Teuerung trifft auch Bauern - Erdöl treibt Preise

Einmal mehr wehren sich die heimischen Bauern dagegen, dass ihnen die Schuld an den steigenden Lebensmittelpreisen in die Schuhe geschoben wird. Es wird übersehen, dass die Inflation die Bauern ebenso trifft wie die übrige Bevölkerung.
Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich und Josef Christl, Österreichische Nationalbank
Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich und Josef Christl, Österreichische Nationalbank
"Nicht die bäuerlichen Erzeugnisse, sondern der förmlich explodierende Erdölpreis treibt die Inflation an. So stieg der Rohölpreis von Jänner 2005 bis März 2008 von 39 auf rund 104 Dollar je Barrel an und ein Ende des Aufwärtskurses ist nicht in Sicht. Insgesamt kletterten die Energiepreise im Jahresvergleich um 13,8 Prozent in die Höhe, Diesel verteuerte sich gar um 30, Normalbenzin um 25 und Super-Benzin um mehr als 22 Prozent. Diese Teuerungen schlagen sich natürlich im Preis der Lebensmittel nieder. Erdöl und Energie stecken nämlich in jedem Arbeitsschritt in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Dabei gilt, je höher ein Lebensmittel verarbeitet ist, umso mehr Energie wird dafür benötigt. Da der Rohstoffanteil bei verarbeiteten Lebensmitteln nur noch einen Bruchteil ausmacht, sind Preissteigerungen die Folge unaufhörlich kletternder Energiekosten, die andere Kosten, wie Betriebsmittel, Transportkosten und Löhne mit nach oben ziehen. Bei manchen Lebensmitteln ist darüber hinaus die Preissteigerung jedenfalls nicht durch die höheren Rohstoffkosten erklärbar, wie eine Untersuchung der Europäischen Kommission kürzlich bestätigte“, so Gerhard Wlodkowski, Präsident der österreichischen LK.

Bauern kaufen teuer ein
„Auch das, was die Bauern zum Wirtschaften brauchen, ist spürbar teurer geworden und frisst einen Gutteil der Agrarpreissteigerungen wieder auf. So stiegen zwischen Jänner 2007 und Jänner 2008 die Kosten für Handelsdünger um rund 25 Prozent, jene für Futtermittel gar um 52 Prozent, die Kosten für die Tierhaltung erhöhten sich um 21 Prozent und selbst Saatgut wurde um mehr als 7 Prozent teurer“, erklärte Wlodkowski und verwies auf die Tatsache, dass nicht alle Sparten der Landwirtschaft gleichermaßen von den Preissteigerungen profitierten.

Niedrigstpreise sind keine Lösung
„Wir brauchen keine populistisch geführte Inflations-Diskussion, an deren Ende wiederum die Bauern als Verlierer übrigbleiben. Niedrigstpreise sind keine Lösung, weder international, noch in Europa. Tiefstpreise, welche die Folge internationaler Abkommen, wie WTO sind, führten in der Dritten Welt zur Landflucht und letztlich zu Hungersnöten, während höhere Preise dort Produktionsanreize bieten. Zusammen mit der Bekämpfung von korrupten politischen Systemen, von Bürgerkriegen und mit einem verbesserten Zugang zu Boden, Kapital und Bildung bewirken steigende Agrarpreise, dass sich die Agrarproduktion wieder lohnt. Bauern können in Landmaschinen, Pflanzenschutzmittel oder Dünger investieren und so die dringend benötigten Nahrungsmittel erzeugen. Die Chancen sind gut, denn weltweit liegt laut FAO mehr als eine Milliarde Hektar Ackerland brach und könnte sofort in Produktion genommen


Aktualisiert am: 26.05.2008 15:37
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