Väter: Manche Werte können nur sie vermitteln

Schon im ersten Lebensjahr erfüllt der Vater entscheidende Funktionen. So wichtig die Mutter ist, den Vater kann sie nicht ersetzen. Ein Interview zum Thema mit Prof. Dr. Horst Petri, Arzt und Psychoanalytiker.
Der Vater hat im Familiengefüge andere Aufgaben als die Mutter. Beide leisten einen unersetzlichen Teil in der gesunden Entwicklung der Kinder.
Der Vater hat im Familiengefüge andere Aufgaben als die Mutter. Beide leisten einen unersetzlichen Teil in der gesunden Entwicklung der Kinder.
Früher glaubte man, der Vater sei frühestens ab dem Schulalter bedeutsam für die Kinder. Heute weiß man, dass er schon im ersten Lebensjahr ganz wichtige Funktionen erfüllt, und zwar in der Dreiecksbildung Mutter – Vater – Kind. Beim schwierigen Prozess, bei dem sich das Kind aus der Symbiose mit der Mutter löst, muss der Vater die damit verbundenen Trennungsängste sozusagen abpuffern. Er bietet gleichzeitig schon sehr früh ein männliches Identifikationsobjekt. Die Mutter unterstützt eher das Bindungsverhalten, den gefühlsmäßigen Austausch, die Sprache, die Fürsorge, während der Vater sehr früh Erkundungsverhalten und Expansionswünsche der Kinder unterstützt. Das sind grundlegende Unterschiede, und das Kind braucht beides.

Viele Mütter versuchen, den Vater zu ersetzen. Geht das?
Nein. Das ist insofern eine heikle Frage, als vielfach eine kämpferische Parole daraus gemacht wurde. Im Stil von: Ohne Väter geht alles viel besser. Der Vater hat aber eine ganz eigene Funktion, die von der Mutter nicht zu ersetzen ist. Deswegen sind Väter so wichtig. Eine Frau kann kein Mann sein. Es gibt Geschlechterunterschiede, darüber gibt’s heute keinen Zweifel mehr, auch wenn das zum Teil geleugnet wird. Die Mutter kann sich bemühen, den Vater in irgendeiner positiven Form für das Kind zu erhalten. Geregelte Besuche zu ermöglichen, ein positives Bild zu erhalten, das ist sinnvoll, aber ersetzen kann sie den Vater nicht.

Hat die heutige Gewaltbereitschaft männlicher Jugendlicher mit der verbreiteten Vaterentbehrung zu tun?
Das liegt nahe. Es gibt Statistiken über die Häufigkeit von Kriminalität, Verwahrlosung, Süchten bei Männern, die vaterlos aufgewachsen sind oder oft auch ein negatives Männerbild durch Ersatzväter vermittelt bekamen. Ich denke, da besteht ein Zusammenhang.

Wie sieht es mit dem Vater aus, der zwar vorhanden ist, sich aber kaum um seine Kinder kümmert?
Viele Männer haben nicht das nötige emotionale Einfühlungsvermögen oder konnten die väterliche Identität nicht entwickeln. Aber dennoch: So defizitär ein Vater auch sein mag, seine Anwesenheit ist von Vorteil. Die Kinder können sich an ihm orientieren, und er sorgt für die Familie. Der emotionale Mangel ist nicht mit einem Vater, der überhaupt nicht da ist zu vergleichen.

Autorin: Regina KESSELRING, aus „wir eltern“


Aktualisiert am: 03.06.2009 16:50
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