehmen die Exportländer dann andere Regionen der Welt als die EU ins Visier, um ihr Schweinefleisch abzusetzen. Damit verbessert sich aber die Situation der europäischen Schweinehalter trotzdem nicht, denn Europa droht Absatzmärkte zu verlieren. Exporterstattungen würden in einer solchen Situation normalerweise die Lösung darstellen, doch die EU-Kommission hat bereits beschlossen, diese Form der Marktstützung abzuschaffen, ob mit oder ohne WTO-Abkommen.

Autor: Pieter VERHELST, Studiendienst Bauernbund, Leuven (B)


Aktualisiert am: 18.07.2008 10:42
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