Traktoren Westeuropa 2008: Marktentwicklung mit großen Unterschieden

Der westeuropäische Traktorenmarkt behauptet sich auch in 2008 auf sehr hohem Niveau und legte nach unserer Untersuchung von rund 166.800 Zulassungen/Endverkäufen in 2007 auf rund 172.000 Einheiten um 3,1 % zu.
Starker Trend zu höheren Leistungsklassen: Führende Traktormarken bieten heute auch Traktoren über 250 PS an.
Starker Trend zu höheren Leistungsklassen: Führende Traktormarken bieten heute auch Traktoren über 250 PS an.
Der große Stückzahlenzuwachs in 2008 – so wie wir ihn vor allem in Deutschland, Frankreich und Belgien wahrnehmen und der den Wettbewerb und die Stimmung in diesen Ländern prägte – war keineswegs prägend für die Mehrzahl der europäischen Länder: In Südeuropa hatten Griechenland, Spanien und Portugal größere Marktrückgänge zu verzeichnen, und in Italien war nur ein kleiner Anstieg zu verzeichnen. In Skandinavien verzeichneten Dänemark, Norwegen und Schweden rückläufige Märkte, nur Finnland konnte einen Marktanstieg verzeichnen. Wir unternehmen den Versuch, einige Hintergründe dieser so unterschiedlichen Entwicklung auszuleuchten und einige für den Markt relevante Trends und Erfolgsfaktoren aufzuzeichnen.
Da die dominierenden europäischen Traktorenproduzenten wie Deutschland, Italien, Frankreich und England auch große Exporteure in die weltweiten Märkte und vor allem nach Osteuropa sind, war das Traktorenjahr 2008 vor allem für viele Hersteller durch Lieferverzögerungen gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu dürfte das Jahr 2009 bei rückläufigem Absatz in Westeuropa und in anderen Weltregionen gekennzeichnet sein und damit den Wettbewerb der Traktorenhersteller untereinander wieder verschärfen.

Die Bedeutung „nationaler Marken“ bleibt stark
Trotz des gemeinsamen Marktes der Europäischen Union (EU) ohne Handelsgrenzen, trotz zunehmend globaler Märkte, und trotz der weitgehend transnationalen Fertigung und Entwicklung bleibt für den Traktorenkäufer die nationale Herkunft ein wichtiges Kaufkriterium. Wichtig für diese Sicht sind nationale Fertigungsstätten im eigenen Land, frühere Fertigung im eigenen Land, und der „eingeborene“ Ruf der Marke: In Deutschland halten diejenigen Marken die hier fertigen (John Deere, Fendt, Deutz-Fahr), zuzüglich Claas mit Fertigung in Frankreich aber mit deutschem Image-Bonus, und zuzüglich Case IH/Steyr mit ehemals deutscher Fertigung, mehr als zwei Drittel des Marktes. In Österreich rückte Steyr wieder an die erste Stelle im Markt, und Lindner steht an starker vierter Stelle. In Italien führen Marken mit Fertigung an italienischen Standorten - darunter New Holland, Same, Lamborghini, Antonio Carraro und Goldoni den Markt an und beherrschen zwei Drittel des Absatzes.
In England dominieren zusammen genommen die Marken mit angelsächsischen Wurzeln den Markt – darunter John Deere, Massey Ferguson, Case IH und McCormick.
Die stärkste Marke in Skandinavien ist Valtra mit insgesamt 23,4 % Marktanteil – allerdings mit rückläufiger Tendenz vor allem in Norwegen und Dänemark - wo John Deere die Marktführerschaft übernommen hat. In denjenigen Ländern in denen seit längerem wenig oder keine Traktoren produziert wurden, oder deren Traktorenproduktion über einen längeren Zeitraum rückläufig war – darunter Frankreich, Spanien, Portugal, Griechenland, Benelux und die Schweiz – sind regelmäßig die globalen Marken John Deere und New Holland in führende Stellung gerückt!

Autor: DI Wolfgang KUTSCHENREITER, Strategieberater in Gailingen/Hochrhein (D)


Aktualisiert am: 03.06.2009 16:40
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