Tierschutz: Ferkelkastration in Deutschland nur mehr mit Schmerzmittel

Ab 1. April 09 soll kein Ferkel mehr ohne Schmerzmittel kastriert werden - sagte ein Sprecher des Deutschen Bauernverbands (DBV) am Freitag auf der Grünen Woche in Berlin.
Die Vorgabe gelte für alle Betriebe, deren Fleisch mit einem Zertifikat des Prüfsystems QS arbeiten. Sie produzieren den Angaben zufolge 90 Prozent des Schweinefleisches in Deutschland. Um das Entstehen des strengen Ebergeruchs zu verhindern, werden bislang in Deutschland mehr als 22 Millionen männliche Ferkel pro Jahr kastriert. Der Bauernverband will das Kastrieren langfristig abschaffen. Doch bis dahin ist es ein langer Weg: Veterinäre, Tierschützer und Bauern setzen dabei auf so unterschiedliche Disziplinen wie Molekularbiologe und Elektrotechnik.

Vier Möglichkeiten, die Kastration erträglicher zu machen, werden diskutiert - und keine ist laut Hans-Joachim Götz, Präsident des Bundesverbands Praktizierender, ideal:

  • Betäubung mit Isofluran. Die Wirksamkeit als Schmerzmittel sei aber umstritten. Die Gesundheit des Bauern könne leiden.
  • Betäubung mit Kohlendioxid (wie in den Niederlanden bereits praktiziert). Manche Ferkel überlebten diese Betäubung nicht.
  • Impfen: Per Spritze wird die Hodenaktivität gehemmt. Verbraucher könnten dies aus Angst vor Rückständen jedoch ablehnen.
  • Eber werden einige Monate früher geschlachtet - bevor der Geruch entsteht. Das rechnet sich aber für die Bauern nicht.


Zumindest für kleinere Betriebe fordert der Deutsche Tierschutzbund Isofluran und zusätzlich ein Schmerzmittel - im Neuland-Verband arbeiten Bauern bereits so.

Langfristig soll Kastration wegfallen

Langfristig soll die Kastration wegfallen - darin sind sich alle Seiten einig. Ein Weg wäre laut Götz die "elektronische Nase". Mit Hilfe solcher Sensoren könnten Schlachtbetriebe Fleisch mit Ebergeruch aussortieren, denn nicht jeder Eber stinkt. Erste "elektronische Nasen" gibt es bereits, Modelle für Schlachthöfe hat die Forschung aber noch nicht hervorgebracht, wie Götz sagt.

Technik des Sperma-Sexing im Moment noch nicht wirtschaftlich

Einen anderen Ausweg sieht er im "Sexing", das es für Rinder bereits gibt. Mit der Methode werden vor der künstlichen Befruchtung der Sau die männlichen Samen aus dem Sperma aussortiert. Die Eberzahl ließe sich steuern, der schmerzhafte Schnitt im Ferkelstall wäre Geschichte. (dpa)


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Aktualisiert am: 25.01.2009 10:32
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