Vollweide: Betriebsmanagement, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit in der Milchviehhaltung (ÖAG So

In den letzten Jahren nimmt das Interesse an Weidehaltungssystemen zu. Steigende Kosten für Energie, Maschinen, Ergänzungsfuttermittel, Futterkonserven sowie die zunehmende Arbeitsbelastung stellen Ursachen dafür dar. Darüber hinaus kommen intensive Tierhaltungsverfahren zunehmend unter Druck (Konsument, Tierschutz, Umweltschutz, Förderungen, Auflagen). In der Biologischen Landwirtschaft haben sogenannte Low-Input-Systeme und die Weidehaltung grundsätzlich eine große Bedeutung.
Vollweidebetriebe wenden bewusst Zeit für die Weideführung auf. Sie messen die Aufwuchshöhe, reagieren auf die Kuhsignale und die Witterungsverhältnisse.
Vollweidebetriebe wenden bewusst Zeit für die Weideführung auf. Sie messen die Aufwuchshöhe, reagieren auf die Kuhsignale und die Witterungsverhältnisse.
Low-Input Vollweidestrategie
Die Low-Input Strategie versucht eine hohe Effizienz durch Minimierung der Produktionskosten und eingesetzten Produktionsmittel zu erreichen. Die Maximierung der Leistung und des Outputs steht dabei nicht im Vordergrund. Der Einsatz von Maschinen und Geräten, Zukauffutter, Arbeitszeit etc. muss dabei jedoch kurz-, mittel- und langfristig konsequent verringert werden. In der Wiederkäuerfütterung ist das Weidefutter das preiswerteste Futtermittel. Daher versuchen Low-Input Betriebe durch beste Nutzung der Weide den Anteil an konserviertem Futter und Kraftfutter in der Jahresration so weit wie möglich zu reduzieren. Eine nahezu vollständig auf betriebseigenem Grundfutter basierende Milchproduktion wird angestrebt. Hohe Einzeltierleistungen stehen bewusst im Hintergrund, es wird jedoch eine hohe Flächenproduktivität und Umwandlungseffizienz des Grünlandfutters in Milch angestrebt. In typischen Weideregionen wird auch der Laktationsverlauf bestmöglich an die Vegetationsperiode angepasst (saisonale Milchproduktion). Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Milchproduktion in den „Vollweide-Regionen“ Neuseeland, Australien und Irland zeigen, dass diese Produktionsform bei konsequenter Umsetzung sehr konkurrenzfähig sein kann. In den letzten Jahren liefen auch mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zur Vollweidehaltung im Voralpen- und Alpengebiet (Schweiz, Österreich, Bayern, Baden Württemberg). Dabei zeigte sich, dass bei passenden Betriebsgegebenheiten und standortangepasster Umsetzungsstrategie dieses Betriebskonzept auch in unserer Region erfolgversprechend angewendet werden kann.

Tipps für Vollweidebetriebe
• Im Frühling möglichst rasch mit dem Weiden beginnen (große Fläche vorgeben).
• Vor der Hauptwachstumszeit (=ca. 3 Wochen vor dem 1. Schnitt) müssen die Kühe und der Pansen auf die Weide umgestellt sein
• In der Hauptvegetationszeit Ganztagsweidehaltung durchführen
• Bei Regenperioden geeignete Weideflächen beweiden und diese möglichst großflächig vorgeben. Eventuell vorübergehend Weidezeit verkürzen – Weidegras bleibt aber Hauptfutter!
• Zumindest 0,3-0,6 ha Weidefläche ist pro Kuh erforderlich
• Eine saisonale Abkalbung anstreben
• Hohe Einzeltierleistung steht nicht im Vordergrund
• Hohe Effizienz durch beste Weidenutzung und konsequente Kosten- und Arbeitszeitminimierung
• Keine trockenstehenden Kühe auf hochwertige Talweiden treiben
• Eine gute Flächenleistung erreicht man, wenn mit der Weide eher „geizig“ umgegangen wird
• Auf arbeitssparende Weidesysteme, die zum Betrieb und zum Bestand passen, setzen
• Das hohe Potenzial der Weide wirklich ausschöpfen
• Eine bisher schnittgenutzte Wiese muss langsam in eine Weide übergeführt werden (Weidegräseranteil fördern, eventuell Übersaat etc.)
• Kühe und Weidepflanzen besser kennen lernen (Weidemanagement ist mehr als die Kühe aus dem Stall zu lassen)
• Die Umstellung gezielt durchführen
• Auf Euterpflege und Eutergesundheit besonderes Augenmerk legen
• Hoher Weidegrasanteil und Kraftfutter passen nicht zusammen
• Wer im Stall viel beifüttert ist auf der Weide ineffizient (Weideverdrängung u. Verhaltensänderung)
• Die Kühe müssen immer Zugang zu sauberem Wasser haben (mehrere Tränkestellen von Vorteil)
• Langfristig auf weidetauglichere Rinder setzen (kleinere Kühe etc.)

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER, DI Walter STARZ, Dr. Leopold PODSTATZKY und Rupert PFISTER, Bio-Institut LFZ Raumberg Gumpenstein; Dr. Leopold KIRNER, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Wien


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Aktualisiert am: 24.04.2009 09:58
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