WTO: Europas Bauern drohen Verluste

Die vorgelegten Vorschläge führen zu einem Verlust von 18 Mrd. Euro für die EU-Bauern. Außerdem droht Europa Importabhängigkeit bei der Lebensmittel-Versorgung
Auch wenn wegen der nahenden US-Präsidentenwahl darauf gedrängt wird, die Doha-Runde noch rasch abzuschließen, darf die EU nicht diesem Druck nachgeben und Kompromisse zulasten Europas akzeptieren. Denn sonst würden die europäischen Konsumenten noch mehr als bisher von Lebensmittelimporten abhängig werden und gleichzeitig die Landwirtschaft EUR 18 Mrd. verlieren, wie die Europäische Kommission errechnet hat. Und selbst die Kleinbauern in der Dritten Welt würden durch eine gestärkte industrielle Agrarproduktion in Übersee noch mehr unter Druck geraten“, erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, zum von der WTO vorgelegten überarbeiteten Entwurf für Modalitäten im Bereich Landwirtschaft.

Ernährungssicherheit in Gefahr
„Wir können nur davor warnen, das WTO-Abkommen so zu beschließen, wie es jetzt vorliegt. Denn dann wäre Europa der große Verlierer und die USA hätten, wieder einmal, gesiegt. In wichtigen Verhandlungskapiteln Dienstleistungen, Regeln und Handelserleichterungen gibt es keinerlei Fortschritte für Europas Wirtschaft. Hier einseitige Zugeständnisse der EU im Agrarbereich zu machen, ist völlig sinnlos. Neben Wirtschaft und Industrie sind auch die Konsumenten auf der Verlierer-Seite. Denn schon heute ist die EU der weltgrößte Importeur von Lebensmitteln. Der jetzige Vorschlag würde Europa bei Rindfleisch, Geflügelfleisch, Schweinefleisch, Butter, Zucker, Obst und Gemüse sowie Eiern in eine noch stärkere Importabhängigkeit führen. Allein bei Rindfleisch würde die EU-Produktion um 800.000 t sinken. Das wäre viermal so viel, wie Österreich pro Jahr an Rindfleisch erzeugt. Mit diesem Schritt geriete die Ernährungssicherheit Europas in ernste Gefahr", so Wlodkowski weiter.

Bauern verlieren EUR 18 Mrd.
"Ein Beschluss dieses Abkommens würde auch für die EU-Agrarproduktion äußerst negative Folgen haben. Laut Berechnungen der Generaldirektion Landwirtschaft käme es zu einem Anstieg der Importe um 51% bei Geflügelfleisch, 91% bei Butter und 42% bei Käse. Allein bei Getreide, Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch und Milcherzeugnissen ist mit einem Verlust von EUR 18,3 Mrd. zu rechnen. Zucker, Reis, Obst und Gemüse, Eier und Schaffleisch wurden in diese Berechnungen noch gar nicht einbezogen", stellte Wlodkowski fest und ergänzte: "Auch die Bauern in den Entwicklungsländern wären durch ein solches WTO-Abkommen gefährdet. Denn schon heute sind sie der Konkurrenz der industrialisierten Landwirtschaft und des multinationalen Handels kaum gewachsen. Ein WTO-Abkommen, das den Großstrukturen entgegen käme, würde die Ärmsten der Armen noch mehr dem Marktdruck aussetzen.“

"Schließlich fehlen Fortschritte bei den Themen Geografische Ursprungsbezeichnungen und Friedensklausel, und der wichtige Bereich Non-Trade-Concerns ist offenbar schon aufgegeben worden. Eine WTO-Runde, die als Entwicklungsrunde gestartet worden ist und nun sowohl die Entwicklungsländer als auch die Nichthandelsbezogenen Anliegen, wie soziale, Umwelt- oder Tierschutz-Standards, offenbar zu vergessen gewillt ist, kann weder im Sinne der Bauern noch der Konsumenten in der EU sein", so Wlodkowski abschließend.


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Aktualisiert am: 10.06.2008 13:54
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