Vollweide - Weidemanagement

Bei Vollweidehaltung steht die Weide im Mittelpunkt der Produktion. Der gesamte Betriebsablauf wird darauf abgestimmt, damit eine effiziente Verwertung des preiswertesten Grundfuttermittels erfolgen kann. Das Weidefutter weist bei optimalem Pflanzenbestand sowie optimaler Weideführung und Nutzung eine hohe Verdaulichkeit auf und hat damit ein hohes Potenzial für die Milchproduktion.
Der Pflanzenbestand auf der Weidefläche ist einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg des Weidesystems.
Der Pflanzenbestand auf der Weidefläche ist einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg des Weidesystems.
Der Pflanzenbestand auf der Weidefläche ist einer der wesentlichen Faktoren für den Erfolg des Weidesystems. Nur mit einem ausgewogenen Bestand aus wertvollen Kräutern und Gräsern können optimale Mengen- und Qualitätserträge erzielt werden. Dabei ist zu beachten, dass die Pflanzenbestandszusammensetzung der Nutzung und dem Standort anzupassen ist. Besondere Bedeutung haben jedenfalls die Gräser, da sie das Gerüst der Weide bilden. Aus diesem Grund ist der oberste Grundsatz der Weideführung die Förderung der wertvollen Futtergräser. Die Gräser sind nicht nur hauptverantwortlich für die Ertragsbildung sondern liefern auch den Hauptteil der Energie im Futter und bilden eine dichte Grasnarbe.

Übersaaten auf Dauerweideflächen
In manchen Situationen ist es notwendig, in einen Weidebestand mit einer Übersaat regulierend einzugreifen. Dies gilt, wenn beispielsweise eine Wiese in eine Weide übergeführt werden soll, unliebsame Pflanzen sich stark ausbreiten, beziehungsweise Trocken- oder Auswinterungsschäden den Bestand lückig machen. Rein technisch versteht man unter einer Übersaat Verfahren bei denen keine oder eine sehr oberflächliche Bodenbearbeitung erfolgt. Damit eine Übersaat grundsätzlich gemacht werden kann muss eine teilweise lückige Grasnarbe vorhanden sein, damit die ausgebrachten Samenkörner an der Erde keimen und anwachsen können. Sollten die Bestände mit Ungräsern (z.B. Gemeines Rispengras) verfilzt sein, muss dieser maschinell oder durch eine konsequente intensive Beweidung aufgerissen werden.

Übersaat mit Weidegang:
1. frühes Überweiden der Fläche
2. Pflanzen müssen stark zurückgebissen werden, damit auch Unkräuter und Ungräser gefressen werden
3. Ausbringung des Saatgutes
4. danach normal weiterweiden, da Tiere die Samen anpressen und so der Bodenschluss hergestellt wird
5. ständiger Verbiss hält Pflanzen kurz und das Wiesenrispengras hat gute Wachstumsbedingungen
6. Erfolge sind erst nach einem oder zwei Jahren sichtbar, da die Jugendentwicklung des Wiesenrispengrases lange dauert

Weidefutterzuwachs im Jahresverlauf
Unter österreichischen Klimabedingungen sind auf Kulturweiden je nach Standortbedingungen Jahreserträge zwischen 4.000 kg Trockenmasse (TM) im extensiven Berggebiet und maximal 11.000 kg TM in der intensiven Weidegunstlage realisierbar, wobei der Großteil der Betriebe im Bereich von 6.000 – 9.000 kg TM liegt.
Der Verlauf der Weidefutterzuwachskurve sowie des Tagesertrags werden neben den Klimabedingungen, dem Pflanzenbestand auch wesentlich von der Düngung und vom gewählten Weidesystem beeinflusst. Abbildung 12 stellt mögliche Graszuwachskurven in einer inneralpinen Tallage Österreichs dar. Dabei zeigt sich wie unterschiedlich der Graszuwachs in den einzelnen Jahren sein kann. Der Tierbesatz auf den Flächen muss flexibel angepasst werden.

Regenwetterperioden – was tun?
Dauerweideflächen sind bei einem entsprechend dichten Pflanzenbestand sehr trittfest. Bei langen Regenperioden (bzw. wenn Mähflächen oder Wechselwiesen beweidet werden) kann es jedoch auch hier zu Trittschäden kommen. Auf keinen Fall soll in dieser Phase die Ration kurzfristig umgestellt werden - das Weidefutter muss als Futter zur Verfügung stehen.

 Weidedauer verkürzen
Um die Grasnarbenbelastung zu reduzieren, dürfen die Tiere nur in den aktiven Fressstunden (morgens und abends) auf der Weide gehalten werden. Eine Umstellung auf zwei 3 Stundenweideblöcke ist anzustreben.

 Größere Fläche vorgeben
Je feuchter die Witterung umso größer sollten die Weideflächen werden – daher Portionsweidehaltung mit geringer Flächenvorgabe meiden.

 Sandig-steinigen Untergrund bevorzugen
Staunasse schwere Böden sollten bei Schlechtwetter nach Möglichkeit nicht beweidet werden. Durch deutliche Erhöhung der Flächenvorgabe (größere Koppel mit geringerer Futterhöhe) kann die Trittbelastung im Gegensatz zur Portionsweidehaltung verringert werden.

 Steilflächen meiden
Die größten Narbenschäden treten auf Steilflächen auf. Diese dürfen daher bei Regenwetter nicht beweidet werden. Erfahrungen aus Baden Württemberg zeigen, dass Hutweiden in Regenperioden ideale Ausweichflächen sind.

 Grünfütterung im Stall
Wenn es technisch und arbeitswirtschaftlich möglich ist, kann eventuell auch mit einer Grünfuttervorlage im Stall Abhilfe geschaffen werden. Das Grünfutter hat jedoch einen geringen Trockenmassegehalt als konserviertes Futter - es muss daher mehrmals täglich Futter nachgeschoben werden. Jedes Tier benötigt einen eigenen Fressplatz.

Autoren: DI Walter STARZ, Dr. Andreas STEINWIDDER und Rupert PFISTER, Bio-Institut LFZ Raumberg-Gumpenstein


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Aktualisiert am: 24.06.2009 10:09
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