Vollweide – mit wenig Aufwand zum Erfolg

Bei der „Low-Input“ Vollweidehaltung von Milchkühen wird versucht, möglichst effizient Milch aus dem Weidefutter zu erzeugen. Die Erfahrungen von Familie Strasser sprechen für die Vollweidestrategie, zeigen aber auch, dass ein Umdenken notwendig ist.
Der Vollweidebetrieb setzt mit seiner Fleckviehherde auf die Kurzrasenweide.
Der Vollweidebetrieb setzt mit seiner Fleckviehherde auf die Kurzrasenweide.
Die geringere Milchleistung erforderte einen größeren Stall, einen größeren Milchtank und eine Bestandesaufstockung. Darüber hinaus wirkte sich die deutliche Reduktion des Kraftfuttereinsatzes und der Milchleistung indirekt auf die Futterbilanz aus. In den letzten Jahren musste daher Grundfutter zugekauft werden und konnte die Milchquote noch nicht voll erfüllt werden. Besonderes Augenmerk legt der Betriebsführer bei saisonaler Abkalbung auf die Eutergesundheit. In den letzten Jahren mussten einige Problemkühe auf Grund von Staph. Aureus den Bestand verlassen. Für die Kälberaufzucht verwendet der Landwirt eine große eingestreute Halle. Darin erhalten die Kälber neben Heu und Wasser eine Joghurt-Vollmilchtränke.

Resümee und Ziele
Die Vollweidehaltung erfordert eine große „Umstellung im Kopf“. Die bei uns üblichen Empfehlungen hinsichtlich Leistungsziele, Zucht, Fütterung, Grünlandnutzung etc. gelten nicht oder nur bedingt. Erfahrungen müssen daher oft am eigenen Betrieb gesammelt werden, da es noch keine umfassenden Beratungs- und Praxisempfehlungen gibt. Dabei hat Familie Strasser auch die Erfahrungen aus der Schweiz, Irland und Neuseeland genutzt. Eine wesentliche und zentrale Voraussetzung für eine problemlose Vollweidehaltung ist die Kenntnis vom „Know-how“ der Weidewirtschaft. Darüber hinaus ist für Familie Strasser die Umsetzung der saisonalen Abkalbung ganz wichtig. Die Milchleistung des Einzeltieres steht nicht mehr im Vordergrund. Weiters muss sich jeder, der in Richtung Vollweidehaltung umstellt, bewusst sein, dass etwas Neues immer sehr kritisch beurteilt wird - noch dazu, wenn nur wenige an einer Bewirtschaftungsform verdienen können.

Als mittelfristiges Ziel wird die Erzeugung von 200.000 kg Milch von der eigenen landwirtschaftlichen Nutzfläche, ohne großen Zukauf von Futter- und Düngemitteln und mit wenig Einsatz von Fremdenergie, angestrebt. Familie Strasser möchte den Standortvorteil „Arrondiertheit“ durch hohen Weideanteil mit über 55 % der Gesamtjahresration nutzen. In der frei gewordenen Zeit wollen sie den Bio-Hof für Bauern sowie die nicht bäuerliche Bevölkerung öffnen. Es soll Fachwissen, Freude an der Weidehaltung und überhaupt die Freude am Bauersein vermittelt werden.

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER, DI Walter STARZ und Rupert PFISTER, Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 08.03.2007 18:28
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