USA: Milcherzeuger suchen Hilfe beim Kartellamt

Die US-Milcherzeuger sind durch eine deutliche Überproduktion im Inland unter Druck geraten. Jetzt drängen sie das amerikanische Kartellamt, eine Untersuchung des Wettbewerbs innerhalb der Milch verarbeitenden Industrie durchzuführen. Die Milchlieferanten klagen seit Langem darüber, dass sie zu wenig Abnehmer und demzufolge zu wenig Wettbewerb um ihre Ware haben.
Die Milch verarbeitende Industrie in den USA wird von zwei großen
Milchbauern in den USA üben Kritik am mangelnden Wettbewerb unter den Molkereien.
Milchbauern in den USA üben Kritik am mangelnden Wettbewerb unter den Molkereien.
Playern dominiert: Dean Foods Co in Dallas und Dairy Farmers of America Inc, eine Kooperative in Kansas City, die Milch von den Landwirten abnimmt und einen Teil wiederum weiter an Dean Foods verkauft. Letzteres Unternehmen wies allerdings den Verdacht einer Preiskontrolle weit von sich. "Wir kontrollieren weder die Preise für Milchprodukte noch den Markt dafür ", stellte Dean Foods in einer Pressemitteilung fest. Verschiedene Zahlen, die in diesem Zusammenhang in den Medien kursierten, lägen zum Teil weit daneben. "Wir kaufen weniger als 15 % des inländischen Angebotes an Rohmilch ", argumentierte das Unternehmen.

Konsumenten profitieren
Andy Gilbert, Milchviehhalter im Bundesstaat New York mit 800 Milchkühen, sagte, die Landwirte seien "hart am Kämpfen ", und er müsse Kredite aufnehmen, um seine Rechnungen bezahlen zu können. "Ich kenne nicht einen einzigen Milcherzeuger, der die Kosten für seine Produktion decken kann ", sagte er. Die US-Verbraucher hingegen profitieren von den niedrigen Preisen. In ihrem monatlichen Verbraucherpreisindex meldete die Statistikbehörde, dass die Preise für Milchprodukte im August 2009 um 10,4 % unter denen des Vorjahres gelegen hätten.

Dean Foods dominiert
Die Bush-Regierung hatte 2001 den Weg frei gemacht für die Fusion von zwei der größten US-Milchverarbeiter. Der daraus entstandene Konzern, Dean Foods, verfügt in einigen Bundesstaaten über eine sehr starke Position bei abgefüllter Milch. So hatte es im August 2009 eine Klage beim Kartellamt darüber gegeben, dass Dean Foods mindestens 80 % der Milchmärkte in den Bundesstaaten Michigan, Massachusetts und Tennessee kontrolliere und rund 70 % des Marktes in New England. Daher soll das Kartellamt unter anderem untersuchen, ob die Fusion von 2001 rückgängig gemacht werden solle. Die Regierung unter Barack Obama plant für 2010 eine Reihe von Anhörungen für Farmer, die über Marktkonzentrationen bei Agrarrohstoffen besorgt sind, darunter auch die Fleisch- und Milchverarbeitung.

Milchkuhbestände vergrößert
Der US-Milchpreis zeigte 2007 einen historischen Höchststand, und die Viehhalter beeilten sich demzufolge, ihre Herden zu vergrößern. Im Zuge der Bestandsausweitung haben die US-Farmer zwischen Anfang 2007 und Dezember 2008 etwa 190.000 zusätzliche Milchkühe aufgestallt. Das entspricht nach Schätzungen von Industrie-Ökonomen einer Steigerung um 2 %. Nachdem jedoch 2008 die globale Rezession die ausländische Milchnachfrage deutlich gesenkt hatte, stauten sich bedeutende Überhänge auf, die jetzt auf die Preise drücken. Innerhalb des vergangenen Jahres ist laut Dow Jones der Erzeugerpreis für Milch in den USA um 36 % gesunken und hat seinen niedrigsten Stand seit drei Jahrzehnten erreicht. Im August 2009 erhielten die Landwirte durchschnittlich USD 11,80 pro 100 Pounds Milch (umgerechnet rund 18 Cent je Liter), während der Preis ein Jahr zuvor noch bei USD 18,40 gelegen hatte. (aiz)


Aktualisiert am: 24.09.2009 11:34
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