Tipps zur Saatstärke beim Weizenanbau

Zwei wesentliche Faktoren bei der Weizensaat sind die Saatstärke und der Saatzeitpunkt. Vor allem die Reduktion der Saatmenge wäre ökonomisch interessant. Aber wie weit darf man gehen? Ein mehrjähriger Praxisversuch gibt Antworten darauf.
In diesem Jahr vielen die Erträge bei den Dünnsaaten um 7 bis 11 % zurück.
In diesem Jahr vielen die Erträge bei den Dünnsaaten um 7 bis 11 % zurück.
Seit nunmehr drei Jahren werden bei verschiedenen Winterweizensorten Versuche zur Saatdichte und zum Saatzeitpunkt durchgeführt. Diese Versuche werden immer auf Vorfrucht Körnermais angelegt. Das Ergebnis dieser Versuche hängt natürlich sehr stark von Jahreseffekten ab. Die grundlegende Frage ist: Wie weit entwickelt sich der Weizen im Herbst und welche Wachstumsbedingungen haben wir im Frühjahr? Bei optimalen Bedingungen können beide Kriterien, Saatzeit und Saatmenge, weiter ausgereizt werden als bei schlechteren Verhältnissen.

Im Versuchsjahr 2011/2012 wurden die einzelnen Versuchsgruppen am 22. Oktober 2011 ausgesät. Aufgrund dieses späten Saattermins erreichte der Weizen nur mehr das 3- bis 4-Blatt-Stadium. Nach einem doch strengen Winter (Temperaturen ohne Schneedecke bis -20 °C) begann die Frühjahrsentwicklung bei noch dazu trockenen Verhältnissen sehr verhalten. Die Bestandesdichten erreichten nicht das gewünschte Niveau von 550 bis 600 Ähren. Obwohl die Bestockungsrate zum Teil sehr hoch war, erreichten die Dünnsaaten nicht die Anzahl der Triebe der Normalsaatmenge (320 Korn/m²). Auch eine aufgrund der trockenen Frühjahrsbedingungen vorgezogene Schossdüngung konnte diese Lücke nicht schließen. In der Folge erreichten die Dünnsaaten nicht die Ertragshöhe der Normalsaat. Es war aber festzustellen, dass die geringeren Erträge durch den umgekehrten Verdünnungseffekt höhere Rohproteinwerte nach sich zogen. Außerdem waren sehr starke Qualitätsunterschiede beim Hektolitergewicht der einzelnen Sorten feststellbar. So zeigten die Sorten Esket, Papageno, Chevalier, Lukullus und Philip sehr gute Hektolitergewichte, während die Sorten JB Asano und Henrik hier abfielen. Aber auch hinsichtlich Kornertrag waren zwischen den Sorten deutliche Unterschiede festzustellen. Die Sorte JB Asano kam mit geringeren Saatdichten im Vergleich zu Normalsaaten besser zurecht. Chevalier
benötigte doch eine höhere Bestandesdichte für hohe Erträge. Dennoch war der Ertrag bei den Dünnsaaten im Durchschnitt um 7 bis 11 % geringer.

Autor: Dipl.-HLFL-Ing. Franz KASTENHUBER, Agrarbildungszentrum Lambach

Nähere Informationen zum Saatstärkeversuch lesen Sie in der Ausgabe 19/2012 von Der fortschrittliche Landwirt.

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Aktualisiert am: 20.09.2012 10:24
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