Vollweide - Betriebsmanagement, Tiergesundheit und Wirtschaftlichkeit in der Milchviehhaltung – Teil

Im zweiten Teil der ÖAG-Sonderbeilage werden tiergesundheitliche Aspekte, Zuchtempfehlungen und die ökonomische Beurteilung näher beleuchtet.
Grundsätzlich kann extensiv wirtschaftenden Betrieben bzw. biologisch wirtschaftenden Betrieben empfohlen werden, bei der Zuchttierauswahl großes Augenmerk auf die Lebensleistung, die Fitnessmerkmale und den Rahmen (nicht zu groß und schwer!) zu legen.
Grundsätzlich kann extensiv wirtschaftenden Betrieben bzw. biologisch wirtschaftenden Betrieben empfohlen werden, bei der Zuchttierauswahl großes Augenmerk auf die Lebensleistung, die Fitnessmerkmale und den Rahmen (nicht zu groß und schwer!) zu legen.
In vielen Ländern ist in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Anstieg der Milchleistung bei Kühen in der Milchviehhaltung zu beobachten. Gleichzeitig ging bei steigendem Kraftfuttereinsatz der Weidegrasanteil in den Milchviehrationen zurück und die Kühe wurden größer und schwerer. Fasst man die Literaturergebnisse zur Eignung von Hochleistungstieren für die (konsequente) Weidehaltung zusammen, dann zeigt sich folgendes Bild:
• Die tägliche Weidefutteraufnahme ist im Gegensatz zur Stallhaltung mit 15–20 kg TM pro Tier stärker begrenzt. Ursachen dafür sind die begrenzte Fresszeit, Bissfrequenz und Bissanzahl. Es bestehen diesbezüglich auch Unterschiede zwischen Rassen und Kuhtypen. Schwere Tiere sind zumeist nicht so flinke Graser.
• Scharfe Hochleistungstiere mobilisieren zu Laktationsbeginn im Vergleich zu niedrig leisten den Kühen über einen längeren Zeitraum und auch deutlich stärker Körperreserven.
• Mit steigender Einzeltierleistung muss bei Weidehaltung mit einer stärkeren Stoffwechselbelastung (Nährstoffmobilisation, erhöhte Stoffwechselrate, Hitzestress etc.) gerechnet werden. Diese kann auch zu einer Verschlechterung der Fruchtbarkeitsergebnisse und Nutzungsdauer führen.
• Wenn hohe Einzeltierleistungen mit größeren und schwereren Kühen verbunden sind, dann ist von stärkeren Trittschäden auf den Weiden auszugehen.

Ökonomische Beurteilung
Höheres Einkommen bei gleicher Milchablieferung
Bei Vollweidesystemen wird in der Regel weniger Milch je Kuh und Jahr gemolken als bei traditionellen Systemen ohne Vollweide. Um bei einer Umstellung die gleiche Milchmenge wie vorher zu verkaufen, muss der Kuhbestand erweitert werden. Genau das haben die Vollweidebetriebe im Projekt gemacht. Bis auf eine Ausnahme wurde in allen sechs Betrieben das vorhandene Milchkontingent auch bei Vollweide ausgeschöpft. Daher wird im Folgenden untersucht, wie sich das Einkommen bei Umstellung auf ein Vollweidesystem für die beiden hier untersuchten Betriebe entwickelt, wenn in beiden Systemen (mit und ohne Vollweide) die gleiche Milchmenge verkauft wird. Zusätzliche Stallplatzkosten für die Situation mit Vollweidesystem (5.000 Euro je Kuhplatz) sind eingerechnet, es wird zwischen konventioneller und biologischer Wirtschaftsweise differenziert.

Tipps für Umstellungswillige
• Nicht die Kuh sondern die Weide steht im Mittelpunkt
• Früherer Weidebeginn im Frühling
• Mindestens 2 Tränkestellen/Koppel
• Bei Kurzrasenweidehaltung max. Aufwuchshöhe 8 cm
• Bei intensiver Beweidung ist auch eine gezielte Düngung notwendig, Weidefläche soll immer grün sein (Weidedauer)
• Freude an den Tieren (Viehtrieb morgens und abends muss Freude machen)
• Weg von Hochleistungsstrategie
• Stier zur Herde
• Die für den eigenen Betrieb passende Rasse aussuchen
• Unbedingt kleine Kuhtypen
• Überprüfen, ob man mit weniger Milchleistung pro Kuh leben kann
• Nicht zu hohe Erwartungen an die Kühe stellen (nicht vergleichen mit Stallfütterung hinsichtlich Milchmenge, Inhaltsstoffe, diese unterliegen auch stärkeren Schwankungen)
• Langsame Übergangsfütterung zu Weidebeginn einhalten
• Auf Körperkondition achten
• Grundfutterangebot im Stall nicht vernachlässigen
• Befestigten Triebweg von Stall zur Weide
• Schattenplätze bei großer Hitze (Stall, Bäume)
• Klauenpflege nicht vernachlässigen
• Maschinen reduzieren
• Anbauplan auf Jahre voraus denken
• Sich für die Umstellung genügend Zeit lassen
• Gut überlegen, ob Voraussetzungen passen
• Wenn man umstellt, dann konsequent
• Es gibt eine Umstellungsphase, in der man viel Erfahrung sammeln muss – bist du dazu bereit?

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER, DI Walter STARZ, Dr. Leopold PODSTATZKY und Rupert PFISTER, Bio-Institut LFZ Raumberg Gumpenstein; Dr. Leopold KIRNER Bundesanstalt für Agrarwirtschaft Wien


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Aktualisiert am: 07.05.2009 10:04
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