Umgang mit Futtermittelzusatzstoffen

Aminosäuren, Futtersäuren, Harnstoff etc. sind Futtermittelzusatzstoffe. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Zusatzstoffe am Betrieb verfüttert werden dürfen, erklären DI Tiefenthaller und DI Doppelreiter.
Durch die VO 1831/2003 wurde die Zulassung von Futtermittelzusatzstoffen EU-weit neu geregelt. Einige Gruppen dieser Zusatzstoffe sind eigentlich nicht für die Anwendung am landwirtschaftlichen Betrieb vorgesehen. Sie sind in geringsten Konzentrationen höchst wirksam, ihre Anwendung teilweise auch gefährlich. Sie dürfen daher nur von Mischfutterbetrieben angewendet werden, die eine futtermittelrechtliche Zulassung bzw. Registrierung beim Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) haben.

Futtermittelzusatzstoffe sind z.B.:

  • Aminosäuren
  • Darmflorastabilisatoren (lebende Mikroorganismen)
  • Farbstoffe
  • Spurenelemente
  • Verdaulichkeitsförderer (Enzyme)
  • Vitamine


Rechnungen und Lieferscheine sind für die Rückverfolgbarkeit 3 Jahre aufzubewahren. Die Futtermittel sind gemäß den Anwendungsvorschriften am Sackanhänger einzusetzen. Für die korrekte Einmischung der Zusatzstoffe in die Futtersorten ist der Hersteller verantwortlich.

Keine Meldepflicht bei Siliermittel

Silierhilfsmittel, sind ebenfalls Zusatzstoffe, da sie Säuren, Enzyme oder lebende Mikroorganismen enthalten. Sie können jedoch von jedem Landwirt zur Silagebereitung eingesetzt werden. Es sind keinerlei Meldeverpflichtungen einzuhalten.

Futtersäuren, Aminosäuren, Harnstoff

Fallweise werden einzelne Zusatzstoffe direkt am Hof angewendet z.B. Ameisensäure in der Flüssigfütterung bei Schweinen oder Harnstoff in der Rinderfütterung. Dies ist nur dann möglich, wenn die Vorgaben der VO (EG) 183/2005 über die Hygiene in Futtermitteln eingehalten werden (Leitlinie). Diese sieht die Registrierung des Betriebes bei der Futtermittelkontrolle der Bundesländer vor. Landwirtschaftliche Betriebe gelten mit ihrer LFBIS-Nummer als automatisch registriert im Sinne der Anforderungen der Futtermittelhygieneverordnung (im Gegensatz zu BRD und anderen EU-Ländern).

Dokumentation nach Grundsätzen eines HACCP-Konzeptes

Bei der Anwendung ist eine auf den Grundsätzen eines HACCP-Konzeptes basierende Dokumentation zu führen. Dabei ist zu belegen, in welche Futtermischung z.B. die Futtersäure eingemischt und an welche Tiere sie verfüttert wurde (Aufzeichnung der Rezeptur und bestimmungsgemäße Verwendung). Es gibt jedoch keine Formvorschrift. Jede Art der Aufzeichnung, die den Einsatz klar nachvollziehbar macht, ist möglich (Kalender, Mischbuch, Rechnung Mischzug, eigene Liste etc.). Einen Vorschlag bzw. eine Vorlage für diese Aufzeichnungen finden Sie als Download im Anschluss an den Originalartikel. Den Link zum Artikel finden Sie unten.

Effektive Mikroorganismen in der Fütterung nicht zugelassen

Effektive Mikroorganismen als lebende Bakterien sind kein zugelassener Futterzusatzstoff. Sie dürfen in Futter für Nutztiere nicht eingemischt werden. Zur Verbesserung der Fließfähigkeit von Gülle oder andere Anwendungen sind sie möglich. EM-FKE als fermentierter Kräuterextrakt ist als Aromastoff einsetzbar.


Mykotoxinbinder

Derzeit gibt es in der EU kein zugelassenes Produkt für diesen Verwendungszweck. Am Markt befindliche Produkte sind als technologische Zusatzstoffe definiert. Sie sollen die Produktqualität verbessern, meist sind dies Tonminerale, die "nebenbei" eine Wirkung auf Mykotoxine haben können. Werbeaussagen ("Claims"), die eine Wirkung als Mykotoxinbinder vorgeben, sind nicht zulässig. Voraussetzungen für den Einsatz von Zusatzsoffen:

1. Zulassung durch BAES

  • Kokzidiostatika, Wachstumsförderer
  • Cu, Se, Vitamine A und D


2. Registrierung duch BAES

  • Sonstige Vitamine, Provitamine und ähnlich wirkende Substanzen
  • Sonstige Spurenelemente
  • Carotinoide, Xanthophylle
  • Enzyme
  • Mikroorganismen
  • Antioxidantien mit festgelegtem Höchstgehalt


3. Registrierung durch Futtermittelkontrolle der Länder und Einhaltung der Leitlinie (Landwirt)

  • Aminosäuren, Harnstoff, Aromastoffe, Emulgatoren
  • Antioxidantien ohne Höchstgehalte
  • Säureregulatoren, Bindemittel, Fließ- und Gerinnungshilfsstoffe
  • Silierzusatzstoffe (ohne Einhaltung der Leitlinien)


Unter dem angeschlossenem Link kommen Sie direkt zum Originalartikel auf der Homepage der LK Österreich und zum Download für die Aufzeichnungen im Sinne eines HACCP Konzeptes (Quelle: http://www.landwirtschaftskammer.at/?id=2500%2C1530487%2C%2C; Autoren: DI Franz Tiefenthaller und DI Franz Doppelreiter AGES Wien).


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Aktualisiert am: 10.07.2010 23:56

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