Steirisches Kürbiskernöl aus China?

Eine hochkarätige Expertenrunde diskutierte am 16. September 2010 im steirischen Lannach über die Zukunft des „grünen Goldes“ der Steiermark.
„Die rechtliche Wahrheit ist keine Konsumentenwahrheit”, so die bekannte Wiener Motivforscherin, Dr. Sophie Karmasin.
„Die rechtliche Wahrheit ist keine Konsumentenwahrheit”, so die bekannte Wiener Motivforscherin, Dr. Sophie Karmasin.
Seit 2007 steigt der weltweite Bedarf an Kürbiskernöl jedes Jahr um durchschnittlich 20 Prozent. Das „grüne Gold der Steiermark“ hat sich mittlerweile auch am deutschen Markt stark etabliert. Der Vergleich des Verbrauchs pro Kopf mit Österreich deckt ein Potenzial von 6,4 Mio. Litern jährlich für den deutschen Markt auf, was einem zusätzlichen Anbauflächenbedarf von 37.500 Hektar entspricht.

Marktmacht China
China hat den Rest der Welt in Bezug auf die Größe der Anbauflächen für Kürbiskerne längst überholt. Im Vergleichsjahr 2010 wurden in der Steiermark auf 15.458 Hektar, in Rest-Österreich auf 11.082 Hektar Kürbis angebaut. Weltweit werden rund 600.000 Hektar bebaut, wobei allein auf China 500.000 Hektar Anbaufläche entfallen.

Die g.g.A.-Gebiete sind zu klein
Nur das Steirische Kürbiskernöl, dessen Kerne aus besagten Gebieten stammen, und dessen Pressung nur in der Steiermark vorgenommen wird, darf das von der EU geschützte Siegel „g.g.A.“ (geschützte geografische Angabe) tragen. Verwirrend ist, dass diese Gebiete nicht nur in der Steiermark, sondern auch im Burgenland und in Teilen Niederösterreichs liegen. Andererseits gibt es in der Steiermark wiederum Anbaugebiete, die keine Kerne für das dieses Kernöl liefern dürfen, weil sie außerhalb der vorgeschriebenen Grenzen liegen.

Konsument verlangt klare Herkunftsbezeichnung
Laut Motivforschung macht der Konsument keinen Unterschied zwischen Rohstoffherkunft und Verarbeitungsregion. Wenn auf den Flaschen „Steirisches Kürbiskernöl“ draufsteht, nimmt der Konsument an, dass sowohl die Herstellung als auch der Anbau der Kürbisse in der Steiermark stattfinden. Deshalb schlägt Dr. Sophie Karmasin vom Motivforschungsinstitut Karmasin eine Dreiteilung als transparentes System für die Herstellung und Vermarktung von Kürbiskernöl vor:
1. (Echt) Steirisches Kürbiskernöl – gesamte Wertschöpfungskette in der Steiermark
2. (Echt) österreichisches Kürbiskernöl – Anbau und Verarbeitung NUR in Österreich, nicht in der Steiermark
3. Kürbiskernöl: Anbau und Verarbeitung nicht zu 100 % in Österreich, sondern auch in Rest-Europa und China

Vorsprung muss Vorsprung bleiben
Das Steirische Kürbiskernöl muss über seine Qualität definiert werden, diese Qualität muss aber gesichert und gleichzeitig für den Konsumenten greifbar. Der allgemeine Tenor für die österreichischen Kürbiskernölhersteller soll daher lauten: Nicht kopieren lassen und selbst die Initiative ergreifen!


Autor:
Aktualisiert am: 17.09.2010 13:21
Landwirt.com Händler Landwirt.com User