Vitamin E- und Selenmangel bei Rindern vorbeugen

Ein Mangel an Selen und Vitamin E kann in der Rinderhaltung zu empfindlichen Verlusten führen. Folgend ein paar Versorgungsempfehlungen.
Bereits neugeborene Kälber können an Selenmangel leiden.
Bereits neugeborene Kälber können an Selenmangel leiden.
Grundsätzlich sollten Rinder ganzjährig mit einer abgestimmten vitaminisierten Mineralstoff- und Spurenelementmischung versorgt werden, wobei darauf zu achten ist, dass spezielle Mineralstoffmischungen für die jeweilige Verwendungsart (Jungvieh, Mutterkuh laktierend oder trockenstehend) angewandt werden.

·In der Mutterkuhhaltung kann der Einsatz von zumindest 30–50 g einer spurenelement- und phosphorbetonten Mineralstoffmischung pro Mutterkuh und Tag empfohlen werden. Diese phosphorbetonte Mischung kann dann sowohl laktierenden als auch trockenen Mutterkühen gefüttert werden. Eine Calciumergänzung (Futterkalk bzw. Kalziumreiche Mischung) ist nämlich in der Mutterkuhhaltung bei üblicher Rationsgestaltung nicht erforderlich. Demgegenüber ist die Phosphorversorgung in Mutterkuhbetrieben teilweise knapp.

·Grundsätzlich ist die gezielte (händische) Gabe der Mineralstoffmischung dem freien Anbieten vorzuziehen. Die Mischung kann über das Grundfutter gestreut werden bzw. mit etwas Kraftfutter gemischt den Tieren gefüttert werden. Bei freier Aufnahme sollte zumindest regelmäßig die Aufnahme erhoben und dem Bedarf gegenübergestellt werden.

·In Problembetrieben wird jedenfalls eine Ergänzung durch „selenangereichertes“ Mineralfutter angeraten (wenigstens 30–40 mg Selen / kg Mineralfutter). Von einer optimalen Selenversorgung in der Ration kann bei 0,1–0,3 ppm Trockenmasse (= 0,1–0.3 mg / kg TM) gesprochen werden.

·Bei akuten, nachgewiesenen Mangelzuständen wird eine 1 bis 2-malige Injektion eines Vitamin E- und Selenpräparates durch den Tierarzt zu einer Stabilisierung des Vitamin E- und Selengehaltes im Tier führen. Die durch den Mangel hervorgerufenen Schäden bedürfen aber möglicherweise einer mehrwöchigen Heilungsphase. Erkrankte Tiere sind einzustallen. Parallel zur Behandlung sollten die Haltungs- und Fütterungsbedingungen optimiert werden. Auch oral zu verabreichende Vitamin E-Selenpräparate sind beim Tierarzt erhältlich. Diese in praktischen Dosierspendern oder auch in Tabletten- bzw. Kapselform vorliegenden Präparate können zur Behebung leichterer Mangelzustände und zur Vorbeugung, speziell bei Jungtieren, eingesetzt werden.

·Auch Jungrinder benötigen in der Aufmast üblicherweise eine Mineralstoffergänzung (zumindest 30 g/Tag). Im Gegensatz zu den Mutterkühen ist hier der Einsatz einer spurenelement- und calciumbetonten Mineralstoffmischung erforderlich.

·Überlagerte Futtermittel bzw. Futtermittel minderer Qualität (belastet mit Schimmelpilzen, Hefen und Bakterien) führen zwangsläufig zu einer schlechten Versorgung!

·Neben der Beratungsfunktion des Betreuungstierarztes wird hier ausdrücklich auf die hohe Giftigkeit von Selen bei falscher Dosierung und Überversorgung hingewiesen.

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER, Dr. Johann GASTEINER (HBLFA Raumberg-Gumpenstein) und George BACHER (Vermarktung u. Handels GesmbH, Geras)


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Aktualisiert am: 07.07.2006 10:52
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