Tirol Milch: Gutachten empfehlen gemeinsamen Weg mit Berglandmilch

Die Ergebnisse der Gutachten zur Zukunft der Tirol Milch liegen vor. Sie sprechen sich für eine Zusammenarbeit mit der Berglandmilch aus. Die Gespräche mit anderen Molkereien werden aber dennoch weitergeführt.
Obmann Stefan Lindner: „Die Tirol Milch soll auch in Zukunft in Bauernhand bleiben. In den kommenden Wochen werden die Tiroler Bauern umfassend informiert. Strukturierungsbedarf ist bei allen Lösungen gegeben."
Obmann Stefan Lindner: „Die Tirol Milch soll auch in Zukunft in Bauernhand bleiben. In den kommenden Wochen werden die Tiroler Bauern umfassend informiert. Strukturierungsbedarf ist bei allen Lösungen gegeben."
Die Raiffeisenverbände Tirol und Oberösterreich sowie die Milchwirtschafts-Experten Hannes Weindlmaier von der Technischen Universität München und Johann Dirndorfer von der Gesellschaft für Kostenrechnung und Controlling präsentierten die Ergebnisse am Mittwoch dem Vorstand und der Delegierten-Versammlung der Tirol Milch.

Lieferanten werden informiert
„Unter dem Strich kommen beide Untersuchungen zum Schluss, dass ein gemeinsamer Weg mit der Berglandmilch große Chancen für die Tirol Milch bietet“, sagte Obmann Stefan Lindner nach der Präsentation vor Journalisten. „Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Tirol Milch haben daher beschlossen, die Bauern in den kommenden Wochen umfassend über das Angebot der Oberösterreicher zur Zukunft der Tiroler Milchwirtschaft zu informieren.“ Ziel in den Verhandlungen mit der Berglandmilch sei eine Sonderstellung der Tirol Milch: „Wo Tirol Milch draufsteht, wird auch in Zukunft Tiroler Milch drin sein“, verspricht Lindner. Es werde auch in Zukunft eine Tirol Milch Produktions- und Vertriebsgesellschaft mit Standort in Wörgl geben.
Weiterhin Gespräche mit anderen Molkereien
Darüber hinaus würden weiterhin Gespräche über potenzielle Kooperationen mit anderen Molkereien geführt. Über die endgültige Zukunft entscheiden die Delegierten – also die Bauern selbst – bei einer außerordentlichen Generalversammlung im September. Lindner: „Wir streben eine zukunftsfähige Lösung für die Tiroler Bauern an, die uns auch mit Blick auf den Wegfall der Milchquoten im Jahr 2015 konkurrenzfähig macht. Dabei bevorzugen wir eine Genossenschaftslösung. Denn die Tirol Milch soll auch in Zukunft in Bauernhand bleiben.“

Einschnitte notwendig
Ein weiteres Ergebnis der Gutachten: „Sowohl bei einer Stand-alone-Lösung als auch einer Einbringung in die Berglandmilch sind Restrukturierungsmaßnahmen im Unternehmen notwendig“, sagt Lindner. Diese würden von der Verbesserung der Verwertung durch die Reduzierung der Versandmilch über die Auslese von Produkten, die keine Gewinne bringen, bis zu Einschnitten im personellen Bereich reichen. „Wir liegen beim Umsatz pro Mitarbeiter um 20 Prozent unter der Berglandmilch. Das zeigt, dass wir Handlungsbedarf haben.“

Ergebnisse im Detail
Für die Gutachter Hannes Weindlmaier und Johann Dirndorfer gibt es mehrere Gründe, die für eine Einbringung in die Berglandmilch sprechen: „Die Lieferanten der Tirol Milch würden bereits im Jahr 2010 voll vom höheren Erzeugermilchpreis der Berglandmilch profitieren. Darüber hinaus besteht die Chance, für die Überschussmilch der Tirol Milch eine höhere Wertschöpfung zu erzielen.“ Von der Einbringung könne darüber hinaus erwartet werden, dass die Kapazitäten des Standorts Wörgl besser ausgelastet werden. Zur Stand-alone-Lösung meint Weindlmaier: „Um alleine konkurrenzfähig zu bleiben, müssten mehrere Millionen Euro investiert werden. Da die Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen würde, könnten die Erzeugermilchpreise erst viel später anziehen, als bei einer Einbringung in die Berglandmilch.“

Höhere Verarbeitungsquote
Auch der Bericht des Raiffeisenverbandes sieht die Verbesserung der Milchverwertung als eine zentrale Synergie einer Zusammenarbeit mit der Berglandmilch: „Durch eine Erhöhung der Verarbeitungsquote könnte nicht nur die bislang anfallende Versandmilchmenge der Tirol Milch reduziert, sondern auch die Auslastung der vorhandenen Maschinenkapazitäten erhöht werden“, erklärt Arnulf Perkounigg, Direktor des Raiffeisenverbandes Tirol. Außerdem könne man im Bereich Produktentwicklung und Innovation profitieren. Einsparungen seien im Bereich Einkauf und Verwaltung zu erzielen. (wiko)


Aktualisiert am: 26.08.2010 10:20
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