Traktorkauf im EU-Ausland: Muss ich Steuern zahlen?

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Der gebrauchte Traktor aus den Niederlanden, der Körnermais nach Italien und das Futtermittel aus Deutschland. Wer Geschäfte mit Partnern aus dem EU-Ausland macht, muss steuerlich sattelfest sein. Wir zeigen Praxisfälle.
Verkaufen Sie Getreide oder Körnermais im EU-Ausland, so benötigen Sie jedenfalls eine UID-Nummer.
Verkaufen Sie Getreide oder Körnermais im EU-Ausland, so benötigen Sie jedenfalls eine UID-Nummer.
Fall 1: Sie sind nicht pauschalierter, also regelbesteuerter Landwirt, und verkaufen Körnermais an einen Unternehmer in Deutschland.

In diesem Fall muss der regelbesteuerte Landwirt eine Rechnung ohne Umsatzsteuer ausstellen, die sowohl seine, als auch die UID-Nummer (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer) des Kunden enthält. Es handelt sich um eine sogenannte innergemeinschaftliche Lieferung. Der Kunde muss in seinem EU-Staat die dortige Umsatzsteuer abführen und darf sich dort in gleicher Höhe die Vorsteuer zurückholen. Diesen Vorgang nennt man Erwerbsbesteuerung. Sie als Verkäufer müssen eine sogenannte Zusammenfassende Meldung (ZM) an das für die Erhebung der Umsatzsteuer zuständige Finanzamt einreichen. Die Zusammenfassenden Meldungen müssen die UID-Nummer der Kunden und für jeden Erwerber die Summe der Bemessungsgrundlage enthalten. Die Zusammenfassende Meldung muss bis Ende des Folgemonats nach den innergemeinschaftlichen Warenlieferungen abgegeben werden. Sie gilt als Steuererklärung. Eine verspätete Abgabe kann mit einem Verspätungszuschlag in Höhe von 1 % der Bemessungsgrundlage der nicht bzw. zu spät gemeldeten innergemeinschaftlichen Warenlieferungen, höchstens jedoch mit 2.200 Euro, geahndet werden.

Beispiel: Der umsatzsteuerlich regelbesteuerte Landwirt verkauft an eine Maistrocknungs- und -vermarktungsfirma in Bayern Körnermais. Er hat die Rechnung netto (ohne USt) zu erstellen. Die Rechnung muss – neben allen sonstigen Merkmalen einer Rechnung – die eigene UID Nummer und die UID Nummer der Maistrocknungs- und -vermarktungsfirma in Bayern enthalten. Außerdem muss er den Verkauf in seine Zusammenfassende Meldung (ZM) aufnehmen.


Fall 2: Sie sind pauschalierter Landwirt und verkaufen Ihr Getreide an ein Handelsunternehmen in Italien.

Pauschalierte Landwirte sind bei den sogenannten innergemeinschaftlichen Lieferungen an Unternehmer zum gesonderten Ausweis der österreichischen Umsatzsteuer in Höhe von 13 % in den Rechnungen verpflichtet. Der Kunde darf – sofern er Unternehmer ist – den Einreichungsantrag für die Erstattung der österreichischen Umsatzsteuer über ein elektronisches Portal in dem Mitgliedstaat, in dem er ansässig ist, durchführen. Den Erstattungsantrag kann der Kunde bis 30. September des Folgejahres stellen. Außerdem muss sich der Landwirt, der den Export durchführt – auch wenn er umsatzsteuerlich pauschaliert ist – in Österreich eine UIDNummer besorgen. Er muss auf der Rechnung die eigene UID-Nummer und die UID-Nummer des Kunden ausweisen. Darüber hinaus muss der Landwirt beim Finanzamt monatlich eine Zusammenfassende Meldung (ZM) abgeben (siehe Fall 1).

Beispiel: Der pauschalierte Landwirt verkauft Getreide an ein Handelsunternehmen in Italien. Die Rechnung enthält die österreichische Umsatzsteuer in Höhe von 13 % sowie die UID-Nummern des pauschalierten Landwirts und des Kunden. Außerdem muss der Landwirt monatlich eine Zusammenfassende Meldung (ZM) beim Finanzamt abgeben.


Beim Einkauf im EU-Ausland gilt für pauschalierte Landwirte die Umsatzsteuer des EU-Auslands, solange die Erwerbsschwelle von 11.000 Euro nicht überschritten wird.
Beim Einkauf im EU-Ausland gilt für pauschalierte Landwirte die Umsatzsteuer des EU-Auslands, solange die Erwerbsschwelle von 11.000 Euro nicht überschritten wird.
Fall 3: Sie sind umsatzsteuerlich pauschalierter Landwirt und kaufen in Italien Düngemittel im Wert von 5.000 Euro ein.

Falls ein umsatzsteuerlich pauschalierter Landwirt Einkäufe in einem anderen EU-Staat tätigt, kommt es darauf an, ob er die Erwerbsschwelle von 11.000 Euro (netto) im Vorjahr überschritten hat oder im laufenden Jahr voraussichtlich überschreiten wird. Ist dies nicht der Fall, so tritt der umsatzsteuerlich pauschalierte Landwirt wie ein Privater auf und es gilt für ihn das Ursprungslandprinzip.

Beispiel: Ein umsatzsteuerlich pauschalierter Landwirt kauft in Udine (Italien) Düngemittel um 5.000 Euro ein. Ansonsten tätigt er keine Einkäufe in anderen EU Staaten. Der italienische Landproduktehändler stellt ihm italienische Umsatzsteuer in Rechnung. In Österreich besteht keine weitere Veranlassung.


Fall 4: Sie sind umsatzsteuerlich pauschalierter Landwirt und kaufen im EU-Ausland eine Maschine, deren Wert 11.000 Euro übersteigt.

Übersteigt die Summe aller im vorangegangenen oder laufenden Kalenderjahr getätigten Erwerbe aus sämtlichen EU-Mitgliedstaaten den Betrag von 11.000 Euro, so verlagert sich der Lieferort ins Inland. Das bedeutet, dass der pauschalierte Landwirt im Monat des Erwerbes eine Umsatzsteuervoranmeldung erstellen muss und diese bis spätestens ein Monat und fünfzehn Tage nach Ablauf des Monats des Erwerbes beim Finanzamt einreichen muss. Die Umsatzsteuervoranmeldung hat die Erwerbssteuer zu enthalten. Ein Vorsteuerabzug steht dem pauschalierten Landwirt nicht zu. Außerdem ist natürlich die Erwerbssteuer zu bezahlen. Damit der pauschalierte Landwirt im anderen EU-Staat nicht die Umsatzsteuer des anderen
EU-Staates entrichten muss, sollte er sich vor dem Kauf beim Finanzamt eine UID-Nummer besorgen. Dazu muss er bei seinem zuständigen Finanzamt das Formular U 15 abgeben. Bei Bekanntgabe der UID-Nummer kann der Verkäufer den Verkauf ohne Umsatzsteuer behandeln.

Beispiel: Ein umsatzsteuerlich pauschalierter Landwirt kauft im Juli 2017 eine Maschine um 15.000 Euro (netto) in Laibach. Er hat rechtzeitig beim Finanzamt eine UID Nummer besorgt und weist sich mit dieser gegenüber dem slowenischen Verkäufer als Unternehmer aus. Der Slowene verkauft ihm die Maschine um den Nettopreis. Der Landwirt hat für den Monat Juli 2017 eine Umsatzsteuervoranmeldung zu erstellen und die Erwerbssteuer in Höhe von 3.000 Euro zu erklären. Die Umsatzsteuererklärung ist bis zum 15. September 2017 beim zuständigen Finanzamt einzureichen und die Erwerbsteuer zu bezahlen.

Es wird darauf hingewiesen, dass der Verkäufer im anderen Staat den Verkauf in seine Zusammenfassende Meldung, die er monatlich abgeben muss, aufnehmen muss. Diese Daten werden elektronisch verarbeitet und können von der österreichischen Finanzverwaltung abgerufen werden. Dadurch kann die Besteuerung in Österreich (Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung) überwacht werden.

Auto: Dr. Christian Urban, LBG

Weitere Praxisfälle finden Sie in der LANDWIRT Ausgabe 23/2017. Bestellen Sie hier kostenlos und unverbindlich Ihr Probeheft Ausgabe 23/2017 (solange der Vorrat reicht)

Aktualisiert am: 23.11.2017 21:35
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