Steyr: Die Sonne im Tank

Kürzlich stellte Steyr einen Prototyp eines mit Erdgas bzw. Biogas betriebenen Traktors, erstmals der breiten Öffentlichkeit vor. Dieser wurde gemeinsam mit der Firma LuPower aus St. Andrä entwickelt.
Bei der ersten Betrachtung fallen sofort die fünf großen Gasflaschen über der Kabine des Traktors auf.
Bei der ersten Betrachtung fallen sofort die fünf großen Gasflaschen über der Kabine des Traktors auf.
Die nachrüstbare Technik wurde auf einem Steyr CVT 6195 aufgebaut. Damit wird es möglich, den Traktor nicht mehr nur mit Diesel, sondern auch im Mischbetrieb mit Erd- oder Biogas zu betreiben.

Bivalenter Antrieb
Der Biogas-Traktor wird im bivalenten Betrieb gefahren. Das bedeutet, dass Dieselkraftstoff weiterhin als Zündmittel genutzt wird. Je nachdem, welche Leistung man dem Motor abverlangt, wird mehr oder weniger Gas beigemischt. Konkret: Im mittleren Drehzahlbereich lässt sich der Dieselanteil stark reduzieren. Im oberen Drehzahlbereich, wo eine stärkere Temperaturentwicklung stattfindet, wird mehr Diesel eingespritzt, um eine ausreichende Schmierung und Kühlung des Aggregats zu gewährleisten. Ein Steuergerät regelt die beigemischte Gasmenge abhängig von den drei im Motorraum herrschenden Parametern Druck, Temperatur und Klopfverhalten, die ständig über Sensoren überwacht werden. Einziges sichtbares Bedienelement in der Kabine ist ein Kippschalter links unter dem Lenkrad, mit dem der Fahrer die Beimischung von Gas zu- oder abschalten kann.
Da am Motor keine Änderungen vorgenommen wurden, lässt er sich weiterhin auch ausschließlich mit Dieselkraftstoff betreiben, wenn z.B. der Gasvorrat während der Feldarbeit zur Neige geht. Das erhöht die Einsatzsicherheit.

Zentrale Beimischung
Das Erd- oder Biogas wird über ein zentrales Einblasventil der Ansaugluft vor dem Turbolader beigemischt. Der Turbolader vermischt das brennbare Gas intensiv mit der Ansaugluft, noch bevor Dieselkraftstoff dazu kommt. Mit diesem Beimischungssystem lässt sich eine saubere Verbrennung im Motor realisieren, was wiederum den Ausstoß an CO2 und Feinstaubpartikeln vermindert. Lediglich die NOx-Fraktionen bereiten noch Probleme. Die aktuellen und künftigen Abgasnormen lassen sich mit dem System laut Steyr aber problemlos einhalten.

Serienreife
Steyr geht davon aus, dass das System frühestens ab dem dritten Quartal 2009 die Serienreife erreichen wird. Vorher muss das Fahrzeug seine Haltbarkeit in verschiedenen Tests auf dem Motorprüfstand und der Rüttelstrecke unter Beweis stellen.
Die aktuelle Variante ist auf die Technik der Baureihe CVT abgestimmt. Man zieht aber in Betracht, die Technologie auch für andere Baureihen ab Werk oder als Nachrüstsatz anzubieten. Steyr schätzt das Potential für den österreichischen Markt mit zunächst 10 Fahrzeugen pro Jahr ein, allerdings mit stark steigender Tendenz.

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Autor: Dipl.-Ing (FH) Christian LEITNER, Bad Reichenhall


Aktualisiert am: 24.04.2009 10:06
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