Tierschutz: Keine Angst vor der Kontrolle

Wenn der Amtstierarzt kommt, steigt der Puls. Dabei kann man sich einfach auf eine Tierschutzkontrolle vorbereiten.
Unterkünfte und Stalleinrichtungen, mit denen die Tiere in Berührung kommen können, müssen für die Tiere ungefährlich sein und sich angemessen reinigen lassen.
Unterkünfte und Stalleinrichtungen, mit denen die Tiere in Berührung kommen können, müssen für die Tiere ungefährlich sein und sich angemessen reinigen lassen.
Die Ergebnisse der Tierschutzkontrollen des Oberösterreichischen Veterinärdienstes im Jahr 2008 zeigen eine relativ niedrige Beanstandungsrate. Das spricht für eine Vereinheitlichung der Haltungspraxis bei Schweinen und einen hohen Informationsgrad der Tierhalter. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass die meisten Schweinehalter in Produzentenvereinigungen zusammengeschlossen sind, die sich um die Weiterentwicklung ihrer Mitgliedsbetriebe intensiv bemühen.

Selbstevaluierung verringert Kontrollhäufigkeit
Besondere Bedeutung kommt der tierärztlichen Betreuung im Rahmen des Tiergesundheitsdienstes zu. Auf Basis dieses Vertrauensverhältnisses zwischen Tierarzt und Landwirt und der genauen Kenntnis der betrieblichen Situation können zielgerichtete Lösungsansätze auch bei Haltungsfragen gefunden werden. Als Unterstützung dazu werden seit 2006 die Checklisten und Handbücher zur Selbstevaluierung angeboten. Sie können dieses Handbuch unter www.landwirt.com/schweine/ downloaden. Führt ein Tierhalter einen Tierschutz-Selbstcheck durch und bespricht diesen mit seinem Betreuungstierarzt im Rahmen einer Betriebserhebung, wird dies am Deckblatt vermerkt und schließlich bei der Bemessung des spezifischen Risikos berücksichtigt, was sich wiederum in einer verringerten Kontrollhäufigkeit auswirkt. Hier ist auch positiv zu erwähnen, dass 2008 in Oberösterreich rund 95 % der Schweine in tiergesundheitsdienstlich betreuten Betrieben gehalten wurden.

Eingriffe
Alle Bestimmungen betreffend Eingriffe sind Cross Compliance-relevant. Die Eckzähne von Saugferkel dürfen zur Vermeidung von Gesäugeverletzungen im Bedarfsfall geschliffen werden. Die Beanstandung, dass durch den Eingriff mit einer Kneifzange keine glatte und intakte Oberfläche entsteht, zeigt, dass diese althergebrachte Methode auch 2008 noch angewendet wurde. Die meisten Tierhalter wissen jedoch, dass dadurch eine Eintrittspforte für Erreger wie etwa Streptokokken geschaffen wird und kürzen daher die Eckzähne ihrer Ferkel durch Abschleifen. Dieser Eingriff darf nicht routinemäßig erfolgen, sondern nur zur Vermeidung von weiteren Verletzungen am Gesäuge der Sauen dienen.
In Mastbeständen ist die Haltung von Schweinen mit kupierten Schwänzen nur erlaubt, wenn der Mastbetrieb buchtenweise Aufzeichnungen führt über Art und Menge des angebotenen Beschäftigungsmaterials und Art und Umfang des Auftretens von Schwanz- oder Ohrenbeißen. Es sollte nicht vergessen werden, dass nur diese Aufzeichnungen den Handel mit kupierten Ferkeln rechtfertigen und dass sie CC-relevant sind.

Fazit
Die Ergebnisse zeigen eine gute Situation im Hinblick auf die geltenden Mindeststandards bei einer überwiegenden Mehrzahl der Schweinehalter. In den vorhergehenden Jahren traten immer wieder Mängel wie nicht funktionierende Alarmanlagen- und Ersatzsysteme bei mechanischer Lüftung oder zu späte betäubungslose Ferkelkastration auf. Diese Mängel wurden im Jahr 2008 nicht festgestellt.
Die vom Tierschutzgesetz vorgesehene Übergangsfrist für die Haltung von Sauen in Einzelständen wird aber am 1.1.2013 enden. Ab dann sind Sauen und Jungsauen für einen Zeitraum, der vier Wochen nach dem Decken beginnt und eine Woche vor dem voraussichtlichen Abferkeltermin endet, in Gruppen zu halten.
Dies bedeutet in vielen größeren Betrieben einen entsprechenden baulichen Anpassungsbedarf, der schon jetzt erkannt und in der Planung berücksichtigt werden sollte.

Autor: Dr. Heinz GRAMMER, Amtstierarzt beim Amt der O.Ö. Landesregierung, Linz


Aktualisiert am: 21.10.2009 14:49
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