Tipps zur Grünfütterung im Stall

Grünfutter ist bei optimaler Nutzung, Ernte und Zuteilung ein wertvolles Rinderfutter. Sebastian Ineichen von der BFH-HAFL- Zollikofen, Schweiz und Andreas Steinwidder vom Bio-Institut der HBLFA Raumberg-Gumpenstein haben zusammengefasst, worauf es ankommt.
Vor allem Wechselwiesen und leguminosenreiche Pflanzenbestände eignen sich gut zum Eingrasen. Foto: Danner
Vor allem Wechselwiesen und leguminosenreiche Pflanzenbestände eignen sich gut zum Eingrasen. Foto: Danner
Durch Grünfütterung kann die Grundfutterleistung erhöht und Kraftfutter gespart werden. Betriebe mit Grünfütterung liegen oft tiefer in den Futterkosten je kg Milch.

Junges Grünfutter erhöht Futteraufnahme

Wird das Grünfutter zwischen Schossen (ca. 10 cm Bestandeshöhe) und Beginn des Ähren-/Rispenschiebens (ca. 10 % der Ähren sichtbar) geerntet, liegen die Energiegehalte im Futter zwischen 6,0 und 6,5 MJ NEL. Der hohe Zucker- und Eiweißgehalt im Grünfutter erhöht die Grundfutteraufnahme. Es gilt größere Schwankungen in der Futterqualität zu vermeiden.

  • Zeitig im Frühjahr mit dem Eingrasen beginnen, um bereits den zweiten Aufwuchs staffeln zu können
  • Berücksichtigen, dass das Futter nicht auf allen Parzellen gleich schnell wächst (Ausnutzung von Exposition und Pflanzenbestand)
  • Gezielte Düngergaben zur Lenkung des Futterzuwachses
  • Bestände die das optimale Nutzungsstadium überschritten haben konsequent konservieren
  • Vegetationsstadium und Wuchshöhe der Bestände auf den unterschiedlichen Feldstücken regelmäßig kontrollieren
  • Möglichst ausgeglichene, nutzungselastische Bestände anlegen. Das sind Bestände die nach dem ersten Schnitt vegetativ weiterwachsen (mehr Blatt- als Halmmasse). Besonders nutzungselastisch sind Gras-Weißklee-Mischungen (z.B. ÖAG-Mischung KWEI). Ist viel italienisches Raigras oder Wiesenfuchsschwanz und Knaulgras im Bestand, muss besonders darauf geachtet werden, dass bis spätestens zum Beginn des Ähren-/Rispenschiebens eingegrast wird.

Der Schweizer Sebastian Ineichen forschte zum Thema Grünfütterung im Stall. Foto: privat
Der Schweizer Sebastian Ineichen forschte zum Thema Grünfütterung im Stall. Foto: privat
Futterverschmutzungen vermeiden

Ein hoher Rohaschegehalt führt zu tieferen Nährwerten, beeinträchtigt die Schmackhaftigkeit und damit den Verzehr und erhöht das Durchfallrisiko. Stellen Sie die Schnitthöhe auf 6 bis 8 cm ein. Stellen Sie auch die Pickup des Ladewagens eher hoch ein um ein Kratzen im Boden zu vermeiden. Versuchen Sie das Mähwerk bei nasser Witterung stärker zu entlasten und setzen Sie keine rotierenden Mähwerke ein. Achten Sie auf eine geschlossene Grasnarbe indem Sie Mäuse regulieren, Grasnarbenschäden vermeiden und korrigieren (Übersaaten).
  • Den Schnittzeitpunkt bezüglich Wetter abstimmen (möglichst trockenes Futter ernten)
  • Vernässte Parzellen möglichst bei trockener Witterung zu befahren
  • Reduzierung des Grünfutteranteils und mehr Ergänzungsfutter in Schlechtwetterperioden

Erwärmung vermeiden und häufig nachschieben

Wenn sich das Futter erwärmt, sinkt der Energiegehalt und es kann zu Verdauungsstörungen kommen. Das Futter ist sehr voluminös, es reicht daher eine einmalige Vorlage bei hohen Grünfutterrationsanteilen nicht aus.

  • Möglichst trockenes und sauberes Futter einführen
  • Futter nicht zu lange am Transportgerät oder in der Futtertenne liegen lassen und gleichmäßig abladen
  • kühler Lagerort und größere, kompakte Haufen am Futtertisch verteilen
  • Futter mehrmals nachschieben

Landwirte setzen auf Grünfutterkomponenten in der Ration, weil sie von den positiven gesundheitlichen Aspekten überzeugt sind. Foto: Taferner
Landwirte setzen auf Grünfutterkomponenten in der Ration, weil sie von den positiven gesundheitlichen Aspekten überzeugt sind. Foto: Taferner
Fütterungsempfehlungen

Im Vergleich zur Weide-Grünfutteraufnahme fressen Kühe im Stall Grünfutter oft hastiger und größere Mengen in kurzer Zeit. Grünfutter ist zuckerreich und etwas strukturärmer – daher muss die Kraftfutterergänzung sorgsam erfolgen. Wenn Rinder vor der Grünfütterung bereits einen Teil des Ergänzungs-Grundfutters wie Heu oder Silage erhalten, fressen sie ruhiger. Bei Laufställen ist jedenfalls auf ausreichende Fressplätze zu achten. Gutes Grünfutter hilft Kraftfutter sparen! Generell sollte bei hohen Grünfuttergaben das Kraftfutter vermehrt pansenschonende Komponenten wie Mais, Kleie oder Trockenschnitzel enthalten und pro Teilgabe nicht mehr als 1,5-2 kg gefüttert werden.
  • Eine häufige Futtervorlage ist günstig. Futterwechsel sind langsam umzusetzen.
  • Auf Grund des hohen Eiweißgehaltes im Grünfutter kann vor allem die teure Eiweißergänzung reduziert werden.
  • Auch bei hohen Milchleistungen darf der Kraftfuttereinsatz pro Tag – je nach Grünfutteranteil - 5 bis 7 kg nicht überschreiten.
  • In der Trockenstehzeit ist der Anteil von jungem Grünfutter zu beschränken.


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Ineichen, S., P. Hofstetter, B. Reidy, K. Wurm, W. Starz, M. Danner und A. Steinwidder (2018): ÖAG-Info 6/2018. Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Grünland und Viehwirtschaft (ÖAG) Irdning, 16 Seiten.

Aktualisiert am: 30.05.2018 12:19