VÖM- Milchwirtschaftsbilanz 2008

Bei einer Pressekonferenz zieht die VÖM (Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter) über das vergangene Jahr 2008 Bilanz und kommt zu durchwachsenen Ergebnissen.
Die Milchwirtschaftsbilanz für 2008 sieht nicht so düster aus, wie der derzeitige Milchpreis vermuten lässt.
Die Milchwirtschaftsbilanz für 2008 sieht nicht so düster aus, wie der derzeitige Milchpreis vermuten lässt.
„2008 war für die österreichische Milchwirtschaft ein Jahr mit sehr wechselhafter Entwicklung“, so Präs. GD DI Günther Geislmayr und Mag. DI Johann Költringer. Anfang des Jahres konnten die positiven Entwicklungen am Milchmarkt genutzt werden und so die österreichische Milchwirtschaft auch von den steigenden Preisen profitieren. Den Milchbauern, die zumeist auch die Eigentümer der Molkereien sind, konnte daher, übers Jahr gesehen, ein deutlich besserer Preis als 2007 ausgezahlt werden. Ab Mitte des Jahres kam es aber auf Grund der internationalen Entwicklung auch in Österreich zu deutlichen Einbrüchen; gegen Jahresende waren bereits deutliche Preisrückgänge zu verzeichnen. Hier eine Bilanzierung:

Anlieferung gestiegen- Umsatz verbessert- Ergebnis eingebrochen
Die Milchanlieferung ist im Vergleich zu 2007 um 2,1 Prozent gestiegen. Dies bedeutet, trotz des Milchlieferstreikes 2008, der ca. eine Tagesanlieferung der gesamten österreichischen Milchwirtschaft ausmachte, ein deutliches Plus in der Anlieferung. Auch die Umsätze der österreichischen Milchverarbeiter erreichten 2008 mit 2,14 Milliarden ein Plus (ca. 7 Prozent).
Trotzdem konnten die österreichischen Molkereien die ausbezahlten Milchpreise im Jahr 2008 nicht zur Gänze erwirtschaften. Die Wertschöpfung je Kilogramm eingesetzter Milch stieg von 71,73 Cent auf 77,63 Cent, so die Ergebnisse einer Hochrechnung des Raiffeisenverbandes OÖ.

Erzeugerpreis verbessert- Einkommen gestiegen
Die österreichischen Molkereien konnten die Auszahlungspreise für Milch mit natürlichen Inhaltsstoffen (inkl. Mehrwertsteuer) im Jahresdurchschnitt 2008 um 15,3 Prozent, im Vergleich zu 2007, steigern. Wobei gegen Jahresende 2008 sowie Anfang 2009 auf Grund der internationalen Entwicklung auch die österreichischen Molkereien zu Preiskorrekturen gezwungen waren. Das durchschnittlich ausbezahlte Milchgeld je österreichischem Bauern konnte von 24.660,-- € im Jahr 2008 auf 30.250,-- € gesteigert werden und trug somit zu einer positiven Einkommensentwicklung bei.

Strukturwandel geht weiter
Die Zahl der Milchlieferanten ging im Jahr 2008 von 43.600 auf 42.000 (- 3,6 %) zurück. Die durchschnittliche Milchanlieferung stieg von 61.000 kg auf 64.600 kg pro Jahr und Milchbauer. Österreichs Milchwirtschaft umfasst weniger als 2 Prozent der Milch der gesamten Europäischen Union.

Preisdebatte hat negative Auswirkungen
Erstmalig seit vielen Jahren ist der Absatz von Milchprodukten in Österreich mengenmäßig um ca. 1,4 Prozent im Jahr 2008 zurückgegangen . Die österreichische Milchwirtschaft war im Jahr 2008 Opfer einer penetranten und politisch geführten Preisdebatte für Lebensmittel, die zu Verunsicherungen beim Konsumenten geführt hat. Besonders die heftigen Preisdebatten im Zuge der Wahlkampfauseinandersetzung des Jahres 2008 hinterließen bei den Konsumenten Änderungen im Einkaufsverhalten. Mit Einsetzen der Wirtschaftskrise hat sich weiters das Konsumklima deutlich verändert und die Konsumenten greifen vermehrt zu billigen Produkten und zu Aktionsware, obwohl das verfügbare Einkommen nicht zurückgegangen ist und auch die Preise für Milchprodukte mittlerweile deutlich zurückgegangen sind.

Käse- Exportschlager
Wichtigstes Außenhandelsprodukt ist nach wie vor Käse, hier zeigte sich, dass Österreich mit seiner Qualitätsstrategie weiterhin punkten konnte, während Importe im Billigstsegment durch Handel und weiterverarbeitende Industrie zulegten.

Aussichten 2009
Angesichts der nach wie vor rückläufigen Entwicklungen auf dem internationalen Milchmarkt sind auch die österreichischen Verarbeiter nach wie vor unter Druck.
„Wenn es nicht gelingt, auf EU-Ebene die völlige Liberalisierung des Milchmarktes in geordnete Bahnen zu bringen, sind wir längerfristig mit einem Achterbahnszenario mit hohen Auf und Ab´s konfrontiert, das sowohl Konsumenten verunsichert als auch eine geordnete Marktentwicklung massiv beeinträchtigt“, erklärte abschließend Präsident Geislmayr.


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Aktualisiert am: 09.04.2009 00:23

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