Tierzuchtdirektor Vogelmayer im Interview

Seit Jahresbeginn 2008 ist Franz Vogelmayr neuer Tierzuchtdirektor der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Hier ein Auszug aus dem Interview im fortschrittlichen Landwirt Ausgabe 1.
Landwirt:
Herr Vogelmayr, als Tierzuchtdirektor fällt die Mitwirkung und Begutachtung von Gesetzes- und Verordnungsentwürfen in Ihre Kompetenz. Müssen Schweinehalter in den nächsten Jahren mit Gesetzesänderungen rechnen?

DI Franz Vogelmayer ist seit 1.1. neuer Tierzuchtdirektor der LK OÖ.
DI Franz Vogelmayer ist seit 1.1. neuer Tierzuchtdirektor der LK OÖ.


Vogelmayr:
Wir vertreten den Standpunkt, dass die Tierhaltungsverordnung eine Umsetzung der EU-Richtlinie sein soll. Mir ist nichts bekannt, dass auf EU Ebene die Schweinehaltungsrichtlinie überarbeitet werden sollte und damit erwarte ich auch in der nächsten Zeit keine Änderung der nationalen Gesetzeslage in diesem Punkt.

Landwirt:
Man hört aber, dass die Kastration der Ferkel zur Diskussion steht.

Vogelmayr:
In Österreich gibt es zumindest derzeit keine Diskussion betreffend der Kastration ohne Schmerzausschaltung in der ersten Lebenswoche. Sie wurde ja erst vor noch gar nicht allzu langer Zeit in der Tierhaltungsverordnung festgelegt und genehmigt. Es gibt aber zugegebener Maßen auf EU weiter Ebene Diskussionen in dieser Richtung, wobei der Diskussionsstand der jeweiligen Länder unterschiedlich ist. Ich höre, dass speziell in Holland, wo eine Tierschutzpartei im Parlament vertreten ist, sehr intensiv über Alternativen nachgedacht wird. In den anderen EU Ländern „köchelt“ diese Diskussion auf kleiner Flamme. Man hat nicht das Gefühl, dass hier unmittelbar etwas ansteht. Aber die Diskussion wird sicher nicht beendet sein, sondern in den nächsten Jahren weitergehen.

Landwirt:
Seit Sommer ist das neue Tiertransportgesetz in Kraft. Was hat sich für den Landwirt geändert?

Vogelmayr:
Beim Transport weiter als 65 km braucht der Landwirt einen Befähigungsnachweis, den er bis Jahresende 2007 aufgrund einer Übergangsregelung bei seiner Bezirksbauernkammer bekommen hat. Ab 1. Jänner gibt es dann diesen zeitlich unbefristeten Befähigungsnachweis nur mehr nach Absolvierung eines voraussichtlich vierstündigen Kurses mit Abschlussprüfung. Solche Kurse werden aller Voraussicht über das Ländliche Fortbildungsinstitut angeboten bzw. zukünftig in den Landwirtschaftsschulen vermittelt. Weiters braucht man auch eine Zulassung als Tiertransportunternehmer. Ausgestellt wird diese durch die Bezirkshauptmannschaft. Diese Zulassung ist aber nur auf 5 Jahre befristet.

Landwirt:
Die ersten 4 Jahre des TGD sind ausgelaufen: Wie viel Betriebe haben das notwendige Weiterbildungsniveau von 5 Stunden erreicht?

Vogelmayr:
Die Vorgabe lautet, dass innerhalb von 4 Jahren 5 Weiterbildungsstunden absolviert werden müssen. Wir haben in Oberösterreich rund 6.000 Betrieb, die 2003 dem Tiergesundheitsdienst beigetreten sind. Davon hat ca. ein Drittel Ihre Weiterbildungsverpflichtung bereits vor Ablauf der Frist erfüllt gehabt. Ein weiteres Drittel hat noch Weiterbildungsbedarf, der in den Veranstaltungen im Winterhalbjahr abgedeckt werden kann. Das letzte Drittel hat noch keine Fortbildungsstunden. Für dieses Drittel haben wir in den nächsten Wochen umfangreiche Weiterbildungskurse im Umfang von 5 Unterrichtseinheiten angeboten, damit auch diese Betriebe ihrer Verpflichtung nachkommen.

Landwirt:
Was passiert mit Betrieben, die der Weiterbildungsverpflichtung nicht nachkommen werden?

Vogelmayr:
Die gesetzliche Vorschrift bei versäumter Weiterbildungsverpflichtung ist, dass der Betrieb nicht mehr in die Anwendung von Medikamenten eingebunden werden darf, bis er seiner Fortbildungsverpflichtung nachgekommen ist.

Landwirt:
Auch in Österreich drücken verstärkt internationale Zuchtunternehmen in den Markt. Wie begegnet die organisierte Landeszucht dieser neuen Herausforderung?

Vogelmayr:
Grundsätzlich gilt, dass die Qualität der österreichischen Schweinezucht den Vergleich mit international tätigen Zuchtunternehmen nicht scheuen braucht. Das ist auch ein wesentlicher Grund dafür, dass es bislang großteils geschafft worden ist die nationale Nachfrage mit Tieren aus den Zuchtverbänden zu decken. Es hat zuletzt die eine oder andere Anfrage nach größeren Jungsauenpartien gegeben, weil Betriebe investiert oder expandiert haben. In solchen Fällen wird zu überlgen sein, ob bestimmte Formen der Kooperation notwendig sind, um auch solche Partiegrößen anbieten zu können.

Landwirt:
Danke für das Gespräch.


Aktualisiert am: 03.01.2008 08:03
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