Tag der Milchviehzucht in Wels

Traditionell findet im zweijährigen Abstand der Tag der Milchviehzucht in Wels (OÖ) statt. Dieser wird in Kooperation zwischen dem Rinderzuchtverband Oberösterreich und der ARGE Holstein Austria veranstaltet. Thema der heurigen Tagung war die Effizienzsteigerung in der Milchviehhaltung.
Tierarzt Dr. Walter Peinhopf nahm beim Tag der Milchviehzucht u.a. Stellung zur Frage, ob die „moderne Hochleistungskuh“ noch gesund sein kann.
Tierarzt Dr. Walter Peinhopf nahm beim Tag der Milchviehzucht u.a. Stellung zur Frage, ob die „moderne Hochleistungskuh“ noch gesund sein kann.
„Effizienzsteigerung in der Milchviehhaltung“ – das war aus gegebenem Anlass das diesjährige Thema des Tages der Milchviehzucht Anfang Oktober in Wels. Mit den drei Referenten ZAR-Obmann Anton Wagner aus Niederösterreich, Tierarzt Dr. Walter Peinhopf aus der Südsteiermark und dem bekannten deutschen Holsteinzüchter Markus Mock konnten drei fachkundige Experten für die Tagung, welche im Rahmen der Bildungsoffensive Rinderzucht veranstaltet wurde, engagiert werden. Rund 300 Teilnehmer nutzten diese einmalige Gelegenheit, Zukunftsstrategien zur Effizienzsteigerung in der Milchviehhaltung zu erhalten.

Rinderzucht Austria: Motor der österreichischen Agrarwirtschaft
In seinen Ausführungen strich ZAR-Obmann Anton Wagner die Wichtigkeit der österreichischen Rinderwirtschaft für Österreich hervor. Milch, Fleisch und Zuchtvieh machen über 30 % der agrarischen Wertschöpfung aus. Der ZAR, als Dachorganisation der österreichischen Rinderzüchter, steht hier eine zentrale Rolle in der Vertretung der Interessen der österreichischen Rinderzucht zu. So hat die ZAR in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte, wie Rinderdatenverbund, Gesundheitsmonitoring Rind und die Bildungsoffensive Rinderzucht, gestartet. Derzeit läuft ein Forschungsprojekt zur Effizienzsteigerung in der Milchviehzucht.

Kann die „moderne Hochleistungskuh“ noch gesund sein?
Diese Frage wurde dem praktischen Tierarzt Dr. Walter Peinhopf im Rahmen der Tagung gestellt. Schon in seiner ersten Wortmeldung stellte er klar, dass die moderne Hochleistungskuh gesund ist. Selbstverständlich müssen dazu Management, Haltung und Fütterung passen und ein breites Fachwissen in der Tierbetreuung ist unabdingbar. Damit eine Hochleistungskuh gesund sein kann, muss alles daran gesetzt werden, um mögliche Erkrankungen durch entsprechende Vorbeugungsmaßnahmen zu vermindern. Sowohl in den Bereichen Eutergesundheit und Zellzahl, wie auch im Bereich Klauenerkrankungen lassen sich Herden finden, die bei schlechter Führung enorme Probleme haben, während bei optimalem Management nur wenige Tiere erkranken. Dennoch sind gerade im Bereich der Nutzungsdauer Exterieurmerkmale von großer Bedeutung.

Top-Exterieur bringt Leistung und Nutzungsdauer
Auch für den bekannten deutschen Holsteinzüchter Markus Mock stellen eine hohe Milchleistung und eine lange Nutzungsdauer mit gutem Exterieur keinen Widerspruch dar. Aus seiner Sicht – der eines Praktikers – stehen fünf Eckpfeiler als Basis für eine erfolgreiche Milchviehproduktion. Neben einer hohen Milchleistung und Nutzungsdauer sind eine hohe Grundfutterleistung, günstige Bauten und Erweiterungsschritte und die Effektivität (Wirkungsgrad) der eigenen Arbeit und der Familie ausschlaggebend. Mock betreibt mit seiner Frau Kerstin und seinen Eltern einen Holsteinzuchtbetrieb mit 130 Milchkühen und insgesamt 360 Rindern. Schwerpunkt des Betriebes sind die Milchproduktion und die Zuchtviehvermarktung. Die rasante Leistungssteigerung wurde in erster Linie durch die intensive zuchttechnische Selektion, sowie die Verbesserung der Modernisierung der Produktionstechniken in der Praxis erreicht. Durch die vor allem in den 90iger Jahren einseitig ausgerichtete Zuchtselektion auf Milchleistung ging die Lebensleistung zurück. Im Grunde gibt es zwischen diesen beiden Merkmalen eine negative Korrelation. Seit einigen Jahren wird in fast allen Zuchtprogrammen dieser Entwicklung Rechnung getragen, indem die sog. sekundären Merkmale (Fruchtbarkeit, Rastzeit, Fitness, Konstitution,…) und vor allem die Nutzungsdauer stärker berücksichtigt werden.

„Ohne Genomischen Zuchtwert keine Stierselektion mehr möglich!“
Im Nachmittagsprogramm präsentierten die drei Geschäftsführer Ing. Hannes Tanzler, Dipl.-Ing. Reinhard Winkler und Ing. Hans Terler der österreichischen Arbeitsgemeinschaften von Fleckvieh, Braunvieh und Holstein die Zuchtprogramme der Rassen. Hier wird es einen großen Umbruch geben durch die genomische Selektion. Mit der genomischen Codierung werden die Eigenschaften eines Tieres mittels DNA-Untersuchung festgestellt. Dadurch erhält man züchterische Informationen schneller und genauer. Große Hoffnung wird vor allem darin gesetzt, dass die sog. niedrig vererbbaren Eigenschaften wie Fruchtbarkeit, Langlebigkeit, usw. wesentlich durch die genomische Selektion verbessert werden können. So ist mittlerweile ein wahrer Wettbewerb in der Forschung zur genomischen Selektion entstanden.


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Aktualisiert am: 04.11.2009 14:54
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