Vertrauen Sie Prospektangaben?

Das es bei den Leistungsangaben von Traktoren und Erntemaschinen einen Wildwuchs gibt ist vielen bekannt, dass es bei den Abmessungen und Gewichtsangaben von Anhängern Abweichungen gibt, mag vielleicht manchen überraschen.
Volumenangaben in den Prospekten können durchaus von den wirklichen Werten abweichen.
Volumenangaben in den Prospekten können durchaus von den wirklichen Werten abweichen.
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich einen neuen Anhänger mit 30 m³, beliefern regelmäßig ein Heizwerk mit Hackschnitzel und bei der Abrechnung sagt Ihnen der Geschäftsführer, dass Sie ihn um fast 10 % geprellt haben. Wie ist das möglich, wenn Sie den Anhänger jedes Mal nicht nur bis an den Rand voll machen sondern sogar noch einen kleinen „Gupf“ drauf machen? Sie haben im guten Glauben gehandelt, stehen aber am Ende als Betrüger da. Das kann dann passieren, wenn man den Prospektangaben mancher Hersteller vertraut.

Angaben zu Anhängern
Die größtmöglichen Abmessungen und Gesamtgewichte von Anhängern sind gesetzlich geregelt. Landwirtschaftliche Anhänger kaufte man bisher meistens nach der Nutzlast bzw. der höchstzulässigen Gesamtmasse.
Eine Ausnahme bei der Größenangabe stellte schon immer der Ladewagen dar. Die Ladewagengröße wird nicht mit den Achsgewichten dargestellt, sondern nach dem Ladevolumen. Dazu gibt es auch eine Norm (DIN 11741), wenn gleich auch dieses Normmaß nicht in allen Prospekten zu finden ist.
In den letzten Jahren sind immer mehr Hersteller von landwirtschaftlichen Anhängern aller Art dazu übergegangen neben den bislang angegeben Gewichten auch das Raumvolumen anzuführen. Dies trifft vor allem für spezielle Häckselwägen und Erntewägen, sowie für die immer stärker verbreiteten Abschiebewägen aber auch für Muldenkipper etc. zu. Das erleichtert vor allem Landwirten, die Leichtguttransporte wie z.B. Hackschnitzel, Sonnenblumenkerne, trockenes Häckselgut etc. durchführen, die Vergleichbarkeit von Anhängern bei der Kaufentscheidung.

Vorsicht beim Anhängervolumen
Das eingangs geschilderte Beispiel vom Hackschnitzelverkauf und einige ähnliche Beispiele aus der Praxis die an uns herangetragen wurden, waren für uns Anlass die Volumen-Prospektangaben einiger Anhängerhersteller nach zu prüfen. Zuvor machten wir eine kurze Telefonumfrage bei Landwirten und Landmaschinenhändlern, was sie eigentlich unter dem Anhängervolumen verstehen: Wassermaß des Anhängers, mit oder ohne „Gupf“? Diese Umfrage ergab, dass nahezu 100 % der Befragten denken, dass es sich um das Wassermaß handeln müsste.
Auch aus gesetzlicher Sicht ist diese Annahme logisch, dass es sich um das Wassermaß handeln muss, da ja dieses Maß von rieselfähigen Gütern nicht überschritten werden darf und Leichtgüter gegen Windabtrift abzudecken sind. Darauf hin kontrollierten wir die Volumenangabe, einiger in Österreich stark verbreiteten Anhängermarken, bezogen auf das Wassermaß.

Fazit
Prospekte halten nicht immer das, was sie versprechen. Gründe dafür gibt es unzählige. Bei technischen Angaben wo es um gesetzliche Belange, um Leistungsangaben, um das Fassungsvolumen etc. geht, sollte man sich besser selber von der Richtigkeit der Angaben überzeugen um nicht am Ende als Betrüger übrig zu bleiben. Leider werden Hersteller die ihre technischen Angaben seriös ermitteln und bekanntmachen durch undurchsichtige oder unsaubere Angaben anderer Hersteller mit in Misskredit gezogen.

Autor: Ing. Johannes PAAR, Bad Blumau


Aktualisiert am: 20.02.2009 11:03
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