Vollmilch-Kälbermast (Schwerpunktthema)

Die Vollmilchkälbermast ist mittlerweile vor allem für kleinere Betriebe aber auch für Milchviehbetriebe mit geringer Quote eine beachtenswerte Alternative zur Milchüberlieferung bzw. zur Einstellerproduktion geworden. Im Bio-Bereich hat die Erzeugung von Bio-Kalbfleisch stark zugenommen. Im Beitrag werden die Anforderungen für eine erfolgreiche Vollmilchmast dargestellt.
Zusätzlich zur Vollmilch muss den Kälbern Raufutter angeboten werden.
Zusätzlich zur Vollmilch muss den Kälbern Raufutter angeboten werden.
Grundsätzliche Voraussetzungen für die Erzeugung einer hohen Qualität und eine wirtschaftlich erfolgreiche Kälbermast sind:
Gesunde, frohwüchsige Kälber
Optimale Haltungsbedingungen (hell, luftig - aber keine Zugluft, täglich frisch eingestreut, trockene und saubere Boxen, im Sommer ausreichende Beschattung bei Außenhaltung, Rein-Rausverfahren mit Ruhezeiten)
Beste und ausreichende Versorgung mit Vollmilch und richtige Tränketechnik
Bestmögliche Futter- und Tränkehygiene
Zufütterung kontrollierter Mengen an Kraftfutter, Heu oder Stroh (keine Silagen und kein Grünfutter)
Ausreichend Zeit für die Tierbeobachtung
Passende Genetik (Stier nach Möglichkeit Fleischrasse etc.)
Berücksichtigung der Absatzchancen (höchste Kalbfleischnachfrage von August bis Weihnachten)

Grundsätzlich müssen Kälber mindestens zweimal täglich gefüttert werden. Eine individuelle Abstimmung der Tränkemengen ist notwendig. Der Tierbeobachtung muss ausreichend Zeit eingeräumt werden. Eine Übersättigung durch zu hohe Tränkegaben pro Teilgabe ist zu vermeiden. Bei Verfütterung frischer Vollmilch ist eine Tränketemperatur von 37 °C optimal, die Verteilung der Tränke auf mehr als 2 Teilgaben ist günstig. Die Kälber müssen ab Beginn der 2. Lebenswoche Raufutter erhalten. Die gemeinsame Haltung von Milchmastkälbern und Aufzucht- oder Einstellerkälbern ist zu vermeiden!

Nur gesunde Kälber zukaufen!
Der Gesundheitszustand zugekaufter Kälber ist äußerst wichtig. Durch kurze Transportwege und durch Zukauf der Tiere von wenigen Betrieben sinken Infektionsdruck und Stress. Durstige Kälber sind krankheitsanfälliger. Daher ist eine ausreichende Wasserversorgung notwendig. Unmittelbar nach dem Ankauf sollten die Kälber nur Tee, Elektrolyttränken oder lauwarmes Wasser erhalten. Eine konsequente Eingangskontrolle der Kälber ist immer notwendig.

  • Gesunde Kälber zeigen eine Atemfrequenz von 30 bis 40 Zügen pro Minute.
  • Sie haben keinen Husten bzw. zeigen kein Keuchen.
  • Es tritt kein Nasen- und Augenausfluss auf.
  • Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 38,5 und 39,5 °C.
  • Das Haarkleid ist kurz und glänzend, die Gelenke und der Nabel sind nicht geschwollen.
  • Bei gehäuftem auftreten von Lungenerkrankungen muss die Haltung, die Tierbetreuung und die Kälberherkunft kritisch kontrolliert werden. Wenn Kälber zu behandeln sind, dann muss die Behandlung sehr rasch nach einer tierärztlichen Diagnose erfolgen.


Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER(HBLFA Raumberg-Gumpenstein), DI Rudolf GRABNER(Landwirtschaftskammer Steiermark), DI Jakob MITTEREGGER und Rainer WÖLLINGER (ARGE Bio-Rind) und Dr. Johann GASTEINER (HBLFA Raumberg-Gumpenstein)


Autor:
Aktualisiert am: 07.07.2006 11:18

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