Tierschutz: Wenn nationale Alleingänge einen Berufszweig zerstören …

Nach einer Missstandsfeststellung der Volksanwaltschaft steht eine Änderung der Österreichischen Tierhaltungsverordnung im Raum. Welche Auswirkungen nationale Alleingänge von EU-Staaten auf den jeweiligen Heimmarkt haben, zeigen einige Beispiele.
Die Erfahrung zeigt, dass nationale Alleingänge im Tierschutz in der Regel drastische Auswirkungen auf die Produktion haben.
Die Erfahrung zeigt, dass nationale Alleingänge im Tierschutz in der Regel drastische Auswirkungen auf die Produktion haben.
Schweden verfügt im Bereich der Schweinehaltung über sehr strenge Tierschutzauflagen. Seit dem Inkrafttreten des aktuellen Tierschutzgesetzes im Jahr 1988 sind Kastenstände völlig verboten, die Abferkelbuchten müssen mindestens 6 m² groß sein, der Platzbedarf für Endmastschweine liegt bei 0,94 m², wovon mindestens 0,7 m² planbefestigt sein müssen, und allen Schweinen ist Stroh als Beschäftigungsmaterial zu verabreichen. Diese Auflagen liegen weit über jenen der EU-Richtlinie und der meisten europäischen Mitgliedsländer. Die Folge sind höhere Produktionskosten, bedingt durch den größeren Platzbedarf, das niedrigere Leistungspotenzial dieser Haltungssysteme und den höheren Arbeitszeitbedarf. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union 1995 und der Öffnung des freien Warenverkehrs entwickelte sich die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der schwedischen Schweineproduktion zu einer radikalen Abwärtsspirale. Konnten Schwedens Schweinehalter im Jahr 1999 den Verbrauch von ca. 345.000 t Schweinefleisch decken, so fiel die Produktion in den folgenden elf Jahren auf 263.131 t. Bei einem Verbrauch von 345.345 t liegt der Selbstversorgungsgrad bei 76 %. Mehr als 120.000 t Schweinefleisch werden jährlich importiert. Hauptlieferant ist Dänemark, gefolgt von Deutschland. Eine Studie von Mattsson et al. kommt zu folgendem Schluss: „Trotz aller Bemühungen, die Anforderungen der Konsumenten durch das Tierschutzgesetz zu erfüllen, werden die Landwirte nicht für diese zusätzliche Arbeit bezahlt. Das schwedische Tierschutzgesetz schwächt die Konkurrenzfähigkeit der schwedischen Schweineproduzenten und führt zu steigenden Schweinefleischimporten.“

Die Briten setzten bereits 1991 ein Verbot der Einzelhaltung von Sauen im nationalen Tierschutzgesetz durch. Seit dem Auslaufen der Übergangsfrist 1999 werden alle Sauen nach dem Abspänen der Ferkel bis sieben Tage vor der Abferkelung
in Gruppen gehalten. Zusätzlich haben Schweinepest bzw. Maul- und Klauenseuche die Lage am Schweinemarkt negativ beeinflusst. Als Folge dieser Seuchenzüge wurde ein Qualitätssicherungssystem eingeführt, das unter anderem die Ferkelkastration verbietet. Etwa 40 % der Sauenherden werden im Freiland gehalten. Ferkelschutzkörbe in der Abferkelbucht sind jedoch erlaubt. Laut Inter Pig liegen die Produktionskosten in Großbritannien durchschnittlich um 6 % über dem EU-Schnitt. Heute werden in Großbritannien nur noch 400.000 Zuchtsauen gehalten. Im Jahr 1997 waren das noch 800.000. Dementsprechend ist auch der Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch auf der Insel von 83 % im Jahr 1998 auf nunmehr 49 % gesunken.

Hier geht's zum vollständigen Artikel aus der Ausgabe 11 vom "Der fortschrittliche Landwirt".


Aktualisiert am: 04.07.2011 16:44
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