Stickstoffdüngung zu Getreide: Eine Sache der Ertragserwartung

Im Unterschied zu anderen Ackerkulturen muss die Stickstoffdüngung zu Getreide weit mehr dem entwicklungsspezifischen Entzug angepasst werden. Generell gilt: Zu früh gedüngt ist besser als zu hoch und zu spät.
Vom zeitlichen Rahmen wird die erste Stickstoffdüngung so früh wie wasserrechtlich erlaubt durchgeführt.
Vom zeitlichen Rahmen wird die erste Stickstoffdüngung so früh wie wasserrechtlich erlaubt durchgeführt.
Setzt man die Düngung zu Vegetationsbeginn im Februar oder März zu hoch an, kann es schnell passieren, dass die Ertragsbildung, bedingt durch die Bestockungsfähigkeit des Getreides, in die falsche Richtung geführt wird. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass damit das Ertragspotenzial nicht ausgeschöpft werden kann. Die Ertragsstruktur von hoch angedüngten Beständen würde aber in hohe Ährenzahlen/m², niedrige Tausendkorngewichte (TKG) und eventuell auch niedrige Kornzahlen je Ähre führen. Eine Halmverkürzung, mit Sicherheit auch zwei Kürzungsmaßnahmen, wäre unumgänglich und dieser Ertragsaufbau hätte einen höheren Wasserverbrauch zur Folge. In diesem Dilemma befinden sich Veredelungsbetriebe mit schlechter Lagerraumausstattung für Wirtschaftsdünger alle Jahre. Zu groß ist die Freude, wenn Gülle bereits ab dem 1. Februar (nur bei Wintergerste und Winterraps zulässig) bei übervollen Gruben ausgebracht werden kann.

So früh wie möglich
Wintergetreide benötigt zu Vegetationsbeginn je nach Entwicklung zwischen 30 bis 70 kg Stickstoff (N) je Hektar. Gering ist der Bedarf bei guter Vorwinterentwicklung von beispielsweise mehr als drei bis vier Trieben (9 bis 12 Blätter) je Pflanze. Entsprechend hoch ist der Bedarf bei schlechter Entwicklung, wo die Pflanze nur ein bis drei Blätter aufweist.
Mit bester Gülletechnik sind diese niedrigen Stickstoffmengen entweder nicht verteilbar oder, aus Lagergründen, so niedrig gar nicht gewollt. Wer also in dieser Zwickmühle steckt, sollte die Sache nicht noch bei der Saat verschlimmern, indem er mit hohen Saatstärken die Bestände noch mastiger hochfährt, sondern diese reduzieren. Diesen Betrieben wird dringend eine zweimalige Halmverkürzung empfohlen, wobei bei Weizen die erste Ende Bestockung bis Anfang Schossen (EC oder ES 29 bis 32) und bei Gerste zwischen Ein- und Zweiknotenstadium (EC 31 bis 32) fällig wäre. Die zweite Kürzung wird zum Abschluss des Schossens (EC 37 bis 49) durchgeführt.

Fazit
Die Düngung zu Vegetationsbeginn darf auf keinen Fall überzogen werden, weil damit dem Lager Vorschub geleistet wird. Früh gedüngt ist besser als hoch und spät. Außerdem werden zu hoch angedüngte Bestände in der Qualität deutlich schlechter. Wie bereits Versuche vom Versuchsgut Roggenstein (Bayern) belegen, können auch hohe Qualitätsdüngungen die TKG von zu dichten Beständen nicht mehr heben. Die Schossergabe muss entsprechend der Dichte zeitlich angepasst werden. Die Triebspitzenkontrolle gibt diesbezüglich wertvolle Hinweise. Güllebetriebe sollten mit Düngefenstern arbeiten. Abschließend sei auch noch darauf hingewiesen, dass die Stickstoffdüngerhöchstgrenzen der sachgerechten Düngung, entsprechend der Ertragsklasse und der Zu- und Abschläge, nicht überschritten werden dürfen.

Autor: Dr. Karl MAYER, LK Steiermark


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Aktualisiert am: 20.01.2010 16:56
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