Steiermark: Neues Baugesetz für Bauern unfinanzierbar

Die Auswirkungen des derzeit geplanten Baugesetzes sind katastrophal, wie aktuelle Berechnungen der Landwirtschaftskammer belegen: Kleine und mittlere Bauernhöfe sowie 13.500 Arbeitsplätze in Fleischereien, Schlachthöfen und Futtermittelwirtschaft akut bedroht.
Wlodkowski zitiert anlässlich eines Pressegesprächs Berechnungen der Landwirtschaftskammer: „Das geplante Baugesetz zwingt kleine und
LK-Präsident Wlodkowski diskutierte mit Vertretern der Vermarktung über das neue Baugesetz.
LK-Präsident Wlodkowski diskutierte mit Vertretern der Vermarktung über das neue Baugesetz.
mittlere Tier haltende Bauernhöfe zum Zusperren. Akut in Gefahr sind zusätzlich 13.500 Arbeitsplätze im Viehhandel, in den Fleischereien, den Schlachthöfen und der Futtermittelwirtschaft“.

Einbruch der Veredelung befürchtet

Die Schweine- und Geflügelhaltung werde durch das schikanöse Baugesetz einen massiven Einbruch erleiden: „Mittelfristig werden in der Steiermark um rund 700.000 weniger Schweine (minus 60 Prozent) und 1,3 Millionen (minus 61 Prozent) weniger Masthühner sowie eine Million weniger Legehennen (minus 54 Prozent) gehalten. Damit schrumpft die Wertschöpfung beider Agrarsparten auf 105 Millionen Euro (minus 60 Prozent), derzeit liegt sie bei rund 260 Millionen Euro. Darüber hinaus verliert die regionale Wirtschaft durch fehlende Investitionen aus der Landwirtschaft rund 375 Millionen Euro“, so Wlodkowski.

Mehr Importe

„Weil die steirische Landwirtschaft den Bedarf folglich nicht mehr decken kann, müssen jährlich 700.000 Schweine, 9,66 Millionen Kilo Geflügelfleisch und 250 Millionen Käfigeier künftig aus Agrarindustrien Polens, Dänemarks, den Niederlanden und Osteuropas importiert werden“, schildert Wlodkowski.

Biofilter nicht finanzierbar

Die geforderten Biofilter sind nicht finanzierbar“, betont der Landwirtschaftskammer-Präsident. Josef Polz, der Obmann der Schweinevermarktungsgemeinschaft Styriabrid bringt es auf den Punkt: „Für einen kleinen Bauernhof mit 80 Schweinen (Geruchszahl 10) kostet eine Biofilteranlage rund 63.000 Euro. Um alleine die Anschaffungskosten zu finanzieren, muss ein Bauer 15 Jahre ohne Arbeitslohn Schweine halten. Selbst für Großbetriebe ab 5000 Mastplätze – solche gibt es in der Steiermark nicht – sind Biofilteranlagen nicht finanzierbar. Für besonders tierfreundliche Haltungsformen – wie Freilandhaltung von Geflügel, Bioschweinen oder Laufställen – sind Biofilteranlagen nicht einsetzbar. Ein verpflichtender Filtereinbau würde ihr Aus bedeuten. Und: Für Geflügelbetriebe gibt es gar keine zertifizierte Filteranlage.“ Auch der steirische Viehhandel, die steirischen Fleischer und die Geflügelvermarkter solidarisieren sich mit der Landwirtschaft.

Hintergrund Baugesetz:

Das geplante Baugesetz sieht vor, dass bei bereits bestehenden Ställen zusätzliche Auflagen vorgeschrieben werden können. Selbst dann, wenn die Bescheid mäßigen Vorschriften mustergültig eingehalten. In keinem anderen Bundesland sowie keinem EU-Land gibt es derartige Bestimmungen in einem Baugesetz. Es soll heute Dienstag, dem 3. Juni im Baugesetz-Ausschuss beschlossen werden und am 10. Juni im Landtag kommen.


Aktualisiert am: 11.06.2008 13:38
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