Unsere Schulen: Dem Wachstum aller Kinder verpflichtet?

Darf Schule Freude machen? Die Antwort ist klar: Schule darf Freude machen, wenngleich Lernen auch immer mit Anstrengung verbunden sein wird.
Eine moderne Schule muss eine sehr offene Schule mit einer hohen Bereitschaft zur Kooperation mit den Eltern sein.
Eine moderne Schule muss eine sehr offene Schule mit einer hohen Bereitschaft zur Kooperation mit den Eltern sein.
Schule muss Spaß machen durch einen modernen und abwechslungsreichen Unterricht, der den Anforderungen der modernen Pädagogik genügt. Daher: Schule als Lebensraum für alle Schüler kann eben nur dem Wachstum aller Kinder verpflichtet sein und muss die grundlegende Freude am Lernen pflegen und ausbauen.

Unsere reale Befindlichkeit im Hinblick auf Schule ist jedoch nicht immer so positiv. Viele Eltern leiden unter massivem Schulstress, sind ausschließlich an Noten interessiert und drillen ihre Kinder mitunter schon im Kindergarten, um so schon systematisch Lernfrust aufzubauen. In vielen Familien hängt das Thema Schule wie eine schwarze Wolke über den Köpfen. Enorme Summen werden Jahr für Jahr für Nachhilfe ausgegeben. Dabei gehen unsere Kinder zum überwiegenden Teil gerne in die Schule und zwar vor allem deshalb, weil sie dort Freunde treffen und ihre Beziehungen pflegen können. Wir wissen aber auch, dass die Belastung nach der 4. Schulstufe insgesamt zunimmt. Diese Befunde führen dazu, dass viele Eltern Sorge haben, dass die Schule nach der 4. Schulstufe im positiven Sinne gelingen kann. Viele fragen sich auch, ob eine freudvolle Schule einer Schule, die auch messbare Leistungen bringt, entgegensteht.

Sind „Lernfreude“ und „Leistung“ Gegensätze? Wenn man etwa dem Pädagogen Marian Heidger folgt, ist Lernen als Anstrengung des Geistes kein Widerspruch zum geistvollen Einfall, zur geistvollen Phantasie. Anstrengung des Geistes ist demnach auch kein Widerspruch zu Freude, Glücksgefühl und sozialem Engagement. Es ist ja auch psychologisch völlig klar, dass nur dort, wo Interesse, Motivation und Lernfreude im Allgemeinen gegeben sind, Lerninhalte in das Langzeitgedächtnis übergeleitet und somit wirklich behalten werden können.

Autor: HR Dr. Josef ZOLLNERITSCH, Leiter der Abteilung Schulpsychologie-Bildungsberatung, Landesschulrat für Stmk.


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Aktualisiert am: 04.07.2005 19:38
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