WTO-Verhandlungen: Lassen wir uns die Butter vom Brot nehmen?

Seit dem 19. Mai liegen bei den WTO-Verhandlungen neue Vorschläge für die Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Industriegütern vor. Eines scheint klar: Die Preisschwankungen werden stärker werden.
Die europäische Milchindustrie wehrt sich energisch dagegen, Käse und Butter als sensibles Produkt einzustufen.
Die europäische Milchindustrie wehrt sich energisch dagegen, Käse und Butter als sensibles Produkt einzustufen.
Momentan wird auf Käseimporte aus Drittländern eine pauschale Zollabgabe in Höhe von 1.671 Euro pro Tonne erhoben. Dadurch verteuert sich Importware auf 166 % des Wertes von europäischem Käse. Damit ist der europäische Markt weitgehend gegen Käseimporte aus Drittländern geschützt. In der Tat werden jährlich nur rund 100.000 t Käse in die EU eingeführt.
Die Zollabgabe auf die Einfuhr von Butter beläuft sich auf 1.896 Euro/t. Damit steigt der Preis für Importbutter auf 164% des EU-Preises. Auch in diesem Segment besteht somit momentan ein ausreichender Marktschutz. Die Buttereinfuhren aus Drittländern in die EU beschränken sich deshalb auf etwa 80.000 t jährlich.

Aktuelle WTO-Vorschläge
Gemäß den vorliegenden Vorschlägen soll die EU ihre bestehenden Zollabgaben für Käse um 65 % reduzieren. Dadurch „verbilligt“ sich Importkäse auf 125 % des Preises für europäischen Käse (Tabelle 2). Damit wird der Marktschutz nicht untergraben, sondern er bleibt weiterhin ausreichend, um massive Käseimporte zu unterbinden.
Für Butter müsste der Zoll nach derzeitigem Stand der Dinge sogar um 70 % abgebaut werden. Dadurch würde der Preis für Importbutter fast auf das Niveau von europäischer Butter sinken (105 %), so dass von einem wirkungsvollen Schutz keine Rede mehr sein kann.

Sensibles Produkt
Auf den ersten Blick scheint es nicht erforderlich, Käse und/oder Butter zu sensiblen Produkten zu erklären, da der Marktschutz auch nach der drastischen Verminderung der Zollabgaben noch gewährleistet ist. Es wird aber Druck ausgeübt, damit die EU diese beiden Milchprodukte dennoch als sensible Produkte einstuft. Australien und Neuseeland haben nämlich ein kommerzielles Interesse daran, dass die EU eine gewisse Menge Butter und Käse gänzlich ohne Zollabgabe nach Europa hineinlässt. In einem zollfreien Kontingent sehen diese beiden Länder die einzige Absatzmöglichkeit für ihre Ware in Europa. Sie spekulieren, jährlich bis zu 80.000 t Käse und 76.000 t Butter zollfrei in Europa abzusetzen. Dass die Zollabgaben auf die Mengen, die über diese Kontingente hinausgehen, weniger stark gesenkt werden müssen als ohne Einstufung als sensibles Produkt, stört sie nicht, weil sie sowieso nicht mehr Käse und Butter produzieren. Um ihre Forderung durchzusetzen, werden Australien und Neuseeland in dem Kuhhandel, den die Verhandlungen nun einmal darstellen, ihre Forderungen in anderen Bereichen wohl etwas mäßigen.

Fazit:
● Der Marktschutz für Käse und Butter bleibt gerade noch erhalten.
● Der Butterpreis gerät trotzdem unter Druck.
● Erzeuger und Verbraucher müssen sich auf stärkere Preisschwankungen einstellen.

Autor: Pieter VERHJELST, Boerenbond Studiendienst, Belgien


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Aktualisiert am: 19.06.2008 16:42
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