Traktormarkt Westeuropa 2012 mit unterschiedlicher Wachstumsstärke

Die Traktormärkte in den deutschsprachigen Ländern Österreich, Schweiz und Deutschland, sowie Frankreich beeinflussen das Gesamtergebnis positiv. Entsprechend der Wirtschaftslage und der Einkommenssituation ist der Markt in den südeuropäischen Ländern eingebrochen. Strategieberater und Landtechnikexperte DI Wolfgang Kutschenreiter hat 18 Länder analysiert.
John Deere ist mit einem geschätzten Marktanteil von über 18 % in Westeuropa Marktführer.
John Deere ist mit einem geschätzten Marktanteil von über 18 % in Westeuropa Marktführer.
Der westeuropäische Traktorenmarkt zeigte sich im Schnitt der 18 erfassten Länder mit 146.751 verkauften Traktoren im Vergleich zum guten Niveau des Vorjahres von 149.809 Traktoren mit einem Rückgang von 2 % leicht fallend. Die meisten Länder hatten Rückgänge der zugelassenen oder verkauften Stückzahlen zu verzeichnen. Von einem stabilen oder zunehmenden Markt auf hohem Niveau konnten vor allem die deutschsprachigen Länder Österreich, Schweiz und Deutschland, sowie Frankreich verzeichnen. Vor allem Frankreich und Deutschland, die beiden größten Traktorenmärkte Westeuropas mit zusammen annähernd 70.000 Zulassungen, nehmen fast der Hälfte des westeuropäischen Traktorenmarktes ein, und konnten deshalb mit ihren starken Zulassungen in 2012 das westeuropäische Gesamtergebnis positiv beeinflussen.

Hohe Marktpräsenz steigert Effizienz
Je weiter die einzelnen Traktorenmarken verbreitet sind, umso stärker können sie sich auf die Anforderungen der unterschiedlichen Regionen befassen, und umso mehr Mittel können sie in ihre Produktentwicklung investieren. Je stärker die Verbreitung einer Marke ist, umso bessere Chancen bieten sich für den internationalen Handel mit Gebrauchtmaschinen.
Je stärker sich eine Marke europaweit etabliert, umso intensiver kann sie sich auf großflächige Effizienz in den Vertriebssystemen, auf effektive Entwicklung von Kundendienst- und Werkstattleistung, sowie auf Handelsdienstleistungen fokussieren. Und desto weiter die Marke verbreitet ist, umso besser sind die Chancen der Marke, Abwärtsbewegungen des Marktes in einigen Regionen mit dem Absatz in stabilen Marktregionen auszugleichen und ihre Produktentwicklung weiter nach vorne zu bringen.

Wettbewerb der internationalen Longliner
Auf diese Stärken können vor allem die globalen Longliner aufbauen, die im westeuropäischen Markt für landwirtschaftliche Traktoren in der Summe Marktanteile zwischen 80 und 90 % halten. Der Marktführer John Deere, der in den letzten zehn Jahren seinen Anteil am westeuropäischen Markt schätzungsweise auf über 18 % ausgebaut hat, baut auf nur eine einzige starke Marke (single-brand), auf ein breites Traktorenangebot, auch in der Grundstücks- und Landschaftspflege bis zu 50 PS-Motorleistung, und ein kontinuierlich weiter entwickeltes europäisches und weltweites Vertriebsnetz. Die weiteren drei führenden Traktoren-Longliner CNH (New Holland, Case IH/Steyr), AGCO (MF, Fendt, Valtra, Challenger) und SDF (Same, Deutz-Fahr, Lamborghini, Hürlimann) setzen auf eine Mehrmarkenstrategie.
Weiteres zählt auch Claas zu den Longlinern. Das Familienunternehmen greift seit zehn Jahren mit Traktoren dieser Marke auf dem Markt an.

Nationale Hersteller und Nischenanbieter
Zu den weiteren landwirtschaftlichen Traktorenanbietern die in den unterschiedlichen Ländern wiederholt genannt werden, zählen die beiden ARGO-Traktor-Marken Landini und McCormick (I), Lindner aus Kundl (A) und Zetor aus Tschechien. Darüber hinaus gibt es eine lange Markenliste zumeist spezialisierter Hersteller von Kompakttraktoren bis zu 50 PS, die überwiegend in nichtlandwirtschaftlichen, gewerblichen Bereichen eingesetzt werden. Sie erhöhen die Angebotsvielfalt. Diese Leistungsklasse bis zu 50 PS kann je nach Struktur des Landes und der wirtschaftlichen Situation zwischen 10 und 20 % des Traktoren-Gesamtmarktes bestreiten.

New Holland befindet sich in 13 europäischen Ländern auf dem ersten, zweiten oder dritten Rang und hat damit die zweitgrößte Verbreitung.
New Holland befindet sich in 13 europäischen Ländern auf dem ersten, zweiten oder dritten Rang und hat damit die zweitgrößte Verbreitung.
Ringen um die Marktpositionierung
Jeder Traktorenhersteller strebt nach Marktführerschaft – sei es auf europäischer Ebene, auf nationaler oder regionaler Ebene, oder in einem ganz besonderen Leistungs- oder Anwendersegment in dem er spezifische Stärken aufweist. Übersicht 2 zeigt auf, in welchen westeuropäischen Ländern die einzelnen Traktorenmarken in 2012 den ersten, zweiten oder den dritten Marktanteilrang erreicht haben. John Deere erzielt, wie auch schon in den vergangenen Jahren, einen der drei ersten Marktanteilränge in jedem der 16 westeuropäischen Länder in denen wir die führenden Wettbewerber positionieren können. Vor allem dadurch, dass diese Marke in den vier europäischen Flächenländern Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien auf dem ersten Platz steht, erreicht John Deere seine starke Positionierung in Westeuropa. Die zweitgrößte Verbreitung in Europa erreicht New Holland - auf dem ersten, zweiten oder dritten Rang in 13 der genannten Länder. Aber auch die weiteren Marken der Multi-Brand-Anbieter sind wiederholt auf einem der ersten Ränge in Westeuropa zu finden und weisen besondere Stärken in ihren Stammmärkten aus.

Wie sich die Märkte im Detail in den einzelnen Ländern entwickelt haben erfahren Sie in der Ausgabe 09/2013 unserer Fachzeitschrift „Der fortschrittliche Landwirt“.


Aktualisiert am: 12.04.2013 21:47
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