US-Forscher: Erderwärmung schlimmer als angenommen

Die Erde dürfte sich US-Forschern zufolge schneller erwärmen, als ursprünglich angenommen. Grund sei der stark angestiegene Ausstoß von Treibhausgasen in Schwellenländern wie Indien oder China, sagte Chris Field, Mitglied des internationalen Gremiums zum Klimawandel des Weltklimarats IPCC, am vergangenen Wochenende.
Die Ozeane binden weniger CO2.
Die Ozeane binden weniger CO2.
Daten von 2000 bis 2007 zeigten einen weitaus stärkeren Anstieg der Treibhausgase, als prognostiziert. "Wir sehen uns jetzt mit einem Klima konfrontiert, das über das hinausgeht, was wir je ernsthaft in Betracht gezogen haben ", sagte Field. Die Erderwärmung könnte verheerende Großflächenbrände in tropischen Regenwäldern oder Eisschmelze in der Antarktis auslösen. Dies wiederum könnte weitere Treibhausgase freisetzen und die Temperaturen noch mehr in die Höhe schnellen lassen, erläuterte Field laut dem Nachrichtendienst Reuters.

Permafrostböden als "Treibhausgas-Zeitbomben "

Jüngsten Studien zufolge steckt auch in den gefrorenen Böden der Tundren in Sibirien und Kanada eine regelrechte "Treibhaus-Zeitbombe ". Einem am Sonntag in der Zeitschrift "Nature Geoscience " veröffentlichten Bericht zufolge könnten aus den auftauenden Permafrostböden Milliarden Tonnen klimaschädlicher Gase entweichen, die dort bisher sicher gespeichert gewesen seien.
Laut Wissenschaftern aus Finnland und Russland entweicht aus den sogenannten Torf-Zyklus-Ökosystemen neben Kohlendioxid auch das etwa 300 Mal klimawirksamere Distickstoffoxid, das auch als Lachgas bekannt ist. Pertti Martikainen von der Universität Kuopio fand gemeinsam mit russischen Kollegen bei Studien bei Workuta in Sibirien heraus, dass das Gas bei der Kryoturbation freigesetzt wird, einem Prozess, der beim Auftauen und Wiedergefrieren der Böden stattfindet. "Es gibt Beweise, dass die Erwärmung der Arktis die Kryoturbation beschleunigt ", heißt es in dem Papier. Dies würde dann zu gestiegenen Lachgas-Emissionen führen und dadurch den Klimawandel begünstigen.
Erkenntnissen des Weltklimarats IPCC zufolge sind in den Tundren deutlich höhere Mengen an Treibhausgasen gespeichert, als bisher bekannt. Jüngste Schätzungen gingen laut Field vom IPPC von etwa 1.000 Mrd. t aus. Seit Beginn des Industriezeitalters wurden durch das Verbrennen fossiler Stoffe etwa 350 Mrd. t Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. "Tauende Permafrostböden werden bei der CO2-Konzentration in der Atmosphäre stark aufs Gaspedal drücken ", sagte Field am vergangenen Samstag bei einer Tagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago.

Ozeane binden weniger CO2

Französischen Wissenschaftern zufolge ist auf der Südhalbkugel der Erde auch die Fähigkeit der Ozeane gesunken, CO2 zu binden. Laut Nicolas Metzl vom Französischen Nationalen Forschungsinstitut wühlen die durch den Klimawandel hervorgerufenen starken Winde die Meere auf und wirbeln dadurch mehr Kohlendioxid an die Oberfläche. Jährlich würden derzeit 10 Mrd. t des Treibhausgases durch menschliche Aktivitäten freigesetzt, während es in den frühen 90er-Jahren nur 6 Mrd. t gewesen seien. Damals konnte jedoch laut Metzl etwa ein Drittel davon durch die Meere gebunden werden, also etwa 2 Mrd. t. Heute sei das nur noch ein Fünftel. (AIZ)


Aktualisiert am: 19.02.2009 18:31
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