VÖS: Schweineproduktions-Standort Österreich nicht gefährden

Entlastungen bei Gebühren und Betriebsmitteln notwendig.
Streitdorf/Wien, 29. August 2008 (aiz.info). - "Nach mehr als zweijähriger Durststrecke am Schweinemarkt ist nun endlich eine Entspannung der Situation in Sicht. Während diese im Mastbereich bereits spürbar ist, wird sie am Ferkelmarkt mit Ende des Jahres erwartet. Im harten Überlebenskampf zeigen die heimischen Schweinebetriebe, dass sie sich nicht vor ihren Kollegen aus anderen EU-Staaten zu verstecken brauchen. Die guten Voraussetzungen, die der Standort Österreich für die Schweinehaltung aufgrund der eigenen Futterversorgung bietet, dürfen aber nicht durch strengere Auflagen als im übrigen EU-Raum zunichte gemacht werden", forderte der Obmann des Verbandes Österreichischer Schweinebauern (VÖS), Josef Braunshofer, am Donnerstagabend bei einem Pressegesprächs in Streitdorf, NÖ. "Damit Nachteile aufgrund unserer kleinen Betriebsstruktur ausgeglichen werden können, benötigen wir vielmehr Entlastungen bei Gebühren und Betriebsmittel sowie Unterstützung bei der Modernisierung der Betriebe", erläuterte der Obmann.


EU-Sauenbestände rückläufig
Die anhaltend schlechte Wirtschaftlichkeits-Situation macht sich laut VÖS-Berechnungen bereits deutlich in der EU bemerkbar. "Die aktuellen Schweinezählungs-Ergebnisse zeigen deutlich, mit welcher Brutalität der Überlebenskampf in der Schweinebranche tobt. Dabei mussten nicht nur Oststaaten Federn lassen. In einem aktuellen Ranking liegt beispielsweise die Slowakei mit über 50% weniger Zuchtsauen unangefochten voran. In einer zweiten Kategorie folgen die weiteren Oststaaten vom Baltikum über Polen bis Tschechien, die sich zwischen 20 und 25% bewegen. Dänemark und Spanien reduzierten um etwa 10%. Weiters folgen Holland mit 7%, der größte und wichtigste Schweineerzeuger Deutschland mit minus 5% und Frankreich mit minus 3,4%. Mit einem Rückgang von nur 2,9% konnte sich Österreich hier sehr gut behaupten", berichtete Braunshofer.


Eigene Futterversorgung ist Erfolgsfaktor
Die relativ gute Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Betriebe steht primär in Verbindung mit der überwiegend eigenen Futterversorgung. Während in Mitbewerberländern durch den Futterkostenanstieg viele Betriebe in der Liquidität dermaßen eingeschränkt wurden, dass Kredit gebende Banken Betriebsschließungen oder Bestandsabbau erzwangen, war die Krisenbewältigung durch die Familienbetriebe mit weitgehender Kreislaufwirtschaft offensichtlich erfolgreicher.


Mastschweine-Basispreis 1. Halbjahr 2008 im Plus
"Vergleicht man die ersten 30 Wochen 2008 mit jenen von 2007, so konnte der durchschnittliche Basispreis für Mastschweine um 17 Cent zulegen", erläuterte Johann Schlederer von der Schweinebörse. Mit EUR 11,50 liegt der Deckungsbeitrag damit zwar höher als in der Vorperiode, für eine Deckung der durchschnittlichen Vollkosten fehlen allerdings immer noch ca. EUR 10,-. Besonders gravierend ist dabei der Unterschied bei den Futterkosten. Während man 2007 mit EUR 50,- kalkulierte, musste man 2008 in derselben Periode EUR 78,- Futterkosten für ein Mastschwein verbuchen. Dies entspricht einem Anstieg der Mastfutterkosten von 56%.


Ferkelmarkt läuft noch flau
"Im Ferkelbereich ist derzeit noch wenig von einer Entspannung zu spüren", betonte Walter Lederhilger, Vorsitzender des VÖS Tierhaltungsausschusses. Im Vergleich zu 2006 stiegen die Produktionskosten durchschnittlich je Sau und Jahr um EUR 160,- und betrugen 2007 rund EUR 920,-. Fast zur Gänze dafür verantwortlich zeichnen die gestiegenen Futterkosten, die sich in diesem Zeitraum von EUR 470,- auf 620,- pro Sau erhöht haben. Gleichzeitig sind die Ferkelpreise von 2006 auf 2007 um EUR 15,- auf knapp 58,- inkl. MwSt. zurückgegangen. Dies ergab 2007 einen Deckungsbeitrag von EUR 15,- pro Tier, womit er um 57% geringer ausfiel als 2006.
Die Absatzsituation ist derzeit zwar besser als in den vergangenen Monaten, sie wird aber laut Lederhilger bis in den Herbst hinein angespannt bleiben. Die saisonal bedingten globalen Angebots- und Nachfrageverhältnisse lassen bessere Preise einfach nicht zu. Erst im Laufe des letzten Quartals dürfte das Ferkelangebot europaweit wieder unter der Nachfrage liegen und damit deutlich steigende Preise ermöglichen. Das heißt, die Durststrecke der Ferkelerzeuger dauert an.


Erfolgreich im Verbund
"Dass man trotz schwieriger Marktphase und aussteigender Betriebe die Umsätze in den Verbänden steigern konnte zeigt, dass sich die Organisation im Verband für die Mitglieder bezahlt macht und honoriert wird. Offenbar sind die organisierten Betriebe um die berühmte "Nasenspitze" voraus und können so auch schwierige Marktphasen leichter überstehen", hielt VÖS-Geschäftsführer Georg Mayringer fest. So sei der Umsatz bei den im VÖS organisierten Verbänden seit 2003 im Ferkelbereich um 10% auf rund 2 Mio. Stück gestiegen, im Mastbereich habe man im gleichen Zeitraum ein Plus von 13% auf knapp 2,15 Mio. Stück verzeichnet. Im Ferkelbereich liegt der Marktanteil des VÖS bei rund 90%, beim Absatz von Mastschweinen über die Schweinebörse sind es etwa 45%.


Rahmenbedingungen entscheiden
"Der aktuell tobende Verdrängungskampf am europäischen Schweinemarkt macht deutlich, wie hart der Wettbewerb am freien Markt ist. Wenn wir unsere Betriebe halten wollen, brauchen wir zumindest annähernd gleiche Rahmenbedingungen wie unsere Mitbewerber", warnten Braunshofer und Lederhilger vor nationalen Alleingängen. "Insbesondere in Punkten wie Baurecht, Tierschutz, Tiergesundheitsmaßnahmen und Betriebsmittelpreisen können wir uns keine Schlechterstellungen leisten. Maßnahmen, die die Produktion verteuern, wirken zudem erhöhend auf den Verbraucherpreis und tragen sicher nicht dazu bei, die Inflation niedrig zu halten", so der Obmann.
Der Verband Österreichischer Schweinebauern (VÖS) ist die Dachorganisation der Zuchtverbände und der Erzeugergemeinschaften für Ferkel und Mast. Er stellt somit eine Koordinationsstelle der organisierten Schweinebranche dar. Durch die Einbindung der Landwirtschaftskammern und von öffentlichen Stellen sieht sich der Verband als Vertreter aller Schweinebauern in Österreich.


Aktualisiert am: 06.09.2008 16:01

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