Thünen-Institut rät von einer Milchquote durch die Hintertür ab

Die EU-Milchquoten durch ein Bonus-Malus-System für den Krisenfall zu ersetzen, ist aus Sicht des deutschen Thünen-Instituts keine gute Idee. Dies sei für die Milcherzeuger eine komplizierte und wenig hilfreiche Reglementierung.
Eine Stützung des Preisniveaus führt laut Thünen-Institut bei offenen Grenzen zu vermehrten Importen aus Drittländern.
Eine Stützung des Preisniveaus führt laut Thünen-Institut bei offenen Grenzen zu vermehrten Importen aus Drittländern.
Wie Dr. Sascha A. Weber vom Fachinstitut für Marktanalyse in Brüssel darlegte, bleiben bei dem Konzept des französischen EU-Europaabgeordneten Michel Dantin viele Fragen offen. Dieser hatte vorgeschlagen, Milcherzeuger im Krisenfall für eine Produktionsverringerung von wenigstens 5 % finanziell zu belohnen, für eine Ausdehnung von 5 % oder mehr hingegen zu bestrafen. Weber stellte auf einer Informationsveranstaltung des Deutschen Bauernverbands (DBV) klar, dass dieser Plan den Charakter einer neuen Milchquote aufweise, einen hohen Verwaltungsaufwand verursache und das EU-Budget für die Krisenbewältigung stark belasten würde. Der DBV-Vizepräsident Udo Folgart nahm die Veranstaltung zum Anlass, die Ablehnung der Maßnahme zu bekräftigen. Eine Rückkehr zur staatlichen Marktverwaltung bei Milch dürfe es nicht geben. Das diskutierte System sei als Kriseninstrument völlig ungeeignet „Durch diesen Vorschlag droht den Milcherzeugern eine komplizierte, wenig hilfreiche Reglementierung“, betonte Folgart.


Offene Grenzen erhöhen Preisdruck
Weber argumentierte, die Maßnahme sei vor allem für sogenannte Grenzerzeuger interessant, die weniger effizient wirtschafteten als Berufskollegen in vergleichbaren Betrieben. Ferner könne sich die Teilnahme für Landwirte mit geringen Fixkosten lohnen, beispielsweise im Falle einer unklaren Hofnachfolge, eines Ausscheidens aus der Milchproduktion oder angesichts kürzlich getätigter Investitionen. Insgesamt seien Mitnahmeeffekte wahrscheinlich. Ferner bestehe über die Höhe einer eventuellen Ausgleichszahlung keine Klarheit. Die Fixkosten seien über die EU hinweg sehr unterschiedlich verteilt. Ein einzelner Beihilfesatz werde nicht allen gerecht. Darüber hinaus müsse eine gewisse Mindestmenge - Weber schätzt wenigstens 2 % - vom Markt genommen werden, um einen Preiseffekt zu erreichen. Damit aber werde das Krisenbudget schnell ausgeschöpft. Außerdem führe die Stützung des Preisniveaus bei offenen Grenzen zu vermehrten Importen aus Drittländern. Dadurch werde der Preisdruck am EU-Milchmarkt weiter erhöht. AgE

Aktualisiert am: 15.03.2013 13:36
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