Strukturanalyse: Nach diesen Strategien handeln Österreichs Bauern

In einer groß angelegten Befragungsstudie der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft wurden Ziele, Strategien sowie Einschätzungen zur Agrarpolitik von Bauern und Bäuerinnen in Österreich analysiert. Die Befragung erkundete Einschätzungen und Meinungen von 505 Milchviehhaltern, 305 Mutterkuhhaltern und 304 Marktfruchtbauern. Die wichtigsten Ergebnisse, getrennt für diese drei Betriebsformen, fasst die Sonderbeilage im Folgenden zusammen.
Der durchschnittliche Milchviehbetrieb in der Stichprobe bewirtschaftete rund 20 ha LF, hielt knapp 15 Milchkühe und verfügte über eine A-Milchquote von knapp 68 t.
Der durchschnittliche Milchviehbetrieb in der Stichprobe bewirtschaftete rund 20 ha LF, hielt knapp 15 Milchkühe und verfügte über eine A-Milchquote von knapp 68 t.
Die Bauern und Bäuerinnen in Österreich wollen vor allem ihre Betriebe erhalten und weiterführen und zudem die Lebensqualität verbessern. Es dominiert der Wunsch nach Konstanz und Stabilität, auch bei den politischen Rahmenbedingungen. Der überwiegende Anteil der österreichischen Bauern möchte die Milchquotenregelung nach 2015 beibehalten. Außerdem belegt die Studie, dass neben wirtschaftlichen Gründen auch Motive wie Tradition und Freude an der Arbeit eine wesentliche Motivation für die landwirtschaftliche Tätigkeit sind; insbesondere in Mutterkuh- und Marktfruchtbetrieben. Für eine längerfristige Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebs braucht es somit nach Ansicht der Befragten beides: Lebensqualität und wirtschaftlichen Erfolg.

Wachstum!
Allerdings wollen 20 % bis 30 % der Betriebsleiter betrieblich wachsen und die Produktion markant ausdehnen. Insbesondere größere Betriebe setzen auf die Wachstumsstrategie. Beispielsweise beabsichtigen Milchviehhalter in den nächsten fünf Jahren die Molkereianlieferung im Schnitt um 34 Tonnen und die Marktfruchtbauern die bewirtschaftete Ackerfläche im Schnitt um 45 ha auszudehnen. Wie die Vergangenheit zeigt, werden die Einschätzungen im Vorfeld von der späteren Wirklich oft übertroffen. Zudem planen viele dieser Betriebe umfangreiche Verbesserungen in der Produktionstechnik, wie die Steigerung der Grund- und Milchleistung (Milchviehbetriebe) oder die Steigerung der Erträge im Ackerbau bzw. die Senkung der Produktionskosten (Maschinenkooperationen, weniger Pflugeinsatz, größere Feldschläge). Weniger Maßnahmen in diese Richtung planen die Mutterkuhhalter, die zum Großteil ihre Betriebe im Nebenerwerb führen. Bauern mit Wachstumsabsicht sind jünger, zeichnen sich unter anderem durch eine höhere landwirtschaftliche Ausbildung aus und führen häufiger betriebswirtschaftliche Aufzeichnungen durch.

Anpassungen nötig
Der überwiegende Anteil der Milchvieh- und Mutterkuhbetriebe verfügt über kein Laufstallsystem und nicht in jedem dieser Betriebe wird eine Weide- oder Almwirtschaft betrieben. Dieser Umstand betrifft insbesondere kleinere Betriebe. Anpassungen auf Grund des bundesweiten Tierschutzgesetzes sind hier absehbar, wollen diese Betriebe nach einer Übergangszeit bis 2010 bzw. 2012 weiterhin Rinder halten. Der Großteil der Investitionen von Rinder haltenden Betrieben soll laut Befragung in den kommenden Jahren für Stall(um)bau inklusive Düngerlagerung verwendet werden. Damit könnte eventuell ein Teil der notwendigen Anpassungen abgedeckt werden. Andererseits besteht auch Nachholbedarf bei betriebswirtschaftlichen Aufzeichnungen. Ein großer Anteil der heimischen Bauern und Bäuerinnen verfügt nicht über gesamtbetriebliche Aufzeichnungen und kann somit für betriebliche Entscheidungen nur eingeschränkt auf betriebsindividuelle Daten zurückgreifen.

Autor: Dr. Leopold KIRNER, Bundesanstalt für Agrarwirtschaft


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Aktualisiert am: 25.10.2007 16:52
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