Unkrautbekämpfung in Wintergetreide

Die Unkrautbekämpfung muss heuer zeitiger erfolgen als im letzten Jahr. Schon im Herbst gab es gut entwickelte Unkräuter und Ungräser. Es gilt außerdem, das Thema der Resistenz von Unkräutern und Ungräsern ernster zu nehmen. Die neu auf den Markt kommenden Produkte sind Kombinationen schon bekannter Wirkstoffe oder neue Formulierungen.
Windhalm ist gegenüber IPU/CTU resistenzgefährdet.
Windhalm ist gegenüber IPU/CTU resistenzgefährdet.
Der Entwicklungsstand des Wintergetreides im Spätherbst war in Summe betrachtet zufriedenstellend. Bei Wintergerste gab es im November noch eine gute Entwicklung, nachdem der Start Ende/September eher zu trocken war und die Kälte des Oktobers das Wachstum bremste. Anfang Dezember waren die Gerstenbestände vielfach „gelb“, was wahrscheinlich auf Nährstoffmangel und teilweise verdichtete, vernässte Böden zurückzuführen war. Auch die Unkräuter und Ungräser haben sich gut entwickeln können –eine Herbstbehandlung erspart oft Probleme mit üppiger Verunkrautung im Frühjahr.

Rasch Handeln
Im heurigen Frühjahr sind nach der Schneeschmelze die Felder rasch zu kontrollieren. Wo bereits üppige Unkraut und vor allem Ungräserbestände vorhanden sind, ist schnell zu reagieren. Auch wer im Herbst bereits Maßnahmen gesetzt hat, muss seine Felder beobachten und, wenn nötig, Korrekturmaßnahmen setzen. In Regionen, wo zum Zeitpunkt der Herbstbehandlung sehr trockene Witterungsverhältnisse geherrscht haben und auch nachher die Niederschläge ausblieben und zusätzlich der Boden eher grobschollig war, besteht in lückigen Beständen die Gefahr, dass trotz Herbstherbizideinsatz im Frühjahr noch Unkräuter auflaufen können. Das letzte Jahr hat gezeigt, dass bei extrem trockener Witterung, wie im April, mit der Unkrautbekämpfung nicht zu lange zugewartet werden darf. Haben die Unkräuter und Ungräser eine starke Wachsschicht ausgebildet und ist die relative Luftfeuchtigkeit niedrig, können sulfonylharnstoffhältige Produkte (z.B. Concert SX, Harmony extra SX, Husar WG/OD, Caliban Super Pack) nicht mehr die optimale Wirkung entfalten. Auch bodenaktive Gräserprodukte auf IPU/CTU-Basis (Alon fl, Protugan, Lentipur 700, etc.) mit nur 30 % Blattwirkung können dann bestockte Windhalmpflanzen nicht mehr erfassen. Oft wird dann vermutet, dass die Unkräuter und Ungräser resistent gegen die Wirkstoffe sind. Das ist auch möglich, spielt aber in Österreich noch nicht die große Rolle wie z.B. in Norddeutschland. Trotzdem ist hier vorzubeugen. Die Beobachtung der Kultur, der Unkräuter und der Witterung sind unerlässlich für die richtige Produktwahl. Auf vielen Schlägen im Feuchtgebiet besteht die Leitverunkrautung aus Klettenlabkraut, Kamille-Arten und Windhalm, wobei oft auch Ehrenpreis-Arten, Vogelmiere, Rote Taubnessel und Ackerveilchen große Probleme bereiten. Auf einzelnen Standorten dominieren Rispengräser, auf vielen Schlägen wird die Distel zum Problem.

Was ist zu beachten?
-Eine abwechslungsreiche Fruchtfolge mit Sommerungen und Winterungen, Blatt- und Halmfrüchten gestalten.
-Die Verunkrautung kennen, das Samenpotential im Boden nicht überproportional anwachsen lassen und in allen Kulturen niedrig halten.
- Reduzierte Bodenbearbeitung erfordert andere Bekämpfungsstrategien (ev. Glyphosateinsatz vor dem Anbau, Herbstapplikation).
- Keine extremen Frühsaaten durchführen (Gefahr von starker Unkrautentwicklung).
- Auch mechanische Methoden in die Bekämpfungsstrategie einbauen.
- Die Mittelauswahl exakt auf die vorhandene Verunkrautung abstimmen.
- Produkte mit Wirkstoffen aus unterschiedlichen Resistenzklassen wählen. Auch in der Fruchtfolge nicht immer nur eine Wirkstoffklasse verwenden (z.B. Sulfonylharnstoffe im Getreide, Mais Sojabohne, Zuckerrübe).
- Aufwandmengenreduktionen sind v.a. bei großen Unkräutern sowie kritischer Witterung für das Produkt und nicht optimaler Technik zu unterlassen.
- „Exakte“ Termine für die Behandlung wählen (in der Praxis leider oft schwierig):
- Unkräuter und Ungräser nicht zu groß werden lassen.
- Bur bei passender Witterung für das Produkt eine Behandlung durchführen.
- Die Produkte müssen antrocknen können.
- Applikationstechnik optimieren:
- auf gute Benetzung achten
- abdriftmindernde Technik richtig einsetzen

Autor: DI Hubert KÖPPL, LK Oberösterreich


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Aktualisiert am: 04.02.2010 14:25
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